In JVA stark abgenommen, aber „topfit“
Alle Hafterleichterungen gestrichen! Neue Ermittlungen belasten Starkoch Schuhbeck sehr
Jahrelang war er ganz oben, dann kam der tiefe Fall: Alfons Schuhbeck verlor sein Gastro-Imperium und landete im Gefängnis. Nun wurden ihm auch noch seine Hafterleichterungen gestrichen - wegen der neuen Ermittlungen gegen ihn.
München/Rothenfeld - Seit Sommer gibt es neue Vorwürfe gegen Alfons Schuhbeck: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt seitdem auch wegen Insolvenzverschleppung und Betrugs im Zusammenhang mit Corona-Hilfen gegen den Star-Koch, der wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis sitzt. Die Rede ist, dass Schuhbeck im Zusammenhang mit staatlichen Corona-Hilfen bei insgesamt elf Firmen eine sechsstellige Summe abgezockt haben soll Die Ermittlungen sollen in diesem Verfahren weit vorangeschritten, aber noch nicht abgeschlossen sein.
Urteil wegen Steuerhinterziehung von 2,3 Millionen Euro
Im vergangenen Jahr hatte Schuhbeck seine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung angetreten. Das Landgericht München I hatte ihn zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Es war überzeugt, dass er 2,3 Millionen Euro Steuern hinterzogen und mehr als 1000 Mal in die Kasse von zwei seiner Restaurants gegriffen hat, um Geld verschwinden zu lassen. Er gab zu, dazu ein Computerprogramm genutzt zu haben, das ein Angestellter in seinem Auftrag erstellt hatte.
Zunächst saß Schuhbeck in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech ein und inzwischen in einer Außenstelle der JVA im Andechser Ortsteil Rothenfeld. Die „Bild“ berichtete damals auch, Schuhbeck bekomme Freigang und dürfe die JVA zeitweise verlassen. Anfang Juni habe er sogar zwei Nächte in seiner Wohnung am Münchner Platzl verbringen dürfen.
Alle Hafterleichterungen gestrichen
Doch nun hat sich die Situation offenbar wieder geändert - wegen der aktuellen Ermittlungen. Schuhbeck sollen alle Erleichterungen gestrichen worden sein. Nicolas Stieger (56), einer seiner Anwälte, erklärte gegenüber der Bildzeitung: „Körperlich wirkte Herr Schuhbeck bei meinem letzten Besuch topfit. Die neuen Ermittlungen belasten ihn natürlich sehr. Besonders schlimm ist für ihn, dass deswegen seine Hafterleichterungen zurückgenommen wurden.“
Was die aktuellen Ermittlungen angeht, sei er optimistisch, dass es zu keiner Anklage kommt. Der Jurist sagt aber auch: „Sollte es zu einem Prozess kommen und er verurteilt werden, muss er länger im Gefängnis bleiben. Das ist eindeutig.“ Schuhbeck soll stark abgenommen haben, sehr viel Sport treiben und sich fortbilden, arbeiten soll er in der JVA nicht.
Das Leben im Knast
Die Leiterin der Justizvollzugsanstalt in Landsberg am Lech, Monika Groß, hatte erst vor kurzem in einem Interview mit unserem Partnerportal „Münchner Merkur“ Einblicke in den Alltag ihres Gefängnisses gegeben.
„Wir haben vier Ziegen, 873 Hühner, einen Kater, mehrere Kühe und acht Kälber“, erklärte die Anstaltsleiterin. Derzeit seien 27 der 100 Haftplätze in der Außenstelle Rothenfeld belegt. „Das Ambiente in Rothenfeld ist wunderschön“, sagte Groß der Zeitung. „Es ist alles viel lockerer.“
Die Häftlinge aus der Justizvollzugsanstalt Landsberg würden frühestens nach drei Monaten und frühestens 18 Monate vor ihrem Entlassungsdatum in den gelockerten Vollzug nach Rothenfeld verlegt, sagte die Direktorin des Gefängnisses, in dem derzeit der frühere Starkoch Alfons Schuhbeck als derzeit prominentester Häftling einsitzt. Es gebe jedoch keine besondere Behandlung für Prominente, sie würden auch nicht besonders geschützt. Manche Häftlinge schafften den Schritt nach Rothenfeld nie, mangels Eignung. „Es hängt auch davon ab, welches Delikt jemand begangen hat und ob weitere Straftaten zu erwarten sind.“
Er bekochte die Queen und die Beatles
Schuhbeck war jahrelang fester Bestandteil der Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft. Er bewirtete Promis und wurde dabei selbst einer. Er hat die Queen bekocht, die Beatles, Charlie Chaplin und immer wieder auch den FC Bayern München und wurde einer der bekanntesten Köche und Gastronomen der Republik.
Sein Name war jahrelang eine Marke. Schuhbeck baute ein Firmengeflecht auf mit drei Restaurants, einem Catering-Service, einem Eissalon und Gewürzläden. Er arbeite 19 Stunden am Tag, sagte er noch zu seinem 70. Geburtstag vor fünf Jahren. Doch Schuhbeck fiel tief. Er meldete Insolvenz für seine Münchner Restaurants an, im vergangenen Jahr wurde auch ein Insolvenzverfahren gegen ihn persönlich eröffnet.
Inzwischen sind von dem einstigen Gastro-Imperium nur noch die Gewürzläden übrig geblieben. Im Münchner Laden gab Schuhbeck bis kurz vor seinem Haftantritt auch wieder Kochkurse.
Schuhbeck 2022: „Ich habe einiges falsch gemacht“
„Ich habe einiges falsch gemacht“, sagte Schuhbeck 2022 vor Gericht, bevor er sich dann doch zu einem umfangreicheren Geständnis durchringen konnte. „Ich habe mir, meinen Freunden und Bekannten und auch meinen Verteidigern bis zuletzt etwas vorgemacht, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich unternehmerisch gescheitert bin.“ Im Prozess sagte er auch: „Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es sofort tun.» Und: «Ich stehe vor den Trümmern meines Lebenswerkes.“ (mz)
