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Details zu Raubüberfall

Überfall in Siegsdorfer Netto - Wie sicher sind unsere Supermärkte?

Collage: Links: Monika Schwarzenböck von Edeka Kaltschmid; Mitte: Symbolbild Netto Überfall mit Handschellen, Rechts: Marilena Pfeilstetter von Edeka Pfeilstetter.
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Nach dem Überfall auf die Nettofiliale in Siegsdorf sprechen wir mit Monika Schwarzenböck von Edeka Kaltschmid (links) und Marilena Pfeilstetter von Edeka Pfeilstetter (rechts): Wie sicher sind unsere Supermärkte?

„Da sollte keiner den Helden raushängen lassen.“ Diese klare Ansage gibt Edeka Pfeilstetter seinen Angestellten mit auf den Weg – für den Moment, den niemand erleben will. Nach dem Überfall auf eine Nettofiliale in Siegsdorf spricht Chiemgau24 mit Supermärkten der Region: Wie groß ist die Gefahr? Sind die Mitarbeiter geschult? Drei bewaffnete Täter wurden in Siegsdorf von mutigen Zeugen gestoppt. Riskante Zivilcourage?

Siegsdorf –  Dienstagnachmittag (22. Juli) im Gewerbegebiet nahe der Autobahnausfahrt Siegsdorf West - Auf dem Nettoparkplatz steigen Leute aus ihren Autos, gehen nochmal ihre Einkaufsliste durch. Zunächst scheint alles ganz normal. Dann aber: Zwei Männer betreten den Discounter, ziehen sich Sturmmasken über und verlangen mit vorgehaltener Waffe Geld von den Mitarbeitern.

Mit Messer und Schreckschusspistole gedroht

„Da gehört schon eine hohe kriminelle Energie dazu, so etwas zu machen.“ Michael Spessa von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ordnet die Tat als durchaus schwerwiegend ein, da sei eine Hemmschwelle überschritten worden. Details in der Pressemitteilung verraten: Zwei 19-Jährige seien an dem Tag mit Messer und Schreckschusspistole in den Discounter, um Bargeld zu rauben. Ein dritter, 28-jähriger Mann, wartete im Fluchtfahrzeug auf dem Parkplatz.

Riskante Zivilcourage mit gutem Ausgang

Vermutlich hatten sie die Nettofiliale nahe der Autobahn gewählt, um so schnell das Weite suchen zu können. Womit die Täter nicht gerechnet haben - vier Zeugen stellen sich ihnen auf der Flucht in den Weg und schaffen es, sie aufzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Die vier couragierten Männer, berichtet Polizeisprecher Spessa, hätten sich vorher nicht näher gekannt.

Zwei von ihnen hatten bereits Verdacht geschöpft, als die Täter den Supermarkt betraten. Es gab zum Glück kaum Widerstand, so Spessa, die Räuber seien wohl schlichtweg zu perplex gewesen, daher kam es zu keinerlei Handgemenge. Auch das sehr rasche Eintreffen der Polizei, nach bereits zirka vier Minuten habe zu einem guten Ausgang geführt - niemand wurde verletzt.

„Da sollte keiner den Helden raushängen lassen“

„Kein Geld der Welt ist es wert, dass in einem solchen Fall eine Person zu Schaden kommt“, so Spessa. Die Polizei sei immer sehr dankbar über Menschen mit Zivilcourage und Engagement, aber nur so weit, dass man sich selbst nicht in Gefahr begibt. Bei einem bewaffneten Raubüberfall wie dem in Siegsdorf rät die Polizei eindringlich davon ab, selbst einzuschreiten. Zugleich wolle man, so Spessa, den Einsatz der vier Zeugen nicht schmälern. Aber lieber nichts riskieren - das gilt auch für die Mitarbeiter in einem solchen Fall:

„Da sollte keiner den Helden raushängen lassen.“ Die Juniorchefin Marilena von Edeka Pfeilstetter betont, dass im Ernstfall stets die eigene Sicherheit Vorrang habe. Mitarbeitende sollten lieber das Geld herausgeben, statt sich in Gefahr zu bringen – alles sei versichert. Auch bei Diebstählen im Markt rät sie zur Zurückhaltung: Selbst wenn der Impuls verständlich sei, lohne es sich nicht, Täter zu verfolgen. Wurde eine ihrer Filialen bereits überfallen?

Kameras, Alarmanlagen - Hohe Sicherheitsstandards

„Gott sei Dank bislang nicht“, erzählt Pfeilstetter erleichtert. Einbrüche gäbe es allerdings sehr häufig. Der Grund? Wo finde man heutzutage noch viel Bargeldbestand, erklärt sie. Aber auch das sei zurückgegangen, die meisten Kunden zahlen mit Karte. Sind sie für den Ernstfall vorbereitet? Es gäbe verschiedene Sicherheitsmaßnahmen: Kameras, Alarmanlagen und das Bargeld wird täglich zu unterschiedlichen Zeiten weggebracht. Das bestätigt auch die Chefin von Edeka Kaltschmid, Monika Schwarzenböck:

Warnung an Nachahmer: „Sollten es sich gut überlegen“

„Potenzielle Diebe sollten es sich wirklich gut überlegen.“ Ein, vor allem bei Schwarzenböck sehr guter Ratschlag, sie ist Vizeeuropameisterin im Gewichtheben und somit wohl die stärkste Edeka-Händlerin Deutschlands. Aber darauf verlässt sie sich natürlich nicht:

Die Kameras zum Beispiel, die bei ihnen in den Filialen installiert sind, seien keine Attrappen, es würde, so Schwarzenbeck, alles festgehalten. Einen Einbrecher konnten sie so sogar schon stellen, ein eigener Mitarbeiter, wie sich herausstellte. Einen Raubüberfall gab es auch bei Edeka Kaltschmid noch nicht.

Trotzdem gilt auch hier: „Wenn da einer mit einer Knarre steht, haben alle die Anweisung, macht die Tür auf, gib ihm alles, was er verlangt.“ Statt einzuschreiten, so Schwarzenböck, wäre es sinnvoll, sich Details zum Täter zu merken, vielleicht sogar sofort nach dem Überfall aufzuschreiben. Das bestätigt auch Michael Spessa vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd:

„Aussehen merken, vielleicht ein Kennzeichen, irgendwelche Auffälligkeiten“, und so Spessa weiter, sich wenn möglich Hilfe bei anderen Personen suchen. „Also konkret Umstehende ansprechen: Du rufst die Polizei, du merkst dir das Nummernschild“, da viele Menschen, erklärt Spessa, sich in einem Schockzustand befinden würden.

Folgen für die Betroffenen und die Täter

Vor allem die Mitarbeiter sind nach einem solchen Raubüberfall oft nachhaltig traumatisiert. Auch die betroffenen Angestellten der Nettofiliale mussten laut Pressemitteilung psychologisch betreut werden. Zwei der drei Täter, allesamt Deutsche aus dem Traunsteiner Landkreis, befinden sich bereits in Untersuchungshaft „weil man davon ausgeht, dass die zu erwartende Freiheitsstrafe so hoch ist, dass sie sich dem Verfahren durch Flucht entziehen“, so Spessa.

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