Eintrag ins Goldene Buch
Hohe Politprominenz in Grassau: Umweltministerin Lemke besucht Salz- und Moormuseum
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) folgte der Einladung von Gisela Sengl, Landesvorsitzende der Grünen, und traf sich im Grassauer Salz- und Moormuseum mit weiteren Parteifreunden. Im Klaushäusl machten sich die Landes- und Kommunalpolitikerinnen ein Bild von der Kendlmühlfilzen und der Moorsituation in der Region.
Grassau – Anette Grimm war natürlich auf die prominenten Gäste vorbereitet. Die Leiterin des Grassauer Salz- und Moormuseum öffnete das eigentlich seit November geschlossene Klaushäusl trotz Winterpause für den Besuch. Auch Grassaues Bürgermeister Stefan Kattari nahm sich Zeit und hatte Goldene Buch der Gemeinde mit im Gepäck. Zunächst begrüßte Angelika Maier, Sprecherin des Kreisverbands Traunstein die Gäste, darunter die Grünen der Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land mit Bernhard Zimmer, Bürgermeister Stefan Schneider aus Bergen in seiner Funktion als Vorsitzender des Ökomodell Achental sowie weitere kommunale Mandatsträger und Parteifreundinnen der Grünen. Darunter waren Ulrike Schweiger, Bundestagsdirektkandidatin aus Freilassing und Gisela Sengl, die das Treffen arrangierte und schließlich Bundesumweltministerin Lemke.
Naturschutzgebiet geht auf Bürgerinitiative zurück
Sengl erzählte, wie sie beim Parteitag im November die amtierende Bundesumweltministerin gefragt, ob sie sich vorstellen könne, einmal nach Oberbayern in den Wahlkreis Traunstein zu kommen. Auch, da das Thema Natur- und Klimaschutz ein Topthema im Wahlkampf sei. Lemke sagte zu, ihren Winterurlaub verbrachte sie in der Nähe in den Bergen. „Für uns Grüne im Chiemgau ist der Natur- und Klimaschutz nicht nur in diesem Wahlkampf ein Topthema, sondern immer“, betonte Sengl. Sie verwies dabei auf die Kendlmühlfilzen und damit auf den Erhalt der bayrischen Moore. Auch erinnerte sie an den Handtorfstich, der für viele Bauernfamilien in früheren Zeiten notwendiges Brennmaterial brachte. Sie erinnerte aber auch an den industriellen Torfabbau in der Kendlmühlfilzen und den Kampf bis zur Ausweisung des Naturschutzgebiets 1992, ein Erfolg der Bürgerinitiative „Rettet die Kendlmühlfilzen“. In der Bürgerinitiative waren damals Mitglieder des Bund Naturschutzes und der Grünen aktiv. Sengl freue sich, diesen großen Erfolg des Naturschutzes zeigen zu können.
„Dieser wunderbaren Natur sollten wir mit Ehrfurcht und Demut begegnen“, so Sengl. Alle Nieder- und Hochmoore in Bayern zu renaturieren, wäre ein riesiger Beitrag für den Klimaschutz. Auch betonte sie, dass nicht immer mit Schreckensszenarien Politik begründet, sondern vielmehr positive Beispiele benannt werden sollten. Ein gutes Beispiel sei die Kendlmühlfilzen mit den Museen Salz und Moor und Torfbahnhof, denn hier gebe es nur Gewinner: die Touristen, die Einheimischen, die Tiere und Pflanzen und der Klimaschutz. Funktionierende Feuchtgebiete binden etwa fünfmal so viel Kohlenstoff pro Quadratmeter als Wälder, informierte Sengl. „Ein natürliches Moor ist auch einfach nur schön“, ergänzte die Landesvorsitzende der Grünen.
Wie Steffi Lemke betonte, dürfe die Frage des Naturschutzes bei der Parteizugehörigkeit keine Rolle spielen, verwies damit auf den SPD-Politiker Bürgermeister Kattari und meinte, dass hier die Koalition funktioniere. Auch sei sie als Parteimensch da und nicht als Bundesumweltministerin. Sie liebe die Alpen und diese wichtigen Naturrefugien verdienen Wertschätzung und seien wichtig für den Wasserhaushalt. Moorstandorte speichern nicht nur Kohlenstoff, sie seien auch Wasserspeicher und wichtig bei Trockenheit und Starkregen. Lemke verwies auf das Aktionsprogramm für natürlichen Klimaschutz, in dem auch geplant sei, mehr Moorfläche zu renaturieren. Leider hatten Moore, so Lemke, lange Zeit ein schlechtes Image. Man erkannte erst später, dass die Moore so wichtig und erhaltenswürdig sind. Aus diesem Grund wurden auch 3,5 Milliarden Euro für eine starke Natur, für Wälder und Moore bereitgestellt und damit der bislang größte Umwelt- und Naturschutzfond für das Aktionsprogramm bereitgestellt.
Auch Wolf und Biber Thema
Bürgermeister Kattari, der als Biologe und ausgewiesener Kenner der Kendlmühlfilzen durch die Natur führte, betonte vorab, dass gleich zwei Naturschutzgebiete, die Kendlmühlfilzen und auch das Naturschutzgebiet Geigelstein, auf Bürgerinitiativen zurückgehen und somit von der Bevölkerung vor Ort erreicht wurden. Bewusst habe der Markt Grassau mit dem Museum eine Informationsquelle zum Naturschutzgebiet in kommunaler Trägerschaft geschaffen, so der Rathauschef. Sengl betonte, dass Naturgeschichte auch immer Kulturgeschichte sei und Lemke fügte hinzu, dass Naturschutz Menschenschutz ist. Nur ganz am Rande wurde über den Wolf und auch den Biber gesprochen. Lemke betonte, dass für Entbürokratisierung gesorgt wurde. Schließlich müsse in der Praxis Lösungen herbeigeführt werden und nicht noch lange geredet werden.
Nach dem Eintrag ins goldene Buch und einem Rundgang durch das Museum und dementsprechenden Erklärungen zum Entstehen und dem Leben im Hochmoor ging es gemeinsam hinaus auf den Moorrundweg. Am schönen Beispiel präsentierte Kattari das Hochmoor auf der einen Seite und das Bergpanorama auf der anderen Seite. Auch im Winter bietet das Moor einen Naherholungswert. Lemke zeigte sich als bürgernahe Politikerin, die den Besuch ohne Tross bestritt..
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