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„Epochaler Fortschritt“?

Kardinal Marx erlaubt Segnung homosexueller Paare – Konservative wüten

Die katholische Kirche in München öffnet Türen für LGBTQ-Paare. Ein historischer Schritt, der nicht überall Zustimmung findet.

Die Debatte um die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sorgt in der katholischen Kirche seit Jahren für hitzige Diskussionen. In einer modernen Gesellschaft erscheint es progressiven Katholiken als logischer Schritt, während konservative Kräfte darin eine Selbstaufgabe sehen. Kardinal Reinhard Marx macht nun Nägel mit Köpfen und hat im Erzbistum München-Freising offiziell die Erlaubnis zur Segnung erteilt.

Reinhold Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising, zelebriert einen Festgottesdienst zum 27. Alpenregionstreffen der Gebirgsschützen. (Archiv)

In einem aktuellen Schreiben an die Seelsorgerinnen und Seelsorger seines Verantwortungsbereichs empfiehlt er die Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) „als Grundlage pastoralen Handelns“, wie das Erzbistum auf Anfrage mitteilt.

Kardinal Marx erlaubt Segnung von Homosexuellen und Geschiedenen in München-Freising

Vor einem Jahr verabschiedeten die DBK und das ZdK, die Vertretung der Laien in den Gemeinden, diese Handreichung. „Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an“, heißt es darin. Die Basis dafür war wiederum, dass der Vatikan unter Papst Franziskus 2023 das Verbot für Segnungen homosexueller Beziehungen gelockert hatte. Anschließend hatte es international heftige Streitigkeiten in der Kirche gegeben. Besonders in Afrika und Osteuropa stieß das Anliegen von Papst Franziskus auf heftige Ablehnung.

Neu ist mit der Entscheidung von Marx nun, dass der Segen offiziell von oben genehmigt ist, während Priester zuvor in einer rechtlichen Grauzone operierten. Voraussetzung bleibt, dass der jeweilige Ortsbischof die Handreichung in Kraft setzt, da jeder Bischof sein Bistum weitgehend unabhängig leitet.

Leo XIV. ist der neue Papst – Vatikan zeigt erste Fotos kurz nach der Wahl

Papst Leo XIV
Schon am zweiten Tag des Konklaves wurde Leo XIV. zum neuen Papst gewählt. © Screenshot/Vativan News
Der neu gewählte Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan.
Der neue Papst Leo XIV., der US-Amerikaner Robert Prevost, erscheint nach dem Konklave auf dem Balkon des Petersdoms im Vatikan. © Marijan Murat/dpa
Rund 40.000 Gläubige sind angereist, um den neuen Papst zu sehen. Der 267. Pontifex zeigt sich dankbar.
Rund 40.000 Gläubige sind angereist, um den neuen Papst zu sehen. Der 267. Pontifex zeigt sich dankbar. © Vatican Media/Imago
Papst Leo XIV Rede
Papst Leo XIV. sprach in seiner ersten Rede unter anderem vom Frieden und bedankte sich bei den Kardinälen. © Screenshot/Vatican News
Menschen am Petersplatz
Tobender Jubel auf dem Petersplatz, wo die Gläubigen sich massenhaft versammelt haben, um den ersten Segen von Papst Leo XIV. zu empfangen. © Screenshot/Vatican News
Papst erster Segen
Seinen ersten Segen sprach der neu gewählte Papst Leo XIV. am Donnerstagabend (8. Mai) aus. © Screenshot/Vatican News
Besucher auf dem vollen Petersplatz
Mit Papst Leo XIV. kommt erstmals das Kirchenoberhaupt aus Nordamerika. © Screenshot/Vatincan News
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle verkündet es der Welt: Ein neuer Papst ist gewählt – ein bedeutender Moment für die katholische Kirche.  © Andrew Medichini/dpa
Menschen auf dem Petersplatz
Auf dem Petersplatz drängten sich die Gläubigen, um gleich beim ersten Auftritt des neu gewählten Papstes dabei zu sein. © Screenshot/Vatican News
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes
Das Konklave begann am 7. Mai, nur einen Tag später am 8. Mai wurde bereits der neue Papst bekannt gegeben. © dpa
Konklave zur Wahl des neuen Papstes
Eine Menschenmenge wartete auf dem Petersplatz darauf, den neu gewählten Papst zu begrüßen. © Markus Schreiber/dpa
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt
Insgesamt 133 Kardinäle wählten beim Konklave den neuen Papst. © Gregorio Borgia/dpa
Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt
Die Gläubigen haben sich zahlreich versammelt, um die Bekanntgabe des neuen Papstes zu verfolgen.  © Gregorio Borgia/dpa
Papst Franziskus gestorben - Argentinien
Der neue Papst folgt auf Papst Franziskus, der im Jahr 2013 zum Papst gewählt wurde. © Martin Cossarini/dpa
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz.
Erst im März 2025 leitete der Papst als Kardinal Robert Francis Prevost ein Rosenkranzgebet auf dem Petersplatz. © Kirsty Wigglesworth/dpa
Im Februar 2025 schüttelte Papst Franziskus die Hand Kardinal Robert Francis Prevost während der Messe für das Jubiläum der Streitkräfte im Vatikan.
Im Februar 2025 schüttelte Papst Franziskus die Hand Kardinal Robert Francis Prevost während der Messe für das Jubiläum der Streitkräfte im Vatikan. © Vatican Media/Imago
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus.
Als Kardinal erhielt Leo XIV. (rechts) im September 2023 seine Biretta vom verstorbenen Papst Franziskus. © Riccardo De Luca/dpa
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig.
Mitte der 1980er Jahre war Papst LEO XIV. als Missionar in Peru tätig. Dort gründete er Pfarreien, leitete ein Priesterseminar und war in der Bischofsausbildung aktiv. 2015 ernannte ihn Franziskus zum Bischof von Chiclayo, einer Diözese im Norden des Landes. © Diocese of Chulucanas/dpa
Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle Vatikan
Unter tosendem Applaus der Kardinäle: Papst Leo XIV beim Verlassen der Sixtinischen Kapelle. © Rai News
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.
Erste Glückwünsche für den neu gewählten Papst Leo XIV.  © Rai News
Kardinal Robert Francis Prevost Papst Leo XIV
Bevor Kardinal Robert Francis Prevost zu tausenden Menschen am Petersplatz spricht, hat er Augenblicke nach der Wahl zum Papst noch innige Momente im Vatikan. © Rai News
Papst Leo XIV. Konklave Wahl Papstwahl Vatikan Bilder erste Aufnahmen
Papst Leo XIV. wenige Augenblicke nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche. © Rai News

Auch geschiedene und wiederverheiratete Katholiken können den Segen empfangen, sofern der Ortsbischof zustimmt. Eine kirchliche Hochzeit bleibt jedoch für sie und gleichgeschlechtliche Paare ausgeschlossen, da die Ehe in der katholischen Kirche nur zwischen Mann und Frau geschlossen wird. Die Begründung lautet: „Was Gott zusammenfügt, soll der Mensch nicht scheiden.“

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: Heftige Kontroverse auch in Deutschland

Im Bistum Limburg, unter der Leitung des reformfreudigen Georg Bätzing, wird die Handreichung bereits umgesetzt. Auch in den Bistümern Trier und Rottenburg-Stuttgart können Paare gesegnet werden. Anders verhält es sich in Bistümern mit konservativen Bischöfen. „Eine solche Empfehlung wird es für das Bistum Regensburg nicht geben“, erklärt ein Sprecher des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer. Die Tagespost, ein Sprachrohr erzkonservativer Katholiken, bezeichnet die Segensfeiern als „eine deutsche Provokation“, die „den Maßgaben des Vatikans klar zuwiderläuft“.

Auch die Pressestelle des konservativen Kardinals Rainer Maria Woelki aus Köln betont: „Wir werden die angesprochene Handreichung im Erzbistum Köln nicht zur Anwendung bringen.“ Das Dikasterium für die Glaubenslehre in Rom habe darauf hingewiesen, dass die Segensspendung spontan und kurz sein solle, ohne liturgische Form. „Hier geht die Handreichung nach unserer Einschätzung über die weltkirchlichen Regelungen hinaus.“

Katholische Kirche streitet über Segnung – „deutsche Provokation“ oder „epochaler Fortschritt“?

Der progressive und offen schwule Münchner Priester Wolfgang Rothe hat bereits 2021 im Rahmen von „#liebegewinnt“ öffentlich schwule und lesbische Paare gesegnet. Diese Aktion war ein Protest liberaler Geistlicher gegen das damalige Verbot der Glaubenskongregation im Vatikan. Rothe kommentiert Marx’ Schritt: „Das ist für die katholische Kirche nichts weniger als ein Sprung über den eigenen Schatten und ein, wenn auch kleiner, so doch epochaler Fortschritt.“ Gleichgeschlechtliche Paare seien nun keine Bittsteller mehr, und Priester müssten keine negativen Konsequenzen fürchten.

Rothe betont jedoch, dass dies nur der Anfang sein könne: „Die Diskriminierung all dieser Menschen innerhalb der katholischen Kirche ist damit zwar noch längst nicht beseitigt, aber sie ist geringer geworden.“

Warum zögern viele Bischöfe noch, die Handreichung umzusetzen? Offiziell gibt es keine klare Antwort, doch viele warten wohl auf die Positionierung von Papst Leo XIV. Obwohl er gegen Donald Trump argumentiert und bei progressiven Katholiken beliebt ist, gibt es keinen Hinweis darauf, dass er die kirchliche Sexualmoral ändern will. Themen rund um LGBTQ seien „höchst polarisierend“, sagte er nach seiner Wahl. Und mit dem Papst wollen sich nur wenige Bischöfe anlegen. (Verwendete Quellen: dpa, katholisch.de)

Rubriklistenbild: © Uwe Lein/dpa

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