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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Polarwirbel zerfällt: Ausgerechnet jetzt droht gnadenloses Winterfinale über Deutschland hinwegzuziehen

Ausgerechnet zu Rosenmontag droht Deutschland laut Wettermodellen ein eisiges Finale mit Schnee, Frost und Chaos. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Die neuesten Modellläufe zeichnen ein Szenario, das selbst erfahrene Meteorologen aufhorchen lässt. Pünktlich zur Straßenfastnacht könnte sich eisige Kontinentalluft über Deutschland festsetzen, während milde Atlantikluft blockiert wird. Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt, ganztägiger Frost und verbreitete Schneefälle würden nicht nur den Verkehr lahmlegen, sondern auch Umzüge, Bühnen und Sicherheitskonzepte massiv belasten.

Die Höchstwerte an Altweiberfastnacht (12. Februar): Ganz Deutschland versinkt laut europäischem Wettermodell im Dauerfrost.

Besonders kritisch ist die Dauer der möglichen Kältephase, denn mehrere Tage mit Frost und Schnee erhöhen das Risiko für glatte Straßen, technische Ausfälle und logistische Probleme. Noch handelt es sich um Modellprojektionen, doch die Übereinstimmung mehrerer Läufe sorgt für wachsende Nervosität.

Der Polarwirbel als Chaos-Treiber des Winter-Wetters

Im Fokus steht dabei der Polarwirbel, dessen Stabilität für den Winterverlauf entscheidend ist. Aktuelle Berechnungen von GFS und ECMWF deuten auf eine deutliche Schwächung hin, möglicherweise sogar auf eine Aufspaltung. Ein solcher Prozess begünstigt Kaltluftvorstöße nach Europa, trifft aber nicht jedes Land gleichermaßen. Für Deutschland wäre eine blockierte Westlage besonders ungünstig, weil sich Kälte immer wieder regenerieren könnte.

Ob daraus ein historisches Winterchaos entsteht, hängt von Details ab, etwa der genauen Lage von Hochdruckgebieten und der Schneedecke, die Kälte zusätzlich verstärken kann. Zudem spielen zeitliche Verzögerungen eine große Rolle, sodass Effekte erst Tage später am Boden spürbar werden und Prognosen laufend angepasst werden müssen.

Deutschland versinkt im Schnee: Die Bilder vom Wetter-Chaos im Januar

Das Winter-Wetter hat vor allem den Norden Deutschlands fest im Griff.
Das Winter-Wetter hat vor allem den Norden Deutschlands fest im Griff. © Michael Reichel/dpa; David Hammersen/dpa; Jason Tschepljakow/dpa
Schneesturm „Elli“ fegt über Deutschland und bedeckt vor allem den Norden des Landes mit einer dicken Schneeschicht, wie hier in Bremerhaven.
Schneesturm „Elli“ fegte über Deutschland und bedeckte Anfang Januar hauptsächlich den Norden des Landes mit einer dicken Schneeschicht, wie hier in Bremerhaven. © Sina Schuldt/dpa
Der Deutsche Wetterdienst warnt am Freitagvormittag (9. Januar) vor orkanartigen Böen im Schwarzwald und auf Helgoland. Schwere Sturmböen drohen auf dem Brocken. Vielerorts, vor allem im Norden, wird vor Schneeverwehungen und starkem Schneefall gewarnt.
Der Deutsche Wetterdienst warnte am Freitagvormittag (9. Januar) vor orkanartigen Böen im Schwarzwald und auf Helgoland. Schwere Sturmböen drohten auf dem Brocken. Vielerorts, vor allem im Norden, wurde vor Schneeverwehungen und starkem Schneefall gewarnt. © Sina Schuldt/dpa; DWD
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in den Mittelgebirgen vor Glatteis. Auch in Bayern bestand am Freitag (9. Januar) die Gefahr von Glatteisregen mit unwetterartigen Auswirkungen.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in den Mittelgebirgen vor Glatteis. Auch in Bayern bestand am Freitag die Gefahr von Glatteisregen mit unwetterartigen Auswirkungen. © Philip Dulian/dpa
Der Uracher Wasserfall am Rand der Schwäbischen Alb ist nahezu komplett eingefroren.
Der Uracher Wasserfall am Rand der Schwäbischen Alb war nahezu komplett eingefroren. © Marijan Murat/dpa
Angesichts der Wetterlage machten viele Schulen in Deutschland dicht. In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fiel der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus.
Angesichts der Wetterlage machten viele Schulen in Deutschland dicht. In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fiel der reguläre Schulbetrieb flächendeckend aus. © Marcus Brandt/dpa
Im Hafen am Salzhaff wurden die eingefrorenen Schachtdeckel mit einem Gasbrenner freigelegt, um sie bei Bedarf öffnen zu können.
Im Hafen am Salzhaff wurden die eingefrorenen Schachtdeckel mit einem Gasbrenner freigelegt, um sie bei Bedarf öffnen zu können.  © Bernd Wüstneck/dpa
Auch der Bahnverkehr war beeinträchtigt. Ein Mann beseitigte eine dicke Schneeschicht auf einem Bahnsteig im Hamburger Hauptbahnhof.
Auch der Bahnverkehr war beeinträchtigt. Ein Mann beseitigte eine dicke Schneeschicht auf einem Bahnsteig im Hamburger Hauptbahnhof. © Marcus Brandt/dpa
Im Norden Deutschlands kam auch der Busverkehr teilweise zum Erliegen.
Im Norden Deutschlands kam auch der Busverkehr teilweise zum Erliegen. © Marcus Brandt/dpa
Da Busse und Bahnen teilweise ausfallen, bringen Eltern am frühen Morgen ihre Kinder mit Schlitten in die Schule.
Da Busse und Bahnen teilweise asufielen, brachten Eltern am frühen Morgen ihre Kinder mit Schlitten in die Schule. © Matthias Bein/dpa
Für Wintersportler hat das Wetter aber auch seine guten Seiten: Kinder fahren mit ihrem Schlitten am Bocksberg im Harz.
Für Wintersportler hat das Wetter aber auch seine guten Seiten: Kinder fuhren mit ihrem Schlitten am Bocksberg im Harz. © Swen Pförtner/dpa
Ein Schneeräumfahrzeug fährt bei Schneefall über die Autobahn A8. Im Bundesgebiet herrscht hohe Glatteisgefahr.
Ein Schneeräumfahrzeug fuhr bei Schneefall über die Autobahn A8. Im Bundesgebiet herrschte hohe Glatteisgefahr.  © Peter Kneffel/dpa
Auch in den Städten war der Winterdienst im Dauereinsatz.
Auch in den Städten war der Winterdienst im Dauereinsatz. © Michael Reichel/dpa
Die Deutsche Bahn stellte am Freitagmorgen wegen des stürmischen Winterwetters den Fernverkehr im Norden Deutschlands bis mindestens zum Mittag ein.
Die Deutsche Bahn stellte am Freitagmorgen wegen des stürmischen Winterwetters den Fernverkehr im Norden Deutschlands bis mindestens zum Mittag ein.  © Moritz Frankenberg/dpa
Aufgrund der Glätte kam es in Deutschland immer wieder zu Unfällen, wie hier auf der A7 zwischen Homberg und Bad Hersfeld.
Aufgrund der Glätte kam es in Deutschland immer wieder zu Unfällen, wie hier auf der A7 zwischen Homberg und Bad Hersfeld. © Rene Kunze/dpa
Bei einem Zusammenstoß zweier Autos im Landkreis Dingolfing-Landau sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Laut Polizei war eines der Autos auf einer Staatsstraße bei Reisbach ins Schleudern geraten.
Bei einem Zusammenstoß zweier Autos im Landkreis Dingolfing-Landau sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Laut Polizei war eines der Autos auf einer Staatsstraße bei Reisbach ins Schleudern geraten. © Jason Tschepljakow/dpa
Räumfahrzeuge waren auf den Runways sowie der Start- und Landebahn am Flughafen Hamburg unterwegs.
Räumfahrzeuge waren auf den Runways sowie der Start- und Landebahn am Flughafen Hamburg unterwegs. © Christian Charisius/dpa

Winterfinale statt Narrenfreiheit?

Für Karnevalisten und Kommunen bedeutet diese Wetterlage vor allem Unsicherheit. Umzüge zum Rosenmontag (16. Februar) könnten im ungünstigsten Fall kurzfristig abgesagt, verkürzt oder verlegt werden, wenn Eis und Schnee die Sicherheit gefährden. Gleichzeitig warnen Experten vor übertriebener Panik, denn Langfristprognosen können Extreme überzeichnen. Möglich ist ebenso ein abgeschwächtes Szenario mit weniger Schnee oder regionalen Unterschieden. Dennoch zeigt sich, wie verletzlich Großveranstaltungen gegenüber winterlichen Wetterlagen sind.

Das mögliche Winterfinale zur Fastnacht wäre weniger ein Rekordereignis als ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass der Winter meteorologisch oft dann zuschlägt, wenn kaum noch jemand mit ihm rechnet. Genau diese Mischung aus Timing, Tradition und Wetter macht die aktuelle Lage so brisant und emotional aufgeladen.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

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