Region Traunstein: Kinder als Helden
„Phänomenal“: Bub (3) deckt Unfallflucht mit Spielzeug-Autos auf - so belohnt ihn die Polizei
Ein dreijähriger Bub hat mit der Auflösung eines Kriminalfalls bundesweit Schlagzeilen geschrieben. So ist die Reaktion in seiner Heimat Bergen, das plant die Polizei und so oft werden Kinder in der Region zu Helden.
Bergen/Traunstein - Sat1, Bild, Bayern 3 - gefühlt die gesamte deutsche Medienlandschaft hat in diesen Tagen bei der Polizeiinspektion Traunstein (PI) angerufen. Es ging allen um die außergewöhnliche Heldentat eines dreijährigen Buben aus Bergen. Der Junge war daheim auf dem Balkon und beobachtete eigentlich einen Feuerwehreinsatz, als sich in seiner Sichtweite ein Unfall ereignete. Ein Auto mit niederländischem Kennzeichen beschädigte offenbar mit seiner Anhängerkupplung ein anderes Fahrzeug und verschwand danach.
Dreijähriger schildert Papa den Unfall - dann kommt die Polizei
Aufgeregt marschierte der Dreijährige zu seinem Papa in die Wohnung und zeigte ihm mit zwei Spielzeug-Autos, wie sich der Crash ereignet hatte. Der Vater überzeugte sich auf der Straße bei dem angefahrenen Fahrzeug, dass tatsächlich ein Schaden vorlag und rief die Polizei an. Die konnte den Unfallflüchtigen schnell schnappen - dank der detaillierten Hilfe des Buben.
„Das ist schon phänomenal mit 3. Der Kleine hat super reagiert und auch der Vater hat alles richtig gemacht. Nur so konnten wir den Unfallfahrer schnell ermitteln“, sagt Gerrit Gottwald im OVB-Gespräch. Natürlich wollen sich der Chef der PI Traunstein und seine Kollegen bei dem kleinen Zeugen bedanken. „Ein Polizei-Teddy ist auf dem Versandweg unterwegs zu uns. Diese oder nächste Woche wollen wir den an den Buben übergeben“, so Gottwald.
Vorbilder: Kommissar Kind und Lebensretter
Auf die Frage, ob er schon einmal so einen spektakulären Fall mit einem Kind als Kommissar erlebt hat, erinnert sich der Dienststellenleiter sofort an ein Mädchen. „Sie war bei Oma und Opa zu Besuch in Traunstein und hat uns ganz allein eine Unfallflucht mitgeteilt. Ich habe mich damals mit einem Skateboard bei ihr bedankt. Natürlich war sie deutlich älter als 3“, so Gottwald.
Kinder können aber nicht nur aufmerksame Zeugen sein, sondern auch Lebensretter. Vor gut zwei Jahren hatten vier Jungen im Alter zwischen acht und zehn Jahren beobachtet, wie ein älterer Herr (88) zu Boden fiel und liegen blieb. Geistesgegenwärtig wandten sie sich an eine Passantin, die daraufhin sofort den Notruf absetzte. So konnte dem Mann schnell geholfen werden. Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer meinte damals: „Die vier Jungen haben vorbildlich reagiert, sie waren mutig und haben nicht weggesehen. Sie sind ein Vorbild für uns alle.“ Als kleine Anerkennung überreichte er den vier jungen Rettern damals eine Jahreskarte für das Traunsteiner Erlebnis-Warmbad für die ganze Familie.
„Das zeichnet die Bürgerinnen und Bürger - auch die kleinen - der Region aus. Hier wird nicht weggeschaut“, sagt Gottwald. Bergens Bürgermeister Stefan Schneider hat von der ganzen Geschichte übrigens aus den Medien erfahren. „Das ist scheinbar ein Ausnahmekind. Vielleicht wird er in vielen Jahren ja mal Polizei-Hauptkommissar“, so der Ortschef mit einem Schmunzeln über die „nette Geschichte“.
Ob Polizist tatsächlich der Traumberuf des dreijährigen Buben ist, wird vermutlich noch eine Zeit ungeklärt bleiben: Papa hat entschieden, dass er mit seinem Sohn nicht mit den Medien aus ganz Deutschland sprechen möchte. Spielzeug-Autos sind dann doch spannender...
