Zwei Stunden wurde verhandelt
Klage gegen Geothermie-Kraftwerk bei Tengling: Entscheidung vor Gericht jetzt gefallen
Um das geplante Geothermie-Kraftwerk in der Nähe von Tengling wurde jetzt verhandelt - vier Bürger hatten dagegen geklagt. Was dabei herauskam und wie es jetzt weitergeht:
Taching - Das war‘s: Die Klagen gegen das geplante Geothermie-Kraftwerk in Haus bei Tengling sind gescheitert. „Die Klagen wurden in der mündlichen Verhandlung von den Klageparteien zurückgenommen“, so Joel Hollaender, Pressesprecher des Verwaltungsgerichts in München, auf Nachfrage von chiemgau24.de. Das Verfahren sei damit abgeschlossen. Verhandelt wurde am 14. Januar. Drei Anwohner des Areals und ein weiterer Bürger aus Tengling hatten die Klagen eingereicht.
„Deutliche Hinweise des Gerichts über Aussichtslosigkeit der Klage“
Konkret wurde gegen den Freistaat Bayern bzw. das Landratsamt Traunstein geklagt. Denn es hatte den Antrag der Projektgesellschaft Geoenergie Bayern beschieden. Aber auch die Geoenergie Bayern selbst wehrte sich gegen die Klagen. „Nach deutlichen Hinweisen des Gerichts über die Aussichtslosigkeit ihrer Klagen“, hätten die vier Bürger diese „komplett zurückgezogen“, heißt es jetzt auch in einer Pressemitteilung der Geoenergie Bayern. Rund zwei Stunden hätte die Verhandlung vor dem Münchner Verwaltungsgericht gedauert. Die Klägerseite wurde von chiemgau24.de bereits angefragt, noch hat sie sich aber nicht geäußert.
Vier Jahre plant die Geoenergie Bayern bereits an dem Werk in der Nähe der Kiesgrube der Firma Oppacher - „endlich haben wir Recht bekommen, dass der Bau und der Betrieb des Kraftwerks allen bauplanungsrechtlichen Vorgaben entsprechen wird“, so Bernhard Gubo, einer der beiden Geschäftsführer. Alle Gesetze und Normen seien erfüllt, alle Informationen lägen vor - und das Landratsamt habe „mit hoher fachlicher Kompetenz“ den Bauantrag geprüft: „Umso mehr war es ärgerlich und unverständlich, dass die Kläger all die bekannten Informationen als falsch oder unzureichend vom Tisch zu wischen versucht haben“, so Gubo.
Die nächsten Schritte zum Geothermie-Kraftwerk bei Tengling
Noch heuer will die Geoenergie Bayern mit den Probebohrungen starten. Wenn die Energiemenge aus dem heißen Thermalwasser nachgewiesen ist - man rechnet mit 130 Grad - wird der Bauantrag für das Kraftwerk gestellt, vermutlich 2027. Mit dem Aufbau der Fernwärme soll unmittelbar nach den Bohrtests begonnen werden. „Der vollständige Aufbau einer umfassenden Fernwärmeversorgung gemeinsam mit unseren drei Kommunen wird bis zu zehn Jahre brauchen. In der Zwischenzeit werden wir deshalb neben Wärme auch Strom erzeugen“, so der weitere Geschäftsführer Hubertus zu Hohenlohe. Neben Taching/Tengling könnten auch Waging und Tittmoning von der Fernwärme profitieren.
Ein angebliches Aufheizen der Umgebung, unzulässiger Schall oder Veränderungen der Grundwasserströmungen - das seien laut Geoenergie Bayern die Argumente der Gegner vor Gericht gewesen. Doch durch das Landratsamt seien auch Belange wie Naturschutz, Lärm oder Erschließung des Standorts geprüft worden. Beispielsweise der Grundwasserschutz sei aber vollständig gegeben, machte das Verwaltungsgericht in der Verhandlung klar. „Die Klage hat uns viel Zeit und Geld gekostet. Das Projekt könnte schon viel weiter sein“, so Bernhard Gubo.
Laut der Geoenergie Bayern werden aber auch die Gegner noch hohe Kosten haben. Denn durch die Klagerücknahme müssen sie alle Gerichts- und Anwaltskosten tragen. Nach Kirchweidach, Garching und Polling wird das Kraftwerk nördlich von Tengling das vierte der Geoenergie Bayern. Durch die Rücknahme der Klage wurde der Bauvorbescheid jetzt rechtskräftig. (xe)

