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Physiotherapeut der Extraklasse geht in Ruhestand

Rudi Lisowski tut weh – und die Wintersport-Stars lieben ihren Physio dafür

Physiotherapeut Rudi Lisowski kümmert sich um die Muskulatur von Biathlet Philipp Nawrath.
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Biathlet Philipp Nawrath war der letzte Sportler, der offiziell von Rudi Lisowski behandelt wurde – und genoss dies sichtlich.

Sie sind nahezu alle durch seine Finger gegangen, die Stars des Wintersports, und haben von den Fähigkeiten des Rudi Lisowski profitiert. Doch nun widmet sich der Physiotherapeut des Olympiastützpunktes Bayern anderen Dingen und geht in den wohlverdienten Unruhestand.

Inzell – So ganz kann Rudi Lisowski die Finger noch nicht stillhalten, ist sporadisch bei seinen Sportlern im Einsatz und hilft bei Lehrgängen und zentralen Maßnahmen noch aus, wenn Not am Mann ist.

„Ich habe viel erlebt mit den Sportlern, war bei unglaublich vielen Wettkämpfen, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mit dabei und bin dankbar über die wirklich schöne Zeit mit vielen netten Leuten“, blickt Rudi Lisowski auf seine nun über dreißigjährige Zeit als Sportphysio zurück.

Angefangen hatte es aber zunächst ganz anders, denn der ehemalige Reit im Winkler, der dann nach seiner Hochzeit die Zelte in Inzell aufgeschlagen hat und seither dort lebt, war in seiner Schüler- und Jugendzeit erfolgreicher Langläufer. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Lehre als Maurer in Reit im Winkl und anschließend konnte er seine Leidenschaft Langlauf in der Sportfördergruppe und im Skizug bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall richtig ausleben. Aus seiner Zeit als Zugführer kann er auf so manche interessante Geschichte mit seinen Soldaten, damals noch überwiegend aus der Region, zurückblicken.

Ein unvergessenes Erlebnis war für Rudi Lisowski (links) der Olympiaempfang 1998 seiner Heimatgemeinde Inzell mit Eisschnellläuferin Anni Freisinger und Bundestrainer Markus Eicher

Unterschiedliche Physio bei Reha und Leistungssport

Nach der Zeit bei der Bundeswehr ließ sich Lisowski in Inzell zum Physiotherapeuten ausbilden. Dort kam er auch zum ersten Mal so richtig in Kontakt mit den Eisschnellläufern, die ja in Inzell ihren Stützpunkt hatten. „Bei Thomas Schaufler habe ich am meisten gelernt, denn es gab sowohl ‚normale‘ Rehapatienten als auch die Leistungssportler, und die Behandlung ist doch sehr unterschiedlich. Dieser Unterschied wurde mir bei meiner Arbeit in Inzell und in der Klinik in Bad Reichenhall immer wieder aufgezeigt“, erinnert sich der Naturfreund an eine schöne und lehrreiche Zeit zurück.

Von den Sportlern schnell akzeptiert

Mit der Arbeit in Inzell entstand auch der Kontakt zu Eisschnelllauftrainer Markus Eicher (ab 1995), der für den Stützpunkt (anschließend als Bundestrainer) zuständig war und auch die später sehr erfolgreiche Anni Friesinger unter seinen Fittichen hatte. Mehr und mehr wurde Lisowski ins Eisschnelllaufteam integriert und von den Sportlern akzeptiert. „Markus Eicher war für mich eine prägende Person, denn seine Linie war konsequent und er hat sein Training systematisch und strukturiert aufgebaut“.

Die Beste der Welt wollte ihn

Ein einschneidendes Erlebnis war für ihn, als Gunda Niemann-Stirnemann, damals die erfolgreichste Eisschnellläuferin weltweit, ihn als persönlichen Physio nach einer Knieoperation in Folge eines Knorpelschadens 1997 mit ihrem Trainer drei Wochen mit in die Höhe nach Flagstaff/Arizona nahm. Sie wollte sich auf Inlineskates für die Olympischen Spiele in Nagano vorbereiten. Erfolgreich: Sie kehrte mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen aus Japan zurück.

Olympia-Premiere 1998 in Nagano

Mit dabei in Nagano bei Olympia war mit der deutschen Mannschaft auch Rudi Lisowski und betreute die Eisschnellläufer während dieser Zeit. „Das war ein unvergessliches Erlebnis. Es waren nicht nur für mich die schönsten Spiele, sondern dazu auch sehr erfolgreich. Vor allem der Dreifachsieg mit Gunda Niemann-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger über 3000 Meter war herausragend. Das werde ich nicht mehr vergessen“.

Die gute Arbeit des Physios Rudi Lisowski blieb auch den Funktionären des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Olympiastützpunktes (OSP) Bayern nicht verborgen. Während des 13-stündigen Rückflugs aus Japan gab es im Flugzeug erste Gespräche, ob es denn vorstellbar wäre, dass Rudi die Stelle als Physiotherapeut des OSP in Berchtesgaden übernehmen wolle.

Physiotherapeut Rudi Lisowski war sofort zur Stelle, als Claudia Pechstein nach dem 5000-Meter-Lauf bei Olympia in Südkorea medizinische Hilfe benötigte.

Ab an den Olympiastützpunkt

Letztendlich entschied sich Lisowski für diesen Schritt und hatte es nun auch vermehrt mit Bobfahrern, Rodlern, Skifahrern und Snowboardern zu tun. Zu seinen ‚Patienten‘ gehörten nun Leute wie Christoph Langen, Schorsch Hackl, Barbara Niedernhuber, Hilde Gerg oder Heidi Renoth. Vor allem Langen lobte die tiefgründigen Massagen des neuen OSP Physios. „Der Rudi massiert wirklich alle Muskeln, auch wenn es weh tut, aber das brauchen wir, denn Sonnencreme kann ich mir selber auftragen“, so einer seiner Sprüche.

Ein weiterer Aufgabenbereich waren die Sportler an der Christophorusschule darunter die Langlauftalente Evi Sachenbacher oder Tobi Angerer. Die gute Arbeit von Rudi Lisowski blieb natürlich auch außerhalb von Berchtesgaden nicht unbemerkt und daher streckten Uwe Müssiggang und Fritz Fischer ihre Fühler nach dem Inzeller aus, um ihn vermehrt auch in Ruhpolding einzusetzen. Vor allem Fritz Fischer als früherer Kollege bei der Bundeswehr wusste um die gute Ausbildung von Lisowski und dessen Persönlichkeit. „Es gibt keinen im Wintersport, der mit seinen Sportlern so viele Medaillen gewonnen hat wie der Rudi und das in nahezu allen Sportarten“; ist Fischer voll des Lobes über seinen ehemaligen Kollegen.

Die Biathlon-Damen haben es ihm angetan

Im Frühjahr 1999 war Lisowski dann erstmals bei einem Lehrgang der Biathlon-Damen integriert und 2000 sowie 2001 mit Fritz Fischer und Remo Krug als verantwortlicher Physio bei den sehr erfolgreichen Juniorenweltmeisterschaften. Doch die Damen hatten es ihm angetan, vor allem Uschi Disl, deren Einstellung Rudi Lisowski immer wieder lobte und die ganz nach seinem Leitsatz arbeitete. „Um richtig erfolgreich zu werden, muss man immer einen Schritt mehr machen als die anderen und konsequent daran arbeiten. Wer aufhört, besser sein zu wollen, hört auf, gut zu sein“, so sein Leitspruch. Und das versuchte er auch immer wieder seinen Sportlern beim Training, bei der Laktatabnahme oder bei der Massage zu vermitteln.

Unvergesslich sind für den Hobbyimker auch die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City, die schon mit einer ausgezeichneten Vorbereitung in den kanadischen Rocky Mountains begannen und auch richtig erfolgreich waren. „Die Mädels haben ihre gute Form umsetzen können und in jedem Rennen eine Medaille gewonnen, doch vor allem die Staffel war herausragend und dabei hat Uschi Disl einmal mehr gezeigt, dass man ein Rennen nach einem schlechten Start nicht verloren geben darf!“

Kritik am Rummel und den vielen Funktionären

Aus seiner Sicht wurde aber der ganze Rummel immer mehr und das Fernsehen hat seinen nicht unbedingt positiven Teil dazu beigetragen. Auch die Funktionäre wurden immer mehr und „mir kommt es schon fast so vor, dass das Wichtigste das Deutsche Haus ist, in dem dann alles gefeiert werden soll. Das ist mittlerweile ein richtiger Prunkpalast und der Sport rückt dabei mehr in der Hintergrund“.

Sechs Mal bei olympischen Winterspielen im Einsatz

Er weiß, wovon er spricht, denn Rudi Lisowski war auch bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, 2010 in Vancouver, 2014 in Sotschi und 2018 in Pyeong Chang als Physiotherapeut dabei und hat so einiges erlebt. In den letzten Jahren arbeitete er am Stützpunkt in Ruhpolding und war neben den Weltcupathleten vor Ort überwiegend für die Nachwuchsmannschaften von Tobi Reiter und Andi Birnbacher zuständig, die er auch zu Wettkämpfen und zentralen Maßnahmen begleitete. „Hierbei geht es noch hauptsächlich um den Sport und die Szene ist nicht so aufgeblasen wie bei einem Weltcup. Das Umfeld passt gut und das ist auch der Grundstein, denn ohne ein funktionierendes Umfeld holt man keine Erfolge“, ist seine Überzeugung.

In seiner langjährigen Berufspraxis hat Rudi Lisowski viel Erfahrung sammeln können und weiß, wie er die Sportler behandeln muss. „Sportphysio ist anders als Rehaphysio. Die Sportler müssen am nächsten Tag wieder ihre Leistung abliefern und daher muss prophylaktisch behandelt werden. Überlastungssymptome können zu Verletzungen führen – und da muss man vorbeugen, auch wenn es manchmal weh tut“.

Endlich Zeit für die Familie

Seit kurzer Zeit ist Rudi Lisowski nun in seinem wohlverdienten Ruhestand und kann sich nun mehr den Dingen widmen, die bisher zu kurz kamen. „Ich werde die Freizeit genießen und der Familie wieder was zurückgeben, denn die hat oft auf mich verzichten müssen bei den vielen Wettkämpfen und Lehrgängen. Mir wird bestimmt nicht langweilig, beim Wandern, Berge inspizieren und Langlaufen im Winter“, so der Hobbysportler, der sich derzeit, prädestiniert als gelernter Maurer, um den Hausbau seines Sohnes kümmert. Zudem muss er auch seine Bienen versorgen.

Die Sportler werden „ihren“ Rudi vermissen

Die Sportler werden ihn auf jeden Fall vermissen, so wie Philipp Nawrath, der in den Genuss kam, als letzter Sportler in seiner offiziellen Arbeitszeit auf der Liege zu liegen. „Der Rudi wird zwangsläufig fehlen. Mit ihm geht eine Institution und es war schon eine gewisse Wertschätzung, dass man zu ihm auf die Massagebank darf. Der Andrang war groß und jeder wollte zum Rudi. Ich kenne keinen, der es so gut macht wie er mit einer ausbalancierten Mischung zwischen Kraft und Gefühl, die Muskeln auszulockern. Mit seiner Ausbildung zum Maurer verfügt er auch über die nötige Fingerkraft“, lobte Philipp Nawrath seinen Physio Rudi, der nach seinen Worten immer da war, wenn’s brennt, egal ob am Abend oder am Wochenende.

Kurz und prägnant brachte es Uschi Disl, eine der erfolgreichsten Biathletinnen in Deutschland, auf den Punkt. „Mei Rudi is mei Bester! Er war jahrelang mein Masseur und er war nicht nur der Beste, den ich je hatte, sondern auch ein guter Zuhörer. Massagen sind sehr individuell, der Rudi ist gerade heraus und das war für mich genau richtig. Ich bin sehr froh, dass ich ihn hatte!

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