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Heiko Peckmann von INNergie erklärt, wer 15 Prozent Gas sparen kann

Welche Folgen hat die Energiekrise für Kunden in Kolbermoor?

In der Jackelbergstraße werden Fernwärmeleitungen verlegt, um weitere Haushalte anzuschließen.
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In der Jackelbergstraße werden Fernwärmeleitungen verlegt, um weitere Haushalte anzuschließen.

Der EU-Notfallplan für Gas ist am Dienstag, 9. August, in Kraft getreten. Verbraucher sind aufgerufen, ihren Gaskonsum um mehr als 15 Prozent zu reduzieren. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt Heiko Peckmann, Geschäftsführer der INNergie GmbH, welche Folgen die Energiekrise für Hunderte Gas- und Fernwärmekunden in Kolbermoor haben könnte.

Herr Peckmann, wie kann INNergie in Kolbermoor 15 Prozent Gas sparen?

Heiko Peckmann: Der Gasversorger kann kein Gas einsparen. Der Impuls muss von den Verbrauchern ausgehen. Jeder Einzelne hat die Möglichkeit, seine Heizungsanlage vom Installateur runterregeln oder eine Nachtabsenkung der Temperatur einstellen zu lassen. Auch ein hydraulischer Abgleich, die Wartung oder Modernisierung von Heizungsanlagen oder Heizkörpern könnten den Gasverbrauch senken. Für einen Mieter gilt dasselbe. Er kann seinen Warmwasserverbauch reduzieren oder über die Thermostate seiner Heizkörper die Raumtemperatur und damit seinen Gasverbrauch senken.

Heiko Peckmann.

Wie ist das bei den über 500 Kolbermoorer Fernwärmekunden? Wird jetzt die Leistung des Heizkraftwerkes gedrosselt?

Heiko Peckmann: Nein, dadurch würde das Kraftwerk ineffizient arbeiten, denn wenn ich die Vorlauftemperatur der Fernwärme reduziere, der Kunde aber die gleiche Wärme abruft, wird der Volumenstrom im Netz erhöht. Es würde also mehr Warmwasser durch das Leitungsnetz gepumpt, was letztlich dieselbe Energie erfordert.

Dürfen Sie die Wassertemperatur im Fernwärmenetz reduzieren?

Heiko Peckmann: Wir müssen eine Temperatur von 80 bis 85 Grad im Netz vorhalten, da unsere Kunden mit der Fernwärme nicht nur heizen, sondern auch ihr Warmwasser aufbereiten. Dazu brauchen sie mindestens 60 Grad Celsius, da bei dieser Temperatur gesundheitsgefährdende Bakterien wie Legionellen absterben.

Laut Trinkwasserverordnung muss das Warmwasser deshalb immer auf mindestens 60 Grad gehalten werden, damit es gar nicht erst zu einem Legionellenwachstum kommt. Das müssen wir als Versorger gewährleisten. Dafür braucht das Wasser in der Fernwärmeleitung ein entsprechendes Temperaturniveau.

Wir geben es mit 80 bis 85 Grad ab, da man die Wärmeverluste in der Leitung und im Wärmetauscher einkalkulieren muss. Eine Temperaturabsenkung wäre auch für alte Gebäude mit alten Heizsystemen nicht sinnvoll, da sie dann ihre Räumlichkeiten nicht mehr warm bekommen würden.

Also kann ein Fernwärme-Kunde gar nicht sparen?

Heiko Peckmann: Doch natürlich. Auch hier muss der Impuls aber vom Endverbraucher ausgehen. Wenn er seine Heizung drosselt, wird im Netz weniger Wärme abgerufen. Das Heizkraftwerk regelt das System dann automatisch nach.

Woher kommt die Wärme, wenn es kein Gas mehr gibt?

Heiko Peckmann: Ich glaube nicht, dass es so weit kommen wird, dass es für private Haushalte gar kein Gas mehr gibt. Wir haben mobile Ölheizungen, mit denen die Fernwärmeversorgung in Kolbermoor schon während des Baus des Heizkraftwerkes an der Pauline-Thoma-Schule oder temporär auch im Conradty-Gelände abgesichert wurde. Aber wir könnten als INNergie auf diese Weise natürlich nicht all unsere Fernwärmekunden in der Region dauerhaft versorgen.

Fast flächendeckend ist das Erdgasnetz in Kolbermoor. Bis Februar 2022 wurde Erdgas als umweltschonendste Energieversorgung intensiv ausgebaut.

Viele Verbraucher fürchten sich vor der Gasumlage, die die Bundesregierung für Oktober angekündigt hat. Wissen Sie, wie diese berechnet und auf den Endverbraucher umgelegt wird?

Heiko Peckmann: Aktuell ist von einer Umlage von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde des Jahresverbrauchs auszugehen. Diese ist von jedem einzelnen Gaskunden in Deutschland zu bezahlen. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von etwa 40 000 kWh pro Jahr und einer Umlage von beispielsweise drei Cent wären das also 1200 Euro Gasumlage pro Jahr. Das wären Mehrkosten von 100 Euro im Monat.

Die Umlage soll ab 1. Oktober erhoben werden und am 1. April 2024 enden. Das bedeutet, dass der Verbraucher in diesen 19 Monaten zu seinem bisherigen Energiepreis pro Kilowattstunde zwischen 1,5 und 5 Cent mehr bezahlt. Die Umlage wird monatlich abgerechnet und kann durch den Gesetzgeber alle drei Monate angepasst werden.

Müssen Fernwärmekunden auch eine Gasumlage zahlen?

Heiko Peckmann: Dazu kann ich aktuell keine Aussage machen. Verbände und Ministerien diskutieren noch darüber. Momentan besteht das Risiko, dass der Fernwärmeversorger die Kosten tragen muss und diese nicht auf den Fernwärmekunden umlegen darf. Konkrete Aussagen sind in der derzeitigen Situation extrem schwer, denn seit Februar lernen wir alle ständig dazu und schauen täglich in eine große Glaskugel.

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