Einzigartiges Angebot
„Saugeil“ und „fledermäusig“: Eine spannende Geheimnis-Suche allein auf der Herreninsel
Allein mit Fledermäusen auf der Herreninsel, dieses besondere Event bietet das Priener Tourismus Büro mehrmals im Jahr mit einer Fledermaus-Wanderung an. Unser Reporter war dabei und erlebte eine spannende Suche nach den fliegenden Säugetieren. Der Spaziergang über die verlassene Herreninsel steckt voller Überraschungen, kleinen, wie großen.
Chiemsee – Abfahrt mit der letzten Fähre von Prien zur Herreninsel. Auf der Fähre sind mehr Menschen, als dauerhaft auf der Herreninsel (20) leben. Hauptsächlich Familien mit Kindern, aber auch ältere Paare und Leute die alleine gekommen sind. Wie ich. Wir suchen an diesem Abend keine Übernachtungsmöglichkeit auf der Chiemseeinsel, wir suchen Fledermäuse. Das Priener Tourismusbüro organisiert seit über zehn Jahren Fledermauswanderungen auf Herrenchiemsse, acht bis zehn pro Jahr.
Fledermauswanderung auf der Herreninsel in Bildern: Aufregendes Angebot – nicht nur für Touris




Auf der Insel angekommen werden wir von Inselbewohner Stefan Syska bei angenehmen Temperaturen empfangen. Gleich zu Beginn sagt er uns, es sei zwar eine Fledermauswanderung, eine Garantie, dass wir auch Fledermäuse sehen, gebe es allerdings nicht. Die Chancen dazu würden so kurz vor der Sonnenwende und der spät einsetzenden Dämmerung sogar eher geringer. Aber es gebe noch viele andere Wildtiere auf der Insel zu sehen.
Kurze ploppt Enttäuschung in meinen Gedanken auf. Aber logisch, die Fledermäuse leben hier frei auf der Insel und kommen eben nicht mal kurz Hallo-Sagen, wenn Mensch es will. Einen wichtigen Hinweis gibt uns Syska noch gleich zu Beginn: „Sollte eine Fledermaus direkt auf uns zufliegen, stehen bleiben und nicht bewegen. Die Fledermaus erkennt das Hindernis und weicht mit ihrem genialen Ultraschall-Orientierungssinn aus.“
Wann wird es endlich dunkel?
Syska erzählt uns, dass die Insel ein idealer Lebensraum für Fledermäuse ist: Die nachtaktiven Säugetiere haben in der Dunkelheit ihre Ruhe, es fahren kaum Autos auf der Insel, die Bäume (Lebensräume der Tiere) werden älter als auf dem Festland und die alten Gebäude bieten zusätzlich tollen Unterschlupf. Außerdem bieten die vielen Schneisen und Alleen gute Orientierungshilfe, durch das Wasser gebe viele Insekten und damit auch genug zu fressen. Wir gehen mit all diesen Infos aufmerksam in Richtung Neuem Schloss, ich feuere die Sonne innerlich dazu an, doch schneller unterzugehen.
Dann die erste Aufregung in der Gruppe: Alle sind plötzlich mucksmäuschenstill. Ein Reh tollt über eine frisch gemähte Wiese, auch ein Hase flitzt in Richtung Wald. Immerhin, die ersten Wildtiere. Fliegen können sie aber nicht. Syska erzählt auf halber Strecke bei einem Infoschild, dass insgesamt 16 verschiedene Fledermausarten auf der Insel leben. Darunter die kleine Hufeisennase und das große Mausohr. Beide heimisch im Neuen Schloss. Weiter geht‘s in zügigen Schritten, kurz vor dem Schloss aber erst noch ein möglicher natürlicher Lebensraum.
In einem alten Baum ist ein verlassenes Spechtloch, in dem sich in den vergangenen Jahren regelmäßig Fledermäuse eingenistet hatten. Heute ist es aber noch zu hell, keine Fledermaus in Sicht. Am Schloss angekommen, teilt sich die Gruppe. Die eine Hälfte schaut sich die Fledermaus-Ausstellung im Hof des Schlosses an, die andere wartete draußen. Zeit für Touri-Fotos vor dem Schloss – ohne andere Touris. Und natürlich Ausschau halten nach den fliegenden Tierchen. Zwei Arten könnten hier gesehen werden: Die kleine Hufeisennase, vor dem Schloss stehend, kommt diese recht kleine Art aus einem Fenster rechts oben aus ihrem Unterschlupf. Die Wasserfledermaus ist über den Brunnen vor dem Schloss gut sichtbar, wenn sie hier auf Insektenjagd ist.
Hier leben die Fledermäuse auf der Herreninsel
Ich folge der Gruppe in die Ausstellung im kleinen Innenhof. Fledermaus-Guide Syska gibt kurz vor dem Betreten des Innenhofs die Erinnerungshilfe: „Was machen wir, wenn eine Fledermaus auf uns zufliegt?“ „Stehen bleiben“, kommt es von der Gruppe zurück. Hä, warum hier die Auffrischung, frage ich mich? Während ich darüber noch rätsle, sagt Syska: „Hier, unsere Fledermäuse.“ Und tatsächlich, da sehen wir die ersten Fledermäuse live im Neuen Schloss, wie sie im Gebälk hängen – auf sechs Bildschirmen. Die Kameras sind im Dachstuhl angebracht und zeigen großes Mausohr und kleine Hufeisennase.
Die Näschen in kleinen Gruppen kuschelnd über dem Spiegelsaal des Schlosses, die Ohren eher einzeln abhängend. Und schon klärt Syska auch auf, warum es die Erinnerungshilfe gab: Die Mausohren fliegen durch das Schlupfloch vom Keller durch die Ausstellung nach oben ins Freie. Wir schauen uns kleinere Filme über Fledermäuse an, der Bildschirm ist nur rund einen Meter diagonal über dem Fledermausschlupfloch. Die Filme sind schon etwas älter und mit einer klassischen Erklärstimme aus dem 20. Jahrhundert vertont.
Immer wieder geht mein Blick Richtung Lücke zum Keller, aber während wir in der Ausstellung sind, fliegt keine Fledermaus auf Nahrungssuche. Es ist ja auch noch zu hell. Vielleicht also beim Warten vor dem Schloss. Draußen geht der Blick direkt hoch in die Schlossecke, aber keine Fledermaus ist zu sehen. Auch auf dem Wasser ist es ruhig. Noch ist die Sonne nicht hinter dem Horizont verschwunden, es ist aber auch noch angenehm warm. Aus meinen Gedanken werde ich durch hektische Bewegung im Brunnen gerissen. Zwei Enten fliegen von einem Brunnen in den anderen. Andere Teilnehmende nutzen die Zeit für Foto, warum eigentlich nicht und auch ich verschicke ein paar Bilder vom Schloss in die Familiengruppe.
Stille, bat-detector und Ultraschall-Geräusche
Die andere Gruppe kommt aus der Ausstellung. Syska fragt, ob wir was gesehen haben, denn auf den Bildschirmen waren von den großen Mausohren am Ende kaum noch welche zu sehen. Wir Fledemaus-Hobby-Detektive haben nichts gesehen. Weiter geht‘s, der Fledermaus-Guide möchte uns drei Spots um das Schloss zeigen. Syska hat einen sogenannten „bat-detector“ dabei.
Das Gerät empfängt die von den Fledermäusen ausgesendeten Ultraschallwellen und gibt sie für uns Menschen hörbar wieder. Vor dem ersten Spot erkennen wir und der bat-detector nichts – bis auf das Auslösegeräusch meiner Kamera. Alle stehen möglichst still vor dem Schloss, starren gespannt auf das Fenster, indem eine Glaseinheit fehlt und durch ein Gitter ersetzt wurde, durch welches die Fledermäuse fliegen.
„Es ist ein Glückspiel“, so Syska – bisher scheinen wir heute kein gutes Blatt auf der Hand zu haben. Also weiter zum nächsten Spot. „Da sind welche!“, ruft ein Kind und tatsächlich: Unter dem Balkon fliegt ein gutes Dutzend kleine Hufeisennasen. Wie schnell sich unser Blatt doch als Glücksgriff erweist. Über dem Balkon ist ein weiterer Ausgang, unter dem Balkon finden die Fledermäuse in den Spinnenweben leicht ein paar Insekten. Eine Fledermaus fliegt direkt über Syskas und meinen Kopf hinweg, lässt uns dadurch auch nochmal eindrucksvoll ihren Sound im bat-detector hören. Es dämmert inzwischen gewaltig.
Um welche Fledermausart es sich handelt, sagt das funkgerätartige Gerät nicht direkt. Es gebe aber Geräte, die durch Sprachaufnahmen erkennen, welcher Fledermausgattung für den Sound verantwortlich ist. Fledermäuse können am Flugstil nur schwer erkannt werden, die Größe könne zur groben Einordnung dienen, so Syska. Weiter unten Richtung Wasser halten wir nochmal Ausschau, Wasserfledermäuse unser Zielobjekt. Mittlerweile ist es fast dunkel und Taschenlampfen helfen uns bei der Suche.
Population auf der Insel wächst
„Wenn man was hört, sieht man auch recht schnell was“, sagt Syska. Der bat-detector bleibt aber erstmal stumm. Wir hören dafür ein quakendes Froschkonzert. Kurze Zeit später sind wir aber auch hier noch erfolgreich und erfolgreich und sehen einige Fledermäuse am Teich vor dem Kanal bei der Jagd – über dem Wasser und über unseren Köpfen.
Syska, der tagsüber andere Führungen auf der Insel gibt, führt Fledermaus-Interessierte seit rund fünf Jahren zu den verschiedenen Fledermaus-Hotspots der Herreninsel: „Es sind einfach tolle Tiere, und sie gehören natürlich auch geschützt.“ Die Populationen auf der Insel wachsen seit Jahren an: 184 kleine Hufeisennasen wurden vergangenes Jahr gezählt, 1991 waren es noch zwölf. Unsere Fledermauswandergruppe war an diesem Ferienabend wie wohl sonst auch recht gut gemischt, die Hälfte aus der näheren Umgebung, heute Burghausen, Altötting und Bad Tölz sowie weiter weg: Bodensee, Stuttgart und Nordsee.
„Saugeil“, lautet das Fazit eines Jungen zum Abend, als wir auf dem Schiff unter der Röte des fast vollständigen Erdbeervollmond zurück Richtung Prien schippern. Alle Kinder sind begeistert vom Abend, auch die Erwachsenen haben alle ein glückliches und zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht. „Sehr interessant. Sehr, sehr schön. Auch, dass man diese Insel mal so ohne Menschen erfahren konnte“, sagt ein Teilnehmer, eine andere: „Allein die Insel zu erleben ist toll. Wir haben das schon mal gemacht, da war es nicht ganz so fledermäusig. Schön, dass es heute mit Fledermäusen geklappt hat“.
Fledermauswanderungen
Weitere Termine sind dienstags, 8. und 29. Juli sowie 5., 12. und 19. August 2025. Für die zirka vier Kilometer lange Inselwanderung wird festes Schuhwerk empfohlen. Eine Anmeldung ist im Tourismusbüro Prien erforderlich (online buchbar). Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25, die maximale Gruppengröße beträgt 30 Personen. Erwachsene bezahlen 23,50 Euro, mit Gästekarte/Einheimische 21,20 Euro, Kinder (vier bis 15 Jahre) 18,50 Euro. (Quelle: Tourismusbüro Prien)
Nachdem ich alle auf dem Schiff zu ihren Eindrücken befragt habe, lege ich Handy, Kamera und Notizen weg. Der Blick schweift vom rosa Mond, über das tiefe Schwarz des Chiemsees zum Ufer. Ein laues Lüftchen weht, die Gedanken bei den Fledermäusen, der leeren Insel. Ein Urlaubsabend in der Heimat, mit erfolgreicher Fledermaussuche. Schön.



