Schwere Unwetter am Mittwoch
Rund 200 Einsätze in Bayern, dramatische Notlandung – und ein gefährlicher Tornado?
München/Landkreis – Teils schwere Unwetter sind am Mittwochabend (4. Juni) über Bayern gezogen. Das schlechte Wetter kam aus der Schweiz, am Abend erreichte es den Freistaat. Es gab örtlich Starkregen, heftigen Windböen, Hagel – und diverse Zwischenfälle.
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Update, 9.15 Uhr - Wohl Tornado an bayerischer Grenze
Aufgrund der zum Teil heftigen Gewitter sind Polizei und Feuerwehr in Bayern zu rund 200 Einsätzen ausgerückt. Nach Angaben der Polizeipräsidien waren die Kräfte dabei vor allem wegen umgeknickter Bäume und vollgelaufener Keller im Einsatz. Betroffen waren demnach das nördliche Oberbayern, Niederbayern, die Oberpfalz und Schwaben. In Manching (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) stieß ein Fahrradfahrer laut Verkehrspolizei am Mittwochabend gegen einen über der Straße hängenden Baum, der zuvor durch das Unwetter umgeknickt war. Der 61-Jährige stürzte demnach vom Rad und verletzte sich mittelschwer. Auf der A8 in Richtung München wurde ein Mensch laut Polizeipräsidium Oberbayern Nord bei einem Unfall in Folge von Aquaplaning leicht verletzt.
Im Zusamaltheim im schwäbischen Landkreis Dillingen an der Donau stellte das Unwetter eine Party-Gemeinschaft vor Herausforderungen: Ein Sturm deckte die Plane für ein am Wochenende aufgebautes Zelt ab, wie ein Polizeisprecher sagte. Dabei sei ein hoher Schaden entstanden, der jedoch zunächst nicht beziffert werden konnte.
Im direkt an Bayern grenzenden Ulm beschädigte das Unwetter mehrere Häuser. Im Stadtteil Donaustetten seien die Dächer mehrerer Reihenhäuser abgedeckt worden, sodass sie nicht mehr bewohnbar seien, sagte ein Feuerwehrsprecher. Verletzte gebe es nicht. Die Feuerwehr gehe von einer „kleinen Windhose“ aus, die durch zwei bis drei Straßenzüge gezogen sei. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prüft, ob es sich um einen Tornado handelte.
Flugzeug muss in Memmingen notlanden
Unter anderem verhagelte es Fußball-Fans und Nationalelf den Start des Spiels gegen Portugal in München (Liveticker zum Nachlesen): Das Nations-League-Halbfinale begann wegen des Unwetters erst um 21.10 Uhr und damit zehn Minuten später als geplant. Zuvor hatte Hagel die Torhüter der deutschen Nationalmannschaft nach einer kurzen Stippvisite für ihr Warm-up vom Platz getrieben. Sie flüchteten vor dem Gewitter mit großen Hagelkörnern, kehrten dann aber zurück. Auf den Tribünen versuchten die Zuschauer Schutz vor den Wassermassen zu finden, deckten sich mit Capes und Regenjacken ab - oder zogen sich gleich in den trockenen „Bauch“ der Arena zurück.
Weitaus „aufregender“ war die Situation für Crew und Passagiere eines Fluges von Ryanair auf dem Weg von Berlin nach Mailand. Die Maschine geriet laut Daten von flightradar24.com in eine heftige Gewitterzelle und musste schließlich auf dem Flughafen von Memmingen notlanden. Laut Augenzeugen kam es an Bord zu massiven Turbulenzen, mehrere Menschen wurden durch die Kabine geschleudert, einige sogar gegen die Decke. Die Polizei bestätigte mehrere Verletzte. Die Maschine soll sich durch das Gewitter „teilweise stark zur Seite geneigt haben“, wurde weiter berichtet. Ein Reisender: „Ich hatte noch nie Angst beim Fliegen, aber in dem Moment dachte ich, die Maschine zerbricht.“ Nach der Landung kümmerten sich zahlreiche Rettungskräfte um die Passagiere und die Crew.
Notlandung von Ryanair-Flugzeug in Memmingen nach Unwetter




Windhose oder Tornado?
Auch sonst hatten die Einsatzkräfte in der Nacht gut zu tun: In Baden-Württemberg beschädigte das Unwetter mehrere Häuser in Ulm. Im Stadtteil Donaustetten seien die Dächer mehrerer Reihenhäuser abgedeckt worden, sodass sie nicht mehr bewohnbar sind, sagte ein Feuerwehrsprecher. Verletzte gebe es nicht. Die Feuerwehr gehe von einer „kleinen Windhose“ aus, die durch zwei bis drei Straßenzüge gezogen sei.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prüft, ob es sich um einen Tornado handelte. Im Laufe des Tages sollte Klarheit herrschen, sagte ein DWD-Sprecher.
Dächer abgedeckt, Bäume geköpft: Unwetter wütet in Ulm




Wenig Einsätze ganz im Süden Bayerns
Ansonsten blieb es ganz im Süden Bayerns vergleichsweise ruhig. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gab es „nur“ zwei umgefallene Bäume, das Polizeipräsidium Oberbayern Nord registrierte bis zu den späten Abendstunden etwa 35 unwetterbedingte Einsätze, meist wegen umgestürzter Bäume. Der Deutsche Wetterdienst hatte eine amtliche Unwetterwarnung für Teile Bayerns herausgegeben, teilweise sogar mit der höchsten Stufe 4.
Einen umgestürzten Baum und einen vollgelaufenen Keller meldete das Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg. Es sehe zumindest vor Ort in Regensburg danach aus, als ob das Wetter durchgezogen sei. Ähnliches war aus den Regierungsbezirken Mittelfranken und Schwaben zu hören, für die es ebenfalls Warnungen gab. „Bei uns regnet es“, sagte ein Polizeisprecher in Nürnberg. Man habe „nicht viel gespürt“ und „unspektakulär“, hieß es aus Schwaben.
Experten warnten: „Das ist ein ganz schönes Brett...“
Die Meteorologen hatten die drohende Front bereits am Dienstag (3. Juni) angekündigt. „Das ist schon ein ganz schönes Brett, das uns da morgen (Anm. der Red.: am Mittwoch, 4. Juni) erwartet. (...) Es ist nur klar: Im Südosten Deutschlands und in den angrenzenden Regionen drohen (...) schwere Unwetter mit der Gefahr von sinnflutartigem Regen, Hagelschlag, schwerem Sturm und/oder Orkanböen sowie Downbursts (extreme Fallwinde). Und durch die Windscherung sind auch Tornados möglich. Es ist eine erhöhte Tornadogefahr“, hatte Meteorologe Kai Zorn erklärt. rosenheim24.de hatte berichtet.
Wie ist die Lage bei Euch vor Ort?
Das Unwetter trifft auch Eure Region? Lasst uns Eure Eindrücke über leserbriefe@ovb24.de zukommen. Neben Videos und Fotos könnt Ihr uns auch gerne Erlebtes schildern. Ganz wichtig ist, dass Ihr uns mitteilt, wo die Aufnahmen entstanden sind. Wenn Ihr namentlich erwähnt werden wollt, nennt uns bitte Euren Namen.
Und die Wetterexperten von der Wetterküche Bayern hatten im Vorfeld eine Karte veröffentlicht, in der die Unwettergefahr nach Regionen aufgeschlüsselt visualisiert dargestellt wurden. Südlich einer gedachten Linie Augsburg – Landshut – Deggendorf war eine „rote Zone“ und damit eine besonders gefährdete Region eingezeichnet. Auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte früh entsprechende (Vor-)Warnungen veröffentlicht. (mw/mh)
