Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rosenheimer Wiesn-Streiflichter

Trachtler-Invasion und eine Mini-Schärpe auf dem Herbstfest – aber keine „Cordula Grün“

wiesn25
+
Hoch hinaus: Die Trachtler erobern das Flötzinger-Festzelt.

Trachtler-Invasion auf dem Herbstfest Rosenheim: Als die Schuhplattler und Goaßlschnalzer kamen, blieb „Cordula Grün“ lieber dahoam. Es wollte auch niemand nach „Amsterdam“. Eine „Dotschn“ hat der Wiesnigel Ignaz, der sich jetzt als Igel-Kini fühlt, aber doch im Wiesn-Getümmel entdeckt.

Rosenheim – Das Oktoberfest mag das größte Volksfest der Welt sein. Was die Münchner aber nicht haben, das hat das Rosenheimer Herbstfest: einen urigen Blasmusikabend in Europas größtem Holzfestzelt mit Goaßlschnoizern und Schuhplattlern – garantiert schlagerfrei. Jedenfalls ließ sich im ganzen Zelt keine „Joana“, keine „Cordula Grün“ und keine „Sweet Caroline“ blicken.

Schee, dass es das auch 2025 noch gibt auf der Party-Wiesn, wo sich die Leute sonst gern nach „Bella Napoli“, „Amarillo“, „Amsterdam“ oder „Fürstenfeld“ singen und sehnen. „Weit und breit findet man so a pfundige boarische Gaudi koa zwoats moi“, betonen Roland Merk, Dirigent der Dreder Musi, Trachtenabend-„Erfinder“ Walter Weinzierl, Ehrenvorsitzender des Inngau-Trachenverbandes, und Flötzinger-Brauereichefin Marisa Steegmüller.

Alter Brauch, junge Gesichter: An Schuhplattler-Nachwuchs fehlt es nicht. Mit flacher Hand auf Schuhsohlen und Lederhosn – ein Stück bayerische Kulturgeschichte.

Dabei die Köpfe etwas einzuziehen – das ist vorteilhaft, wenn die schneidigen Nußdorfer Goaßlschnoiza unter Leitung von Georg Dettendorfer junior auf die Bänke steigen und zum „Rainer Marsch“ die Peitschen schwingen und knallen lassen.

Sie lassen es knallen beim Trachtenabend: die Nußdorfer Goaßlschnalzer.

Während die Schnoizer schnoizen, juckt es die Schuhplattler schon in Hand und Fuß. Schnell füllen sich dann die Gänge zwischen den Biertischen vor und neben der Musikbühne – und schließlich geht die Post ab. Hunderte schneidige Burschen hauen im Takt auf ihre Schuhsohlen und ihre Lederhosn, dass es eine wahre Freude ist. „Oiß, wos an Hax no auffebringt“, so formuliert es Walter Weinzierl, macht bei dem urbayerischen Spektakel mit.

Das Platteln: Ausdruck bayerischer Lebensart.

Die Ursprünge des Schuhplattelns reichen übrigens bis ins frühe Mittelalter zurück. „Erfunden“ haben es wohl einfache Leute – Bauern, Holzknechte und Jäger.

Da geht es hoch her: Burschen mit „Irxenschmoiz“ kombinieren Kraft mit Akrobatik und Geschicklichkeit.

1050 hat ein Mönch des Klosters Tegernsee in seiner Ritterdichtung „Ruodlieb“ erstmals eine Frühform des Schuhplatteln beschrieben, als er von einem „Sprung und Handgebärde im Tanz“ berichtete. 1838 soll sogar Alexandra Fjodorowna, die Kaiserin von Russland und Gemahlin von Zar Nikolaus I., beim Kuraufenthalt in Wildbad Kreuth in den Genuss einer „boarischen“ Tanzdarbietung gekommen sein, die dem Platteln von heute schon sehr nah kam. Während sich die Dirndl weiter im Takt drehten, sprangen, schnaggelten und plattelten die Burschen alleine weiter. Schon wenig später kam es dann zu einer Vereinheitlichung des Tanzes. 1861 – im Geburtsjahr des Rosenheimer Herbstfestes – gründete sich in Miesbach ein Verein, der sich bald in „Schuhplattler-Gesellschaft“ umbenannte.

Ein Accessoire sagt mehr als tausend Worte

Was ihnen wichtig ist im Leben, was sie mögen, die Geburtsdaten der Eltern oder den Namen des oder der Verflossenen – das tragen vor allem immer mehr jüngere Menschen mit Tattoos auf der Haut. Auf der Wiesn gibt es aber noch einen zweiten Weg, um den Mitmenschen auf den ersten Blick zu zeigen, woher der Wind weht, woher man kommt und wie man sich fühlt: die Accessoires – zehntausendfach zu sehen auf Hüten, auf der Brust oder ans Dekolleté geklammert.

Versteckte und offene Botschaften: Auf der Wiesn allgegenwärtig.

Bei den „sexy“ Damen, die als „Chefin“ oder „Gast des Tages“ aufs Herbstfest kommen, wissen die Herren Kavaliere aus Rosenheim und Tuntenhausen dann vorne herein, dass sie sich mächtig ins Zeug legen müssen. Und wer ein „Ich liebe Dich“-Herzel trägt, ist meistens schon vergeben.

Boarisch schimpfen: Dotschn, Ruach, und Zwiderwurzn

Boarisch schimpfen gehört zur Wiesn wie die Mass Bier. Damit alle mitreden können, erklären die Wiesn-Streiflichter täglich einige bajuwarische Kraftausdrücke – auf der Grundlage des Buchs „Loamsiada, Doagaff, Siasskasa“ – Bairische Schimpfnamen“ des Karikaturisten Hans Reiser, erhältlich auch in allen Geschäftsstellen der OVB-Heimatzeitungen.

Die Dotschn, so wie Karikaturist Hans Reiser sie sieht.

Heute:
Dotschn (Dotschn = Kohlrübe): grobschlächtiges, ungeschicktes Weibsbild;
Zwiderwurzn (zwider = zuwider; Wurzen = Wurzel): grantige, mürrische, unausstehliche Person);
Soadndrazza (Soadn = Instrumentensaiten; drazzn = ärgern, quälen): schlechter Musikant;
Ruach: raffgieriger, habgieriger Mensch;
Stenz: eingebildeter Mann, ein Schönling und Müßiggänger.

Aschauer Schärpe für den Ignaz: Da freut sich der Igel-Kini königlich

Eine Mini-Schärpe für den Wiesnigel Ignaz, von links: Eva Maria Gruber, Miss Herbstfest Eva Maria Bachmaier und Herbert Reiter.

Wenn Aschaus Tourismus-Chef Herbert Reiter auf dem Rosenheimer Herbstfest auftaucht, ist eine pfiffige Idee oder Überraschung garantiert. Diesmal verbreitete er sogar königlichen Glanz. Zur inzwischen traditionellen Geschenkübergabe an den beliebten Wiesnigel Ignaz der OVB-Heimatzeitungen kam Reiter mit einer Mini-Schärpe. Darauf steht: Ignaz is „A Schau“ – das pfiffige Pendant zur Miss-Herbstfest-Schleife.

Ignaz is „A Schau“: Das steht auf der Schärpe.

Und warum? Logisch: Miss Herbstfest Eva Maria Bachmaier kommt ja ebenfalls aus Aschau – und natürlich wollte sie dabei sein, als auf der Wiesn eine zweite blau-goldene Schärpe ins Spiel kam. Beim Anlegen des schmucken Stoffbandls assistierte auch Eva Maria Gruber, die dem Wiesnigel als Chefin vom Dienst in der OVB-Redaktion den gefürchteten Druckfehlerteufel, der während der 16 Herbstfesttage ja besonders erbarmungslos zuschlägt, bestmöglich vom Leib hält. Klar, dass sich der stachelige Würdenträger sogleich wie ein kleiner Igel-Kini fühlte und mit der neuen Zierde auch im Home-Office bei seinen kuscheligen Freunden auf der Couch punktete. Die waren sich alle einig und brachten die Schärpen-Story mit einem tierischen Kompliment auf den Punkt: „A Hund is a scho, da Aschauer Tourismus-Chef!“

Kommt mit seiner königlichen Touch gut an bei seinen Spezln im Home-Office: der „Igel-Kini“.

Gemeinsam und sicher heim

Eine schöne Einrichtung auf dem Herbstfest ist das „Mitfahrbankerl“ am Glückshafen. Dort können sich Frauen und Mädchen zusammentun, um sich gemeinsam auf einen sicheren Heimweg zu machen. Denn gerade zu späterer Stunde, wenn sich manche Burschen und Männer für unwiderstehlich halten, ist der Fußweg quer durch die Innenstadt zum Bahnhof oder zum Auto nicht immer angenehm. Darüber hinaus ist das Bankerl ein Treffpunkt, an dem schon so manche Freundschaft begonnen hat.

Beliebt und hilfreich: das Mitfahrbankerl.

Kommentare