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Wasserstand, Überblick, Ausblick

Kinderbetreuung im Landkreis Traunstein auf dem Prüfstand: Unterschiede bei Bedarf, Angebot – und Plan

Betreuungssituation im Landkreis Traunstein – ein umfassender Überblick
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Betreuungssituation im Landkreis Traunstein – ein umfassender Überblick

Die Situation der Kinderbetreuung im Landkreis Traunstein ist uneinheitlich. Einige Gemeinden haben Überkapazitäten, andere stoßen an ihre Grenzen. Wir haben uns einen umfassenden Überblick auf die Situation verschafft.

Landkreis Traunstein – Wie steht es um die Versorgung mit Krippen- und Kindergartenplätzen in den 35 Gemeinden des Landkreises? Wir haben in jeder Kommune nachgefragt, die Ergebnisse liefern spannende Einblicke: Während manche Orte gut aufgestellt sind und sogar Überkapazitäten haben, geraten andere schon jetzt an ihre Grenzen. Die Unterschiede könnten kaum größer sein – und sie wirken sich unmittelbar auf Familien und deren Planungen aus.

Die Gemeinden Schleching und Siegsdorf sowie die Stadt Traunstein werden in unserer Auswertung zur Betreuungssituation im Landkreis nicht berücksichtigt. Auf Nachfrage wurden uns keine Daten aus deren Zuständigkeitsbereich übermittelt. Alle anderen Kommunen haben uns umfassende Antworten zu Bedarf, tatsächlichem Angebot, Wartelisten, Erweiterungsplänen sowie auch zu anfallenden Kosten zukommen lassen. Auf dieser Basis betrachten wir die aktuelle Situation zur Kinderbetreuung im Landkreis Traunstein.

Interaktive Karte mit allen Daten aus der Region

Bedarfsermittlung: Jeder Sechste plant ins Blaue

Die Grundlage jeder Betreuungspolitik ist eine solide Bedarfsermittlung – doch gerade hier hapert es in mehreren Kommunen. Fünf Gemeinden im Landkreis geben an, keine Bedarfserhebung für Krippen- oder Kindergartenplätze durchzuführen. Insbesondere kleinere Orte wie Obing, Kienberg oder Pittenhart verzichten auf eine systematische Bedarfserhebung. Besonders kritisch kann dieser Umstand dort sein, wo zugleich keine Erweiterungen geplant sind: In Pittenhart etwa fehlt beides – Erhebung wie Ausbaupläne. Für Familien, die auf einen Platz hoffen, ist das ein Spiel mit vielen Unbekannten – und kann im schlimmsten Fall eng werden.

Apropos eng: Trotz einer insgesamt ausreichenden Versorgung in der gesamten Region (durchschnittlicher Krippenbedarf: 37 Plätze – Angebot: 41 | Kindergarten: Bedarf 183 – Angebot 195) zeigt sich in einzelnen Orten dennoch eine mögliche Unterversorgung. Grassau etwa sticht mit 13 Kindern auf der Kindergarten-Warteliste hervor – bei einer Einwohnerzahl von rund 6.800 ist das ein vermeintlicher Engpass. Die Gemeinde verweist auf die Bedarfsplanung: „Wir erhalten einen aktuellen Überblick über das Anmeldeportal der AKDB, über das die Eltern ihre Kinder anmelden. Die letzte Sozialraumanalyse datiert auf das Jahr 2017. Die Daten des Einwohnermeldeamts geben uns einen verwaltungsinternen Überblick über den voraussichtlichen Bedarf.“

Auch in Ruhpolding (ca. 7.000 Einwohner) ist die Lage vermeintlich angespannt: Dort fehlen 17 Krippenplätze gegenüber dem errechneten Bedarf, 12 Kinder warten aktuell. Gegensteuern will man hier mit einer weiteren Kindergartengruppe im gemeindlichen Waldkindergarten, wodurch dann insgesamt 207 Plätze zur Verfügung stehen sollen – und somit 3 Plätze als Puffer (Anm. d. Red.: Stand jetzt 179 Kinder, die Gemeinde rechnet allerdings mit ca. 20 bis 25 Integrativ-Kindern, was gesamt 204 Plätze ergeben würde, da Integrativplätze nach offiziellem Schlüssel doppelt gezählt werden).

In Engelsberg (rund 2.400 Einwohner) stehen 3 Kinder in beiden Bereichen auf der Warteliste – in einem kleinen Ort dieser Größenordnung kann jedoch bereits jeder fehlende Platz ins Gewicht fallen. Im Gegensatz dazu haben Gemeinden wie Chieming, Fridolfing, Tittmoning und insgesamt 23 weitere Kommunen derzeit keine Kinder auf Wartelisten – dort ist der Bedarf zumindest für die nahe Zukunft scheinbar gedeckt.

Platzverhältnisse: Von massiven Überschüssen bis hin zu merkbaren Lücken

Die bloße Anzahl an Krippen- oder Kindergartenplätzen sagt wenig darüber aus, wie gut eine Gemeinde wirklich aufgestellt ist. Erst im Verhältnis zur Einwohnerzahl – insbesondere zur Zahl der Kinder im relevanten Alter – zeigt sich, wie bedarfsgerecht das Angebot tatsächlich ist. Eine kleine Gemeinde mit 30 Plätzen mag gut versorgt sein, wenn dort nur 25 Kinder betreut werden müssen. Umgekehrt reichen 200 Plätze in einer größeren Stadt möglicherweise nicht aus, wenn der Zuzug junger Familien steigt oder der Geburtenjahrgang stark ist. Die Kennzahl „Plätze pro 1.000 Einwohner“ kann somit ein praktischer Maßstab sein, um Über- oder Unterversorgung deutlicher sichtbar zu machen.

  • Traunreut (Stadt) verzeichnet mit knapp über 20.000 Einwohnern die größten Überkapazitäten: 80 Krippenplätze und sogar 200 Kindergartenplätze mehr als benötigt. Das entspricht etwa 4 zusätzlichen Krippenplätzen und 10 Kindergartenplätzen pro 1.000 Einwohner – ein Spitzenwert im Landkreis.
  • Das andere Extrem: Ruhpolding (7.000 Einwohner) weist ein Defizit von 17 Krippenplätzen auf – also rund 2,4 fehlende Plätze je 1.000 Einwohner. Grassau hingegen kommt auf ein rechnerisches Kindergarten-Defizit von rund 1,9 Plätzen pro 1.000 Einwohner.
  • Auch Engelsberg fällt negativ auf: Bei einem Bedarf von 30 Krippenplätzen stehen nur 24 zur Verfügung – ein Rückstand von 6 Plätzen bei knapp 2.800 Einwohnern.
  • Chieming (rund 4.600 Einwohner) bietet schließlich ein exakt ausgeglichenes Verhältnis – 38 Krippenplätze für 38 prognostizierte Kinder, 198 Kindergartenplätze bei 197 Bedarf.

Landkreisweiter Vergleich in Hinblick auf die Einwohnerzahl

Aus den Daten unserer Erhebung wurde die Anzahl der verfügbaren Krippen- und Kindergartenplätze ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt:

  • Krippenplätze: Durchschnittlich stehen 8,4 Krippenplätze pro 1.000 Einwohner zur Verfügung.
  • Kindergartenplätze: Im Durchschnitt gibt es 40,1 Kindergartenplätze pro 1.000 Einwohner.

Über Schnitt liegt etwa die Verwaltungsgemeinschaft Waging mit den Gemeinden Waging am See, Taching am See und Wonneberg. Mit zusammen knapp über 10.000 Einwohnern liegt das Angebot bei rund 10 Krippenplätze pro 1.000 Einwohnern beziehungsweise etwa 42 Kindergartenplätze pro 1.000 Einwohnern. Mit über 22 Krippenplätzen und rund 68 Kindergartenplätzen pro 1.000 Einwohner liegt Fridolfing dafür deutlich über dem Landkreisdurchschnitt. Neben Fridolfing schafft es auch Schnaitsee über die Landkreisdurchschnittswerte hinaus – wenn auch knapper. Die Gemeinde mit rund 3.600 Einwohnern bietet derzeit etwa 8,2 Krippenplätze dafür aber stolze 55,9 Kindergartenplätze pro 1.000 Einwohner.

Während die meisten Gemeinden nur leicht unter dem landkreisweiten Durchschnitt liegen, fällt eine kleine Gruppe besonders deutlich ab: Fünf Orte bieten weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Platzangebots im Landkreis – sowohl im Krippen- als auch im Kindergartenbereich. Das entspricht rechnerisch weniger als etwa 5 Krippen- und 24 Kindergartenplätzen pro 1.000 Einwohner. Diese niedrigen Versorgungswerte können auf eine strukturelle Unterversorgung hindeuten, die sich im Alltag betroffener Familien deutlich bemerkbar machen könnte.

Erweiterung – Ausbau – Nachholbedarf?

Immerhin 17 von 30 Gemeinden im Landkreis arbeiten dafür an konkreten Erweiterungen ihrer Kinderbetreuungseinrichtungen. Dazu zählen etwa Grassau, Traunreut, Chieming oder Ruhpolding – letztere planen trotz fast ausgeglichener Versorgung somit sehr vorausschauend. Dazu heißt es beispielsweise aus der Gemeinde Petting: „Wir haben beim Neubau unserer Krippe vor drei Jahren bereits Räumlichkeiten auf ‚Reserve‘ gebaut. Hier werden wir ab September eine zusätzliche Kindergartengruppe mit vorerst 10 Kindern bilden. Anstellungsverträge mit dem dafür benötigen Personal haben wir bereits geschlossen.“

Andere Kommunen zeigen sich hingegen passiv. Angesichts der bedarfsangepassten Versorgung wie etwa in Tittmoning, Surberg, Fridolfing oder Palling aber auch nicht verwunderlich. In den meisten Fällen wird in diesem Zusammenhang erneut auf die Bedarfsplanung verwiesen, die eine „stagnierende Nachfrage vorhersagt.“ Verständlich also, denn: Jeder Krippen- und Kindergartenplatz kostet die Kommunen Geld, jeder Ausbau ist teuer und belastet die ohnehin angespannten Gemeindekassen schließlich zusätzlich. (sl)

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