Organspende-Lauf und Mini-Triathlon geplant
Mit Spenderherz wieder sporteln! – Die unglaubliche Geschichte von Regina (27) aus Starnberg
Regina Richtmann (27) ist froh, am Leben zu sein: Vor über zwei Jahren bekam sie ein Spenderherz. Die 25 Jahre davor waren für die Starnbergerin eine Tortur. Mit ihrem neuen Herzen kann sie jetzt richtig Sport machen. Was sie über ihren Spender weiß und welches Ziel sie sich für den Sommer vorgenommen hat.
München/Starnberg – Beim Lauf 2024 in Leipzig war Regina Richtmann erstmals mit von der Partie. Ein Jahr, nachdem sie ihr Spenderherz in Großhadern eingepflanzt bekommen hatte. Das Vierteljahrhundert davor: eine Tortur. Schon bald nach der Geburt wurde bei der Starnbergerin eine Verdickung des Herzmuskels festgestellt. Seit ihrer Kindheit musste sie alle drei Monate zum Kardiologen, Betablocker nehmen. Die Angst stieg rapide, als sie mit 14 auf ihren Rollerblades einfach umkippte. Sie wurde gerettet.
Mein größter Traum war: endlich wieder Treppen steigen.
Regina berichtet uns von Panik-Attacken, von dem Alltagsstress als Studentin und später als Architektin, von der Angst vorm nächsten Herzanfall. „Mein größter Traum war: Treppen steigen können. Früher bin ich eine Stufe gegangen und habe in mich hineingehört, ob ich noch kann oder Herzflimmern kriege.“
Im Sommer 2022 kam sie endlich auf die Hochdringlichkeits-Liste
Vor sechs Jahren kommt sie auf die Warteliste für eine Herz-OP, im Sommer 2022 wird sie endlich als „dringlich“ eingestuft. Ob das monatelange Warten in der Klinik auf ein neues Herz nicht eine Qual war? „Nein. Als ich auf die Hochdringlichkeits-Liste kam, habe ich begriffen: Jetzt geht endlich was voran!“, erinnert sie sich. Dass sie nie aufgegeben hat: Das lag auch an ihrer Familie.
In Dresden nimmt sie am Mini-Triathlon teil
„Wir sind alle sehr positiv eingestellt, dadurch konnten wir die Zeit vielleicht etwas besser durchstehen als andere Familien.“ Natürlich gab es Tiefpunkte, „aber ich habe mich durchgekämpft“. Und jetzt startet sie beim Fünf-Kilometer-Lauf durch Münchens grüne Lunge. Der sportliche Höhepunkt wird allerdings heuer in Dresden sein. Dort absolviert Richtmann einen Mini-Triathlon: 500 Meter schwimmen, 20 Kilometer radeln und fünf Kilometer laufen. „Dabei sein ist alles“, schmunzelt die Starnbergerin – und meint das im wahrsten Sinne des Wortes.
Von ihrem Spender weiß Regina nur, dass er 50 Jahre alt wurde. „Ich möchte für mich und meinen Spender möglichst lange weiterleben. So viel daraus machen, wie möglich ist und ihn überall mit hinnehmen.“
Transplantations-Experte: 8500 Patienten warten auf ein neues Organ
Seit fast 40 Jahren steht Prof. Dr. Matthias Anthuber (66) am OP-Tisch und hat in seinem Berufsleben ungefähr 500 Organe verpflanzt. Erst in Großhadern Herz, Lunge und Leber, dann in Regensburg Leber, Niere und Bauchspeicheldrüse – und seit seiner Zeit in Augsburg ist er auf Nieren spezialisiert. Ohnehin sei dieses Organ am häufigsten gefragt. „Wir haben derzeit in Deutschland eine Warteliste von 8500 Patienten, davon benötigen 6500 eine neue Niere“, weiß der Chirurg.
Münchner Organspendelauf: So machen Sie mit
Start und Ziel sind der Biergarten am Chinesischen Turm im Englischen Garten, der auch die Ziel-Verpflegung der Teilnehmer übernimmt. Es gibt insgesamt drei Streckenlängen: 2,5 km, 5 km und 10 km. Walker und Läufer aller Leistungsklassen sollen eine Plattform erhalten, so die veranstaltende Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. Die Mittel- und Langstrecke führt über einen fünf Kilometer langen Rundkurs.
Anmeldung unter www.organspendelauf.de/anmeldung.html für alle drei Läufe: Präsenzlauf am 27. März um 18 Uhr (Anmeldeschluss: 20. März um 12 Uhr), den virtuellen Lauf vom 27. bis 30. März einmal mit Sponsoren-Shirt (Anmeldeschluss: 13. März 12 Uhr) und ohne Shirt bis einschließlich 30. März.
Dass mittlerweile 38 Prozent der Bundesdeutschen einen Organspende-Ausweis haben, sei zwar gar nicht so schlecht – „als ich 1985 erstmals transplantierte, waren es zwei Prozent“ –, doch ein „riesiges Problem“ bestehe: „Nur bei 17 Prozent der Menschen wird ein Organspende-Ausweis überhaupt gefunden.“ Das heißt: Hier geht es „auf Los zurück“, und die Gespräche mit Angehörigen seien extrem schwierig. „Viele sagen: Wir wollen das nicht, unser Angehöriger hat im Leben genug gelitten.“
„Der Staat bemächtigt sich der Toten“
Prof. Anthuber plädiert dafür, dass man zu Lebzeiten ausdrücklich widersprechen müsse, dass die eigenen Organe nach dem Tod gespendet werden. „25 Länder um uns herum haben die Widerspruchs-Regel längst eingeführt. Wir sind hier eine Insel der Unglückseligen. Der Staat bemächtigt sich der Toten. Jeder hat ja die Möglichkeit, rechtzeitig Widerspruch einzulegen.“ Der Organspendelauf sei „so wichtig für uns“, um Menschen aufzuklären und sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Egal, wie die Entscheidung ausfällt: Das Thema muss noch viel stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken.“

