Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Die Leute werden immer rücksichtsloser“

„Scheißköter an die Leine“ – Wenn Biker und Hundebesitzer am Achendamm in Zoff geraten

Fahrradfahrer und E-Biker auf dem Damm entlang der Tiroler Ache zwischen Grassau und Übersee.
+
Alles im Griff? Gerade im Sommer geht‘s am Achendamm ganz schön zu. Bei der Vielzahl an Spaziergängern und Hundebesitzern, Fahrradfahrern und immer mehr E-Bikern, die ihre Geschwindigkeit nicht zuverlässig im Griff zu scheinen haben, ist Zoff vorprogrammiert.

Der Achendamm zwischen der Autobahn bei Übersee und Grassau gehört zu den schönsten Flecken. Doch immer öfter wird die Idylle durch Rücksichtslosigkeit gestört. Eine Momentaufnahme und ein Aufruf, sich auch mal selbst an die Nase zu fassen.

Übersee – Um 7:30 Uhr sind die Temperaturen an diesem Donnerstagmorgen Mitte Juli noch angenehm. Der Hund – ein siebenjähriger, etwa kniehoher Mischling, dessen Bewegungsdrang eine genetische Vergangenheit als Husky vermuten lässt, muss raus. Die drei Kilometer bis zur kleinen Achenbrücke, dort, wo man im Sommer auch auf selbst gebauten Brettern surfen kann, sind mit dem Rad schnell zurückgelegt. Wir überqueren die Brücke, da auf der anderen Seite erfahrungsgemäß sehr wenig los ist. Doch auf dem Rückweg, der Hund und ich sind schon weit über die Hälfte des Flusses, biegen drei Radler auf die enge Brücke. Rüstige Senioren, wie es den Anschein macht, mit Fahrradklamotten, Helmen, E-Bikes, aber sportlichen. Ich mache mich aufgrund unangenehmer Erfahrungen aus der Vergangenheit auf das Schlimmste gefasst.

Erste Überraschung

Doch ich werde enttäuscht, aber im positiven Sinne. Die Frau merkt erst kurz vor dem „Zusammenstoß“, dass ihr jemand entgegenkommt, bleibt stehen und steigt vom Rad. „Oh, ich habe euch gar nicht gesehen.“ Auch ich bin abgestiegen und hebe mein Fahrrad leicht übers Geländer, während ich den Hund zurückpfeife, dieser sich aber dennoch an den E-Bikern vorbeischlängelt. Normalerweise hört er besser... Doch alle sind entspannt und wir plaudern sogar noch kurz nett miteinander, bevor jeder seinen Weg fortsetzt.

„Geht‘s noch?“

Normal ist das leider nicht, wie eigene Erfahrungen und die von zahlreichen Bekannten zeugen. Und manchmal muss man sich dabei auch an die eigene Nase fassen. Einmal unterhalte ich mich mit einem älteren Überseer, der inzwischen alleine – früher immer mit seinem kleinen Hund, der jedoch gestorben ist – an der Ache spazieren geht. Meiner sitzt an der Seite. Nicht angeleint. Doch ich habe ihn sitzen lassen, als ich gesehen habe, dass ein Fahrradfahrer mit hoher Geschwindigkeit ankommt – und diese nicht ein bisschen abmindert, als er uns drei passiert. Ich kann mir ein halblaut gezischtes „Geht‘s noch“ nicht verkneifen, der Typ haut seine Bremse rein und der rote Kopf wird noch etwas röter, als er sagt: „Was gibt’s? Nimm lieber deine Scheißköter an die Leine.“ Ich überlege mir tatsächlich, ob es sinnvoll wäre zu eskalieren, doch der Typ steigt schimpfend auf sein Rad und fährt weiter.

Warum eigentlich nicht?

Ganz Ähnliches erzählt mir eine Nachbarin, die den Achendamm oft mit ihrem E-Rollstuhl nutzt. Sie hat ihren Hund immer an der Leine. Doch auch sie wurde schon oft – vor allem von Fahrradfahrern – unangemessen angemacht. Einfach nur deshalb, weil sie dort fährt und mit dem Rolli etwas mehr Platz beansprucht. „Es ist wirklich schlimm geworden. Die Leute zeigen kein Verständnis mehr füreinander.“ Sogar halbe Schlägereien habe die Überseerin schon öfter beobachtet. „Warum kann man nicht einfach ein bisschen mehr aufeinander achten?“

E-Biker teils überfordert vom Anschub

Eine andere Bekannte erzählt mir, dass sie nur noch ganz früh am Tag auf der anderen Seite der Achen mit ihren Hunden spazieren geht. „Der Zugang nimmt immer mehr zu und die Leute werden immer rücksichtsloser.“ Die E-Bike-Fahrer seien mitunter die Schlimmsten. „Ich habe oft das Gefühl, dass sie ihre Geschwindigkeit nicht im Griff haben.“

Keine Beschränkungen

Eine Rückfrage bei der Polizeidienststelle in Grassau ergibt, dass zumindest in den letzten Wochen keine Radunfälle oder Streitigkeiten gemeldet wurden. Gleichzeitig weist man darauf hin, dass es sich beim Schotterweg entlang des Achendamms nach VZ 240 um einen gemeinsamen Fuß- und Radweg handelt, auf dem weder für Fahrräder noch für Pedelecs, also E-Bikes, Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten – und auf dem auch keine Anleinpflicht für Hunde besteht.

Über allem steht jedoch die Straßenverkehrsordnung, die ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht anmahnt. Dazu gehört auch, dass man nur so schnell fährt, dass man das Fahrzeug ständig beherrscht. Gegenüber Kindern und hilfsbedürftigen und älteren Menschen – man denke an unser Beispiel der Überseerin im Rollstuhl – muss man besonders rücksichtsvoll sein, um eine Gefährdung auszuschließen.

Gemeinsam mit Rücksicht

Gegenseitige Rücksichtnahme wünscht sich auch Übersees Bürgermeister Herbert Strauch. „Es sollte allen Beteiligten klar sein, dass jeder irgendwo seine Berechtigung zur Nutzung hat, und auf andere Rücksicht nehmen soll. Niemandem gehört der Achendamm oder der Uferweg allein!“ Darauf ziele auch die Kampagne „Gemeinsam mit Rücksicht“ vom AUV (Abwasser- und Umweltverband Chiemsee) für den Chiemseeuferrundweg ab. „Das lässt sich meiner Meinung 1:1 auch für die Wege abseits des Rundweges, also auf dem Achendamm oder zur Bäckerscheibe hinter übertragen.“ Ja, vielleicht sollte jeder erst mal durchatmen, bevor er seinen Gefühlen freien Lauf lässt und ein bisschen mehr gegenseitige Rücksicht leben.

Kommentare