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Grüne Gefahr von Rechts

„Anastasia-Treffen“ in Tacherting – Zwischen Gartenidyll und brauner Saat?

Collage: Links: Symbolbild Frau in romantischem Garten; Rechts: Wladimir Megre
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Ein harmloses Treffen im „Anastasia-Garten“ in Tachtering? Was hinter den romantisierten Ökoschriften des russischen Autors Wladimir Megre (rechts) und der Anastasia-Bewegung steckt.

Eine Einladung zum Treffen im „Anastasia-Garten“ in Tacherting macht in sozialen Netzwerken die Runde – es geht um „Visionen austauschen“ und „Garten bestaunen“. Klingt harmlos - bei der sogenannten Anastasia-Bewegung geht es aber um mehr als den Austausch von Gartentipps. Der bayerische Verfassungsschutz warnt vor rechtsextremen und demokratiefeindlichen Inhalten. Wie viel braun statt grün steckt hinterm Gartenzaun?

Tacherting – Die Zucchini wachsen, die Blumen blühen und der Kompost dampft - In einem Garten in Tacherting sollen aber neben dem Gemüse auch noch Visionen sprießen: „Kennst du die Bücher von Anastasia und bist begeistert von der Vision? Wir treffen uns mal wieder, um darüber zu sprechen, Visionen auszutauschen und die Umsetzung von S. [Name von Redaktion gekürzt] zu bestaunen, die uns dazu in ihren Garten eingeladen hat.“ Harmloses Gartler-Treffen an der Alz?

Anastasia Bewegung: vom Verfassungsschutz beobachtet

Chiemgau24 fragt nach: Was steckt hinter der Anastasia Bewegung? Auf unsere Anfrage antwortet die Pressestelle des bayerischen Verfassungsschutzes dazu: „Die ‚Anastasia-Bewegung‘ ist eine esoterisch-ökologische, neureligiöse Bewegung, die ursprünglich aus Russland stammt und sich seit einigen Jahren auch innerhalb der Bundesrepublik Deutschland ausbreitet.“ Sie beruht auf einer zehnteiligen Romanreihe des russischen Autors Wladimir Megre. Seit 2023 wird die Szene vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft.

Einfalltor für radikale Ideologie?

Der damalige Präsident des Bundesverfassungsschutzes, Thomas Haldenwang erklärte zu der Entscheidung: „Die Ideologie der Anastasia-Bewegung ist dazu geeignet, auch Personen zu radikalisieren, die zuvor nicht in extremistischen Zusammenschlüssen aktiv gewesen sind. Außerdem nehmen wir Verbindungen von Akteuren der Anastasia-Bewegung zu ‚Reichsbürgern und Selbstverwaltern‘ wahr.“ Der Rückzug in eine Parallelgesellschaft spiele eine zentrale Rolle:

Braune Gedanken mit grünem Anstrich

Für Anhänger der Anastasia-Bewegung stünde die, in der Buchreihe formulierte Idee der Gründung von Familienlandsitzen oftmals im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Daneben komme der Ökologie in Form von Permakultur, Pädagogik und der damit verbundenen Schaffung eines neuen Bildungssystems eine wichtige Bedeutung zu, erklärt der Verfassungsschutz.

Antisemitische und rassistische Ressentiments seien in der Buchreihe ebenso feststellbar, wie Sexismus und auch eine generelle Demokratiefeindlichkeit. Ein Kapitel zum Beispiel nennt der Autor „Dämon kratie“, an anderer Stelle spricht Megre von „der Schuld der Juden“ und dass diese versuchten „alle zu betrügen.“ Wissen denn die Organisatoren des Treffens im Tachertinger Garten davon?

Stille aus dem Garten in Tacherting

Die Besitzer des „Anastasia-Gartens“ wollten sich dazu auf unsere Anfrage nicht äußern. Die Antwort der Post-Erstellerin [Name der Redaktion bekannt] fällt ähnlich knapp aus: „Danke für ihre Anfrage vom 9. Juli. Leider konnte unsere Veranstaltung wegen des Wetters nicht stattfinden und es blieb bei einer kurzen Gartenbesichtigung.“ Inwieweit sie sich der teils verfassungsfeindlichen Ideologie der Bewegung bewusst sind und welche „Visionen“ in Tacherting bei ihren Treffen ausgetauscht werden? Schweigen.

Anastasia-Bewegung im Chiemgau nicht neu

Wie verbreitet ist die Anastasia-Bewegung im Chiemgau? Für Florian Rieder von der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Bayern ist sie kein neues Phänomen in der Region: „Die Ideologie ist hier sehr anschlussfähig.“ Ein Beispiel: Bereits 2015 sollte in Prien am Chiemsee eine sogenannte LAIS-Schule entstehen. Die Pädagogik dieser Schulen fußt auf der Anastasia-Bewegung. Eine Umsetzung kam damals nicht zustande, der Gemeinderat lehnte wegen baulicher Aspekte ab.

Dann 2021, die Gründung einer illegalen „Querdenker-Schule“ in Schechen, die für Schlagzeilen sorgte: „Ich würde sagen, gerade in der Pandemie ist die Anastasia-Bewegung stärker geworden und ist zusammengewachsen mit dem Querdenken-Milieu, Reichsbürgern und der alternativen Rechten.“ Die, für die Anastasia-Bewegung zentrale Bestrebung nach Landsitzen, so Rieder weiter, sei allerdings in Oberbayern schwer umsetzbar:

Personenkreis schwer greifbar

„Im Chiemgau ist es schwieriger, einen Selbstversorgerlandsitz aufzubauen – einfach wegen der hohen Grundstückspreise. In Brandenburg zum Beispiel ist das deutlich einfacher.“ Es sei schwer einzuschätzen, wie viele Anhänger in der Region aktiv sind: „Es gibt keinen Dachverband oder Verein, sondern jeder hat hier eine eigene Interpretation der Bücher.“

Es gäbe aber zahlreiche Anastasia-Projekte in Bayern: zum Beispiel ein Hofprojekt oder ein Versandhandel. Auch von verschiedenen Vorträgen und Lesungen weiß Rieder. Der Verfassungsschutz kann zwar „derzeit keinen, der Anastasia-Bewegung zuzurechnenden Personenzusammenschluss identifizieren.“

Verfassungsschutz bleibt wachsam: Gartenfreunde auch?

Man habe aber, so die Stellungnahme gegenüber Chiemgau24, die Szene im Blick: Schulgründungen, mögliche Vernetzungsbestrebungen mir der rechten Szene und auch die Verbreitung extremistischer Bestandteile der Ideologie von Megres Schriften. Für Freunde des gepflegten Gartenanbaus gilt dann wohl auch im Chiemgau: Augen auf bei der Wahl der Gartlergruppe.

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