Entnahme beschlossen
Biber-Problem in Wasserburgs Lohenforst: Jung-Tiere sollen abgeschossen werden
Der Biber fühlt sich im Wasserburger Lohenforst wohl. Für den einen Teil des Waldes ist das gut. Um den anderen Teil macht sich die Stadt aber Sorgen. Nun wurde beschlossen: Der Biber soll weg. Was die Gründe für diesen Schritt sind.
Update, 19. November: Jungtiere werden abgeschossen
Wasserburg am Inn – Nun ist es offiziell: Die Biber-Jungtiere im Wasserburger Lohenforst sollen abgeschossen werden. Wie die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts Rosenheim auf Anfrage mitteilt, hat die Behörde eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung zur Entnahme der Jungtiere erteilt. Eine Anzahl der Tiere ist in der Ausnahmegenehmigung nicht festgelegt. Der Bescheid ist aber befristet bis zum 30. November 2026. Der Abschuss darf im Übrigen nur von Jägern, mit einer speziellen Genehmigung durchgeführt werden.
Wie bereits berichtet, stellen die Biber nach Überzeugung von Stadt, Forstamt und Landratsamt eine Gefährdung für den nördlichen Teil des Lohenforsts dar. Die Behörden sehen insbesondere die Verkehrssicherheit im Wald, als auch an der B304, gefährdet. Außerdem hat das Tier laut Stadt vermehrt alte, schützenswerte Eichen angenagt und stark gefährdet.
Erste-Meldung, 22. Oktober: Biber-Problem in Wasserburg: Warum das Tier aus dem Lohenforst weg muss
Wasserburg – „Wir sind offen für den Biber. Wir sind Biber-freundlich“, betont Tobias Büchner, Förster der Stadt Wasserburg mehrfach im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung und wasserburg24.de. Doch bei aller Freundlichkeit: Auch in Wasserburg bereitet das Tier Probleme. Im nördlichen Teil des Lohenforst, ganz in der Nähe von Penzing und dem Ortsteil Äußere Lohe, soll der Biber deshalb demnächst entnommen werden. Einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt hat der Umweltausschuss der Stadt kürzlich gestellt.
Grundsätzlich ist der Biber im städtischen Wald „Lohenforst“ schon seit vielen Jahren zu Hause. Allerdings nur im südlichen Teil des Waldes, der „Östlichen Lohe“. Hier, erklären sowohl Büchner als auch Robert Mayerhofer, Leiter des Liegenschaftsamts der Stadt Wasserburg, würden dem Tier fünf Hektar Wald, also 50.000 Quadratmeter, zur Verfügung stehen. Das Gebiet, das ursprünglich ein Moor war, sollte der Biber wieder vernässen. „Das hat auch gut funktioniert“, betont Mayerhofer. Entsprechend soll der Biber hier auch bleiben. Allerdings habe sich ein weiterer Biber, bei dem es wahrscheinlich um einen erwachsenen Nachwuchs des beheimateten Biberpaares handele, inzwischen auf der anderen Seite der B304 im nördlichen Teil des Lohenforsts ausgebreitet. „Und dieser Teil des Waldes ist als Biber-Revier nicht geeignet“, bedauert Mayerhofer.
Schützenswerte, alte Eichen
Zum einen gebe es in diesem Teil des Waldes viele schützenswerte, alte Eichen, die der Biber bedauerlicherweise angreifen würde. Was auch ein Problem für die Klimastabilität des Waldes darstelle, wie Förster Büchner betont. Denn gerade Eichen seien sehr klimaresistent. Außerdem vernässe der Biber durch sein Bauen auch hier immer mehr den Wald, wodurch es auf Dauer auch die Forstwirtschaft eingeschränkt werden könnte, befürchtet Büchner. Der Hauptgrund für die beschlossene Entnahme sei aber die Verkehrssicherheit sowohl im Wald, als auch auf der B304. „Beim Lohenforst handelt es sich um einen Erholungswald“, erklärt Büchner. „Das heißt, die Menschen sollen hier spazieren gehen können.“ Umfallende Bäume könnten zudem auch eine Gefahr für den Verkehr auf der Bundesstraße bedeuten, außerdem könnte der Biber die B 304 untergraben, so die Befürchtung.
Auf Anraten des Umweltausschusses soll nun versucht werden, den Biber möglichst schonend, also lebend, zu entnehmen und umzusiedeln. Außerdem soll ein Durchlass unter der B304 wieder instand gesetzt werden, Rohre in den Biberdämmen angebracht werden, um den Wasserstand abzusenken und weiter Schutzmatten an den Bäumen angebracht werden. Über die Pläne muss allerdings noch die Untere Naturschutzbehörde entscheiden.
Meiste Entnahmen sind Tötungen
Ob das mit der Lebend-Entnahme aber so klappen wird, wie geplant, ist fraglich. Wie das Landratsamt Rosenheim auf Anfrage erklärt, handelt es sich bei den meisten Entnahmen um Tötungen. „Eine Ausnahme stellte eine Biberumsiedlung von vier Tieren aus dem Landkreis Rosenheim über das bayerische Bibermanagement nach Großbritannien dar“, erklärt die Behörde. Eine Umsiedlung im Landkreis sei nicht möglich. Im Schnitt würden im Landkreis pro Jahr 40 bis 50 Biber entnommen. Meist würde dies über eine Biberfalle oder einen Direktabschuss erfolgen.
Grund für eine Entnahme sei im in der Regel „eine nicht vermeidbaren Gefährdung von sicherheitsrelevanten Einrichtungen“, wie Kläranlagen, Triebwerkskanälen von Wasserkraftanlagen, Stau- und Hochwasserschutzanlagen. Wenn hier Präventionsmaßnahmen, etwa Schutzgitter, Dammabsenkungen und Baumschutz nicht zum Ziel frühen würden, werde das Tier entnommen.



