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Es geht auch um Herrenchiemsee

Bayerns Königsschlösser auf dem Prüfstand: Am Wochenende entscheidet Paris über Welterbe-Status

Ministerpräsident Söder besucht Schloss Neuschwanstein
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Im Schlafzimmer des Märchenkönigs: Finanzminister Albert Füracker, Markus Söder und Markus Blume (v.l., alle CSU) in Neuschwanstein.

Schachen, Linderhof, Herrenchiemsee: Das sind die Prachtbauten, die neben Neuschwanstein in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen werden könnten. Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Denn nicht alle Einheimischen wollen das. Das ist der Grund.

Schwangau – Manchmal hilft ein Blick zurück. „Wenn man in unsere Chroniken schaut“, sagt Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke, „dann sieht man: Schon vor hundert Jahren wurde über Massentourismus diskutiert.“ Und damals seien die Gäste, die das Schloss Neuschwanstein besuchten, noch mit der Kutsche angereist. Heute kommen mehr als eine Million Menschen im Jahr ins Allgäu, um das Märchenschloss zu bewundern. Werden bald noch mehr Touristen anreisen?

Welterbekomitee entscheidet am Wochenende

Schließlich könnte das ohnehin weltberühmte Bauwerk – zusammen mit dem Königshaus Schachen, Linderhof und Schloss Herrenchiemsee – am Wochenende auch noch Unesco-Welterbe werden. In Paris entscheidet darüber das Welterbekomitee. Bekommen die bayerischen Schlösser den Zuschlag, wäre das „unser bayerisches Sommermärchen“, schwärmte Kunstminister Markus Blume (CSU) am Montag.

Blume, Ministerpräsident Markus Söder und der für Schlösser zuständige Finanzminister Albert Füracker hatten Neuschwanstein gestern noch einmal besucht, um der Bewerbung Nachdruck zu verleihen – und um zu zeigen, wie der Freistaat das Bauwerk herausgeputzt hat.

Man spricht schon vom „bayerischen Sommermärchen“

Seit 1994 sei die Schlossanlage restauriert und saniert worden, für insgesamt 43 Millionen Euro. Davon kostete allein die Restaurierung der Prunkräume in den letzten acht Jahren über 22 Millionen Euro. So wurden beispielsweise die ehemalige Königswohnung im Torbau und das Waschbecken im Schlafzimmer saniert und restauriert – und die historischen Leuchter mit 250 elektrischen Kerzen elektrifiziert. „Unsere Königsschlösser stehen bereit“, sagte Füracker.

Public Viewing zur Verkündigung

Auch Schwangaus Bürgermeister freut sich auf das Entscheidungswochenende: Am Samstag, wenn das Ergebnis live verkündet wird, haben sie ein Public Viewing geplant. Stefan Rinke ist zuversichtlich, dass es etwas zu feiern gibt.

Obwohl die Bewerbung längst nicht alle begeistert hat. Overtourism, also die Sorge, dass zu viele Besucher in den 3500-Einwohner-Ort kommen, beschäftigte viele Einheimische. Noch mehr Autos, noch mehr Chaos auf den Straßen und Parkplätzen? Bedeutet der Titel, der das Schloss samt Umgebung schützen soll, Nachteile für Landwirte, die zum Beispiel einen Aussiedlerhof bauen wollen?

Nicht alle begeistern vom „Overtourism“

Die Schlösserverwaltung gab sich Mühe, alle Zweifel zu zerschlagen. Die Gemeinde entschied sich vor der Bewerbung für einen Bürgerentscheid. 56 Prozent gaben schließlich ihren Segen. Und damit, sagt Bürgermeister Rinke, war das Thema auch erledigt.

Andreas Helmer ist auch einer der Befürworter der Bewerbung – und Geschäftsführer des Schlossbrauhauses. Das ist ein Wirtshaus, viele Schwangauer feiern dort ihre Hochzeiten, Familienfeste. Aber Helmer lebt auch von Touristen. „Den Großteil machen Besucher aus, die hier in der Region ihren Urlaub verbringen“, sagt Helmer, der auch Vorsitzender des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands ist.

Gemeinsam mit den anderen bayerischen Königsschlössern könnte Herrenchiemsee bald den Titel „Welterbe“ der UNESCO tragen.

Hoffnung auf bessere Besucherlenkung

Tagesgäste, die nur zum Schloss kommen, kehren natürlich auch ein. Aber Helmer verspricht sich von dem Welterbetitel nicht unbedingt zusätzliche Gäste – sondern eine bessere Besucherlenkung. „Die Verkehrsbelastung, die Parkplatzsituation – da tut man schon seit 25 Jahren rum“, sagt Helmer. Der Titel könnte „ein Anlass sein, dass da was passiert“. Das sieht Bürgermeister Rinke ähnlich: Er erhofft sich von der Auszeichnung die Garantie, dass der Freistaat sich auch künftig um die Schlösser kümmern wird.

Was soll da nicht schieflaufen?

Es kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, betonte die Gesamtwirkung der Bauwerke: „Hier verschmelzen Architektur, Kunst und Natur zu einer imposanten Inszenierung.“ Schon 2001 gab es einen Beschluss des Landtags, dass eine Bewerbung geprüft werden soll. Sechs Jahre später beschloss der Landtag, dass eine Bewerbung in die Wege geleitet werden soll. „Jetzt wird es endlich Zeit“, sagte Markus Söder gestern im Innenhof des Gebäudes.

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