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Traunstein: Studie zu Missbrauch im Internat

Schwere Vorwürfe gegen Studienseminar St. Michael: Aufarbeitung von Gewalt bis in die 80er gestartet

Das Studienseminar St. Michael in Traunstein.
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Das Studienseminar St. Michael in Traunstein.

„Die Berichte Betroffener aus der Vergangenheit erschüttern mich“ gibt der jetzige Leiter des Traunsteiner Studienseminars Sankt Michael, Wolfgang Dinglreiter bekannt. Erste Hinweise auf Missbrauch und Gewalt zwischen den 1960ern und 1980ern im katholischen Jungeninternat wurden vor fünf Jahren öffentlich. Eine in Auftrag gegebene Studie soll jetzt die Geschehnisse aufarbeiten und „Betroffenen Gehör schenken.“ Ob positive oder negative Erfahrung: Es werden noch Zeitzeugen gesucht:

Traunstein – Das Studienseminar St. Michael in Traunstein hat eine lange Tradition als kirchliches Jungeninternat. Doch neben positiven Erinnerungen vieler ehemaliger Seminaristen berichten andere von belastenden und teils traumatisierenden Erfahrungen. Erstmals öffentlich wurden die Vorwürfe 2020. Nach Bekanntwerden ging das Erzbistum München und Freising auf die Betroffenen zu und ehemalige Seminaristen wurden damals zu einem ersten Gespräch eingeladen.

Gewalterfahrung bis in die 80er

Der Vorwurf: Bis Mitte der 80er Jahre soll es zu psychischer, spiritueller und körperlicher Gewalt gegenüber Schülern gekommen sein, die ihnen im Internatsalltag angetan wurde – in Einzelfällen ist auch die Rede von sexualisierter Gewalt im Umfeld des Seminars. Die berichteten Taten fallen in den Zeitraum zwischen Mitte der 60er bis Mitte der 80er Jahre - ein ehemaliger Schüler hatte sich im Zuge des Bekanntwerdens anonym bereit erklärt, seine Erlebnisse im Gespräch mit Chiemgau24.de zu schildern.

Studie soll zur Aufarbeitung beitragen

Jetzt will die Einrichtung gemeinsam mit Betroffenen und der Erzdiözese München und Freising diese Vergangenheit aufarbeiten. Im Frühjahr 2025 wurde dazu eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben. Sie wird vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS e. V.) durchgeführt – mit dem Ziel, strukturelle Hintergründe aufzuklären, individuelle Erlebnisse zu dokumentieren. Den Geschichten Betroffener Raum zu geben, sie festzuhalten und mit der Öffentlichkeit zu teilen - das ist auch dem jetzigen Seminarleiter, Wolfgang Dinglreiter wichtig:

„Umfassende und differenzierte Aufarbeitung“

„Mir ist es ein großes Anliegen, dass diese Geschehnisse umfassend und differenziert aufgearbeitet werden, Betroffene endlich Gehör finden und ihnen Gerechtigkeit widerfährt.“ Die Studie wurde in enger Abstimmung mit drei Betroffenen entwickelt. Auch Vertreter der Erzdiözese sowie der Direktor selbst waren in die Konzeption eingebunden. Ein Forschungsteam untersuche anhand von Archiv-Recherchen, Fall-Studien und Interviews, was das Ausüben von Gewalt begünstigt hat, ob die Pädagogik des Hauses zeitgemäß war und welche Hilfen nötig gewesen wären, so die Pressesprecherin des ISS e.V., Theresa Köchl.

Zeitzeugen gesucht

Die Forscher laden ehemalige Seminaristen sowie damalige Mitarbeitende ein, ihre Erinnerungen mit ihnen zu teilen – unabhängig davon, ob diese als belastend oder positiv empfunden wurden. Der Interviewzeitraum beginnt im Sommer 2025. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Erziehungspraxis, der Machtverhältnisse und der pädagogischen Kultur im Studienseminar St. Michael während der untersuchten Jahrzehnte zu gewinnen, deshalb der Aufruf (im Wortlaut der Pressemitteilung):

Sie waren im Zeitraum von Mitte 60er- bis Mitte 80er-Jahre am Seminar angestellt oder haben dort gewohnt? Gerne würden wir von Ihren Erfahrungen hören – unabhängig davon, ob diese eher positiv oder negativ waren. Unseren Interviewaufruf finden Sie hier. Weitere Informationen zum Projekt und FAQs finden Sie auf der Seite des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V.

Wer Gewalt im Bereich der Erzdiözese München und Freising erfahren hat, findet sowohl durch interne als auch externe Ansprechpersonen Hilfe.

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