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Gefährlicher Wasserspaß

Nach tödlichem Unglück im Chiemsee – So lassen sich Bade-Unfälle vermeiden

Michael Förster (links) von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Bayern und Symbolbild der Wasserwacht
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84-Jähriger ertrinkt im Chiemsee: Wasserwacht und Michael Förster (links) von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Bayern waren vor den Gefahren beim Baden im Sommer.

Ein leeres Ufer, nur Kleidungsstücke und die Sorge der Angehörigen: Am 1. August ertrank ein 84-jähriger Mann im Chiemsee. Wie können Unfälle im Wasser vermieden werden und was ist in einer Notlage zu tun?

Chiemsee – Nur die Kleidung ist am Steg. Das Handtuch daneben ausgebreitet. Die Person, die darauf liegen sollte – noch nicht zurück und schon zu lange im Wasser. Der Puls steigt und Panik umschließt den Blick. So könnte es den Angehörigen des 84-Jährigen ergangen sein. Ihr Großvater ertrank vergangene Woche (1. August) im Chiemsee und ließ am Ufer nur seine Kleidung zurück. Aber was kann man tun, wenn man sich in einer solchen Situation befindet und wie können Unfälle dieser Art vermieden werden?

Kreislaufschock durch Temperaturunterschied

Sonne und Regen sorgen diesen Sommer für ein tropisches Klima. Es ist schwül und an manchen Tagen knackt das Thermometer die 30-Grad-Marke. Kühles Nass lockt bei diesen Bedingungen. „Draußen ist es sehr heiß, im Wasser ist es etwas kühler, und wenn man sich nicht abfrischt vorm Baden, dann kann es im ungünstigen Fall zu einer Art Kreislaufschock kommen“, warnt Michael Förster von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bayern.

Der Temperaturunterschied zwischen Land und Wasser könne eine starke Belastung des Herzens darstellen, da sich die Blutgefäße zusammenziehen, „und wenn man dann mit Kreislauferkrankungen vorbelastet ist, ist das Risiko einer Ohnmacht, eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls schon erhöht, vor allem bei älteren Menschen“, sagt Förster. Peter Stocker, Einsatzleiter bei der Kreiswasserwacht Traunstein, pflichtet ihm bei: „Nicht mit sehr erhitztem Körper reinhüpfen. Das ist ganz elementar wichtig!“

Auch erfahrene Schwimmer ertrinken

Ein kontrollierter Übergang von Land zu Wasser ist wichtig. „Wie man es vielleicht schon als Schulkind gelernt hat: die Beine bespritzen mit Wasser, den Oberkörper, die Schultern, dann weiter langsam hineingehen“, erklärt Förster. Bei Kreislaufproblemen sei zu beobachten, „dass vor allem die Gruppe über 65 Jahre hier sehr stark betroffen ist“, führt Förster aus. „Ein großer Teil der ertrunkenen Menschen in Bayern sind Menschen zwischen 70 und 90 Jahren.“ Dabei seien auch erfahrene Schwimmer nicht von den Gefahren ausgenommen.

Auch der 84-Jährige am Chiemsee war ein erfahrener Schwimmer. Laut Polizeiangaben sei er jeden Morgen etwa eine Stunde schwimmen gegangen. „Es ist also nicht so, dass betroffene Personen nicht schwimmen könnten, sondern sie trifft einfach eine Herz-Kreislauf-Erkrankung während des Schwimmens, und dann gehen sie unter.“ Die genaue Todesursache sei bei dem Ertrunkenen im Chiemsee nicht bekannt. „Es gibt keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“, sagt Daniel Katz, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Daher sei keine Obduktion für eine genauere Ermittlung der Todesursache angeordnet worden.

Angehörige lösen Großeinsatz aus – leider zu spät

Nachdem die Angehörigen den Großvater nicht finden konnten, setzten sie einen Notruf ab. In wenigen Minuten waren rund 25 Einsatzkräfte, vier Boote, ein Krankenwagen und ein Helikopter im Einsatz. Kurz darauf kam die traurige Gewissheit: Der Vermisste wurde tot an einer Boje gefunden, an der er sich noch festgeklammert hatte, berichtet der Wasserwachtler Peter Stocker. „Wahrscheinlich, das ist aber eine reine Vermutung, hat der Mann vorher schon gemerkt, dass er irgendein Problem hat.“

Peter Stocker, Einsatzleiter bei der Kreiswasserwacht Traunstein warnt: „Nicht mit sehr erhitztem Körper reinhüpfen. Das ist ganz elementar wichtig!“

Es gebe zwei Varianten des Todes im Wasser, zwischen denen man unterscheidet, erklärt Stocker: „Es gibt den Ertrinkungstod und den Badetod.“ Der Ertrinkungstod sei ein Ertrinken an sich, bei dem der Mensch in Panik ist „und dann irgendwann untergeht.“ Der Badetod sei laut Stocker auf einen internistischen Hintergrund zurückzuführen. „Der geschieht ganz leise und man geht einfach unter und ist weg, ohne dass das irgendwer bemerkt.“

Nach dem Untergehen bis zu 20 Minuten Überlebenschance

Deshalb rät Michael Förster von der DLRG, in Ufernähe zu schwimmen, und „am besten mit jemandem zusammen, der dann gleich zu Hilfe kommen und andere am Ufer verständigen kann“, sagt der Retter. „Wenn einer untergegangen ist, dann ist es sehr schwer, den unter der Wasseroberfläche zu finden.“ An Bord der Rettungsboote seien zwar Sonargeräte zur Suche unter Wasser, aber die Zeit nach dem Untergehen ist sehr knapp.

Diese Badehinweise sind besonders im Sommer zu beachten.

„Je kälter das Wasser ist, desto länger schafft es das Gehirn, den Sauerstoffmangel auszuhalten“, sagt Stocker. Bei wärmeren Wassertemperaturen sei das Gehirn anfälliger. „Im Optimalfall“ gebe es im kalten Wasser „nach 20 Minuten noch die Chance, dass man eine Person wieder ins Leben zurückholen kann.“ Bei wärmeren Wassertemperaturen halbiere sich diese Zeit. „Und dann ist es auch nie gesichert, dass kein bleibender Schaden am Gehirn passiert“, führt der Wasserwachtler aus.

Nur retten, wenn die Bedingungen passen

Beobachtet man einen Ertrinkenden, empfiehlt Michael Förster folgendes Vorgehen: An Land sofort einen Notruf über die 112 absetzen. Falls man sich selbst im Wasser befindet, Personen am Ufer auffordern, den Notruf zu wählen. „Wenn ich mir eine Rettung zutraue, dann Straßenkleidung ablegen oder in Badekleidung dorthin schwimmen“, führt Förster aus. Wichtig sei es, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen und auf die eigene Sicherheit zu achten.

Prüfen, Rufen, Drücken

„Zu dem Menschen in Not von hinten hinschwimmen, damit er mich nicht gleich greifen kann, ihn beruhigen und sagen: ‚Ich helfe Ihnen, bleiben Sie ganz ruhig.‘“, erklärt Förster. „Dann unter die Achseln greifen und auf dem Rücken schwimmend aus dem Wasser ziehen.“ Ist die Person an Land gebracht, „gelten die gleichen Maßnahmen, wie man sie im Erste-Hilfe-Kurs gelernt hat“: Zunächst müsse festgestellt werden, ob die Person noch atmet, „ob sich der Brustkorb hebt oder senkt, ob man Atemluft spürt, wenn man sein eigenes Gesicht über den Verunfallten beugt.“

Michael Förster von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bayern.

Wenn es noch Lebenszeichen gibt, dann in die stabile Seitenlage bringen, „damit die Person nicht an eventuellem Ertrinken verstirbt.“ Gibt es keine Lebenszeichen mehr, müsse mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden, sagt Michael Förster. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt, diese mit einer Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute durchzuführen und nach 30 Mal drücken zweimal zu beatmen. Und nicht vergessen, einen Notruf abzusetzen.

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