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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Extrem-Unwetter im Westen: Wetterphänomen stürzt Deutschland ins Regen-Chaos
Der viele Regen im Westen hat einen Grund: Das Mittelmeer liefert Feuchtigkeit wie selten zuvor – ein gefährliches Zusammenspiel. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Hamm – Die aktuellen Unwetter im Westen Deutschlands mit mehr als 150 Litern Regen pro Quadratmeter in kurzer Zeit lassen sich auf eine markante Wetterkonstellation zurückführen. Aus dem Mittelmeerraum wurden extrem feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa gelenkt, wo sie auf kältere Luft trafen. Das Mittelmeer war in diesem Herbst so warm wie selten zuvor, teils mit Oberflächentemperaturen von knapp 30 Grad. Wir hatten bereits mehrfach an dieser Stelle darüber berichtet.
Solche Werte sind normalerweise eher im Hochsommer üblich, nicht jedoch im September oder Oktober. Je wärmer das Wasser, desto mehr Feuchtigkeit kann in die Atmosphäre gelangen. Der Wasserdampf kondensiert später in Wolken und entlädt sich dann in Form massiver Regenfälle. Ohne diese ungewöhnliche Wärme im Mittelmeer wären die Mengen im Westen deutlich geringer ausgefallen.
Klimawandel als Verstärker – Mittelmeer heizt sich besonders schnell auf
Die außergewöhnliche Hitze des Mittelmeers ist nicht nur ein Wetterphänomen, sondern Teil eines größeren Trends. Klimaforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass die Meere weltweit Wärme aufnehmen und sich stetig erwärmen. Der Mittelmeerraum zählt zu den Regionen, die besonders sensibel auf den Klimawandel reagieren und sich schneller aufheizen als andere Meeresgebiete.
Pro Grad zusätzlicher Erwärmung kann die Luft etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf speichern, was Extremniederschläge begünstigt. Das erklärt, warum Starkregenereignisse in den vergangenen Jahren nicht nur häufiger, sondern auch heftiger auftreten. Die jetzige Lage passt damit in ein Muster, das in Zukunft wahrscheinlich noch öfter beobachtet werden wird.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Das sind die Folgen eines warmen Mittelmeeres in Deutschland
Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich aktuell drastisch in überfluteten Straßen, unterspülten Bahnstrecken und steigenden Pegeln kleinerer Flüsse. Die Bevölkerung in den betroffenen Regionen erlebt unmittelbar, welche Wucht ein durch warme Mittelmeerfluten gespeistes Unwetter entfalten kann. Der aktuelle Starkregen ist damit mehr als ein lokales Extremwetter, er ist ein deutliches Warnsignal.
Wenn sich die Mittelmeeroberfläche weiter überdurchschnittlich stark erwärmt, muss Mitteleuropa künftig mit noch häufigeren und intensiveren Regenkatastrophen rechnen. Politik und Gesellschaft stehen damit vor der Herausforderung, sich besser gegen die wachsenden Risiken zu wappnen und zugleich die Ursachen des Klimawandels entschlossen anzugehen.