Oktoberfest München
„Too hot to Hendl“ - Rekordhitze, Promi-Show, Todesfall und Promille-Wahnsinn: Diese Wiesn ist anders
Heiße Maß, kalte Nerven und prominente Überraschungen: Das Oktoberfest 2025 ist gestartet – mit Rekordtemperaturen, Promi-Glamour und einem traurigen Zwischenfall. Zwischen Schweiß, Schunkeln und Sicherheit bleibt vor allem eines hängen: Diese Wiesn ist anders.
München — Die 190. Wiesn hat begonnen – und wie! Schon zum Auftaktwochenende feierten rund eine Million Besucherinnen und Besucher auf der Theresienwiese – begleitet von Rekordtemperaturen, Rekord-Patientenzahlen und einer tragischen Nachricht gleich am Morgen des ersten Tages.
Rekord-Hitze: Das heißeste Oktoberfest seit Beginn der Wetteraufzeichnung
Bis zu 31 Grad zeigte das Thermometer am Samstagmittag (20. September) – so heiß war es zum Start des Oktoberfests noch nie, wie der Deutsche Wetterdienst bestätigte. Die Folge: statt Bier war vor allem Wasser gefragt – und zwar so sehr, dass einige Wirte an ihre Kapazitätsgrenzen kamen. An den zehn kostenlosen Trinkwasserstellen herrschte Hochbetrieb.
„Das war ein traumhafter Wiesnstart”, bilanzierte Wiesnchef Christian Scharpf trotzdem zufrieden. Die Stimmung? Hervorragend. Nur für gebrannte Mandeln und Schokofrüchte lief es nicht ganz so gut – sie gingen bei der Hitze erwartungsgemäß schlechter über die Theke. Dafür waren rasante Fahrgeschäfte besonders beliebt: ein bisschen Fahrtwind als Erfrischung.
Bier, Schweiß und Promi-Glanz – Politik trifft auf Party
Beim Anstich im Schottenhamel flossen Bier und Schweiß in Strömen. Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte Mühe, den Schlegel zu halten – nicht wegen seiner operierten Schulter, sondern wegen der Schweißhände: «Es war echt anstrengend heute, viel mehr als in den vergangenen Jahren.»
Markus Söder, ebenfalls im Schottenhamel, kommentierte den Hitzestart trocken: «Puh, ist das warm!» Trotzdem genoss der Ministerpräsident die Maß – für ihn ist die Wiesn „ein Moment der Friedlichkeit“.
Einen kleinen Überraschungsauftritt lieferte Bundeskanzler Friedrich Merz, der gemeinsam mit SPD-Spitzen wie Lars Klingbeil und Bärbel Bas am Tisch saß. Auf der Empore gab’s Brotzeit, Bier – und als Soundtrack: „Tage wie diese“ von den Toten Hosen. Jubel und Buh-Rufe mischten sich unter die Handykameras.
Drake in Latzhose, Klum mit Kaulitz, Hummels mit Freundin
Auch der internationale Promi-Glamour kam nicht zu kurz: Rapper Drake teilte auf Instagram ein Foto aus dem Festzelt – mit Latzhose, Glupperl und „Too hot to Hendl“-Herz. Heidi Klum und Ehemann Tom Kaulitz feierten im Käferzelt – und knutschten für die Kameras. Fußballstar Mats Hummels zeigte seine Freundin Nicola Cavanis, wie sie mit fünf Schlägen ein Fass anzapft.
Und für alle, die wissen wollen, was dieses Jahr in den Zelten läuft: Der Song „Wackelkontakt“ von Oimara hat gute Chancen auf den Wiesn-Hit 2025. Ob’s ihm wichtig ist? „Mir reicht’s, wenn ich ihn einmal im Zelt hör – dann hat sich mein Traum erfüllt.“
Tragischer Zwischenfall gleich zu Beginn
So ausgelassen das erste Wochenende war – es gab auch einen traurigen Moment: Noch vor der offiziellen Eröffnung starb eine 70-jährige Frau im Bereich der Schausteller-Wohnwagen. Der Sanitätsdienst der Aicher Ambulanz rückte schnell an, die Reanimation blieb jedoch erfolglos. Ein Kriseninterventionsteam betreute die Angehörigen.
910 Patienten – allein am ersten Tag
Auch sonst hatten die Helferinnen und Helfer alle Hände voll zu tun: 910 Behandlungen wurden allein am ersten Tag registriert – ein Allzeit-Rekord. Der bisherige Höchstwert lag am 2. Oktober 2023 bei 703 Einsätzen.
Der häufigste Grund für Behandlungen: Kreislaufprobleme, gefolgt von Alkoholexzessen. So wie im Fall eines 18-jährigen US-Touristen, der mit satten 2,9 Promille zur Sanitätswache gebracht wurde. Wie viele Maß er getrunken hatte? Konnte er nicht mehr sagen.
Herzergreifend dagegen ein Einsatz am Samstagabend: Eine 66-jährige Besucherin klagte über Kreislaufprobleme – nicht wegen des Alkohols, sondern wegen der Enge, der Hitze und dem Gedränge. Während sie in der Ambulanz pausierte, wich ihr 71-jähriger Mann keine Sekunde von ihrer Seite. Seit über 40 Jahren Hand in Hand – auch auf der Wiesn.
Polizei-Einsätze, Festnahmen – und der mysteriöse Schausteller-Container
Auch die Polizei meldete einige Zwischenfälle: Ein 25-jähriger Italiener soll den Hitlergruß gezeigt haben. Gegen einen 55-Jährigen wird wegen Gefangenenbefreiung ermittelt. Und es gab auch Berichte über sexuelle Belästigungen und Taschendiebstähle. Zudem gab es einen kleinen Brand und leider eine Masskrug-Schlägerei.
Besonders mysteriös: In einem Schausteller-Container ermittelt die Polizei wegen eines Vorfalls, zu dem bislang keine Details bekanntgegeben wurden.
Strenge Sicherheitsmaßnahmen und ein Rat vom Wiesnchef
Die Sicherheitsvorkehrungen bleiben hoch: Das Messerverbot wurde auf das Wiesnumfeld ausgeweitet, große Taschen sind wie immer tabu, Kiffen ist in Bayern sowieso verboten. Und für alle, die sich zu später Stunde nicht mehr sicher fühlen: Mehrere Zelte nutzen die SafeNow-App, mit der Gäste auf Knopfdruck Hilfe rufen können.
Wiesnchef Scharpf blickt trotz Hitze und Hektik optimistisch aufs zweite Wochenende: Das Wetter soll kühler werden – was nicht schadet. Sein Rat an alle Gäste: „Den Janker oder die Strickjacke sollte man mitdenken.“
