Hausaufgabe für Marktgemeinderat
Tandem auf Erfolgsspur: Die Priener Radverkehrsbeauftragten kommen voran
Hingucken, zuhören, analysieren – und dann loslegen mit den Ideen, wie Fußgänger, Radfahrer und Autos in Prien besser unter einen Hut zu bekommen sind. Die Radverkehrsbeauftragten sind schon so weit. Sie gaben den Kommunalpolitikern Hausaufgaben mit in die Weihnachtspause.
Prien am Chiemsee – „Ich habe das Gefühl, dass dieses ‚Tandem‘ sich gegenseitig vorantreibt“, sagt Gemeinderat Kersten Lahl. August Pflugfelder und Max Kölbl schmunzeln. Die beiden Radverkehrsbeauftragten der Marktgemeinde sind in der Tat ein gutes Team. Was sich natürlich auch bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit bemerkbar macht, wie jetzt die Mitglieder des Marktgemeinderates feststellten.
Sie waren das ganze Jahr mit offenen Augen und Ohren in Prien unterwegs, die beiden Radverkehrsbeauftragten. Monatelang verstärkt durch eine Oberstufenschülerin des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, die ihre Facharbeit zum Radverkehr in der Gemeinde schreibt. Was ihnen auffiel oder zurückgemeldet wurde und was man aus diesen Erkenntnissen machen kann, das stellen Kölbl und Pflugfelder jüngst im Marktgemeinderat vor.
Zurückgemeldet? Ja. Die Beiden haben nicht nur einen Instagram-Account (“PrienTrittAn“), sondern auch die E-Mail-Adresse fahrradbeauftragte-prien@web.de eingerichtet. Die wird gut angenommen, es kommen Anregungen herein, vor allem aber werden Gefahrenstellen gemeldet. „Da geben wir die Information sofort an die Verwaltung weiter und etliche Gefahrenstellen sind auch schon beseitigt worden.“
Andere sind nicht so schnell erledigt. Immer wieder klagen zum Beispiel Radfahrer, die auf der Seestraße unterwegs sind und sich von Autofahrern bedrängt fühlen. Das dort geltende Überholverbot wird gerne übersehen. Vorschlag der Radbeauftragten: Ein großes Piktogramm auf dem Asphalt. Oder auch mehrere. Ob und wie die Gefahrenquelle „Gleise der Chiemseebahn“ beseitigt werden kann, das wird wohl noch länger Thema sein.
Noch etwas ist Pflugfelder, Kölbl und ihrer jungen Mitarbeiterin aufgefallen: Sie wurden verhältnismäßig oft nach dem Weg gefragt. Die Beschilderung der Radrouten scheint zu wünschen übrig zu lassen. Selbst der Chiemsee-Uferweg ist eher unscheinbar beschildert. Da sei Luft nach oben, so das Fazit.
Der Bestandsaufnahme folgte die Analyse und das Tüfteln. Kölbl und Pflugfelder machten sich Gedanken über möglich neue Radverkehrslinien, entwarfen Planskizzen. Es sind erste Überlegungen als Diskussionsgrundlage für die Kommunalpolitiker. Zum Beispiel für eine Verbindung vom See über die beiden Schulen bis zur Hochries- beziehungsweise Bernauer Straße hinsichtlich Alternativstrecken und Ausgestaltung bestimmter Abschnitte.
Die Überlegungen für fünf Hauptrouten durch die Gemeinde stellten die Radverkehrsbeauftragten nicht detailliert vor, die bekamen die Marktgemeinderäte als Hausaufgaben mit in die Weihnachtsferien. Im Januar oder Februar soll sich der Rat dann intensiver damit beschäftigen. Einiges habe sich aber aufgedrängt, so Kölbl. Er und Pflugfelder wünschen sich einen regen Austausch mit den Kommunalpolitikern, stehen für Gespräche immer zur Verfügung, „kommen Sie bitte auf uns zu“.
Stadtradeln bringt neuen Rekord
72.953 Kilometer legten die 365 Stadtradelnden in 20 Teams im Sommer hinter sich. Zwölf Tonnen CO2-Ausstoß wurden so vermieden. „Neuer Rekord für Prien“ freuten sich die Radverkehrsbeauftragten. Die die tolle Zusammenarbeit mit PrienTourismus lobten. Eine technische Panne führte dazu, dass auf der Priener Stadtradeln-Seite stand, es seien keine Marktgemeinderäte unter den Radelnden gewesen. Das sorgte für leichte Verschnupfung, denn es waren etliche Kommunalpolitiker dabei, angeführt vom Bürgermeister.
Die Radverkehrsbeauftragten wollen nicht im eigenen Saft schmoren, halten deswegen den Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen anderer Gemeinden im Landkreis. Viermal im Jahr ist Treffen in Kolbermoor. Da geht es dann um aktuelle Themen, um den Stand in den Kommunen. Neben Informationen nehmen Pflugfelder und Kölbl immer wieder Inspiration für die eigene Arbeit mit.
Diskussionsrunde mit zwei Bürgermeistern auf dem Marktplatz
Kolbermoor gehört zu den aktivsten Gemeinden in Sachen Radlverkehr im Landkreis Rosenheim. Da war es naheliegend, dass zur Podiumsdiskussion „Fahrradstraßen – eine Chance für Prien?“ auf dem Priener Marktplatz der Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo eingeladen war. Der von „seinen“ Fahrradstraßen begeistert ist: „Der größte Gewinn ist, dass eine Fläche, auf der bisher Autos geparkt wurden, zu einem lebenswerten Ort für alle geworden ist. Nicht nur für Radler, sondern auch für Fußgänger, Kinder und Familien.“ Für Fahrradstraßen in Prien hätten Kölbl und Pflugfelder durchaus Ideen.
Wie geht es dieses Jahr weiter? Nach Ansicht von Kölbl und Pflugfelder sollte der Austausch mit einem Planungsbüro beginnen, kurzfristig machbare minimalinvasive Maßnahmen sollten zügig umgesetzt werden und die Einbindung des Ortszentrums müsste geprüft werden. Förderprogramme gibt es für diverse Aspekte. Zum Teil werden 80 Prozent der Kosten übernommen, so die Radverkehrsbeauftragten.
Sonja Werner (Die Grünen) bat um eine Liste kleinerer Maßnahmen, die stellen Kölbl und Pflugfelder gerne zusammen. „Ich denke, das eine oder andere ist gut umsetzbar“, fand nicht nur Gabriele Schelhas (SPD). Man möge nur „die armen Lkw-Fahrer“ nicht zu sehr ausbremsen, bat Sepp Schuster (AfD).
Der Marktgemeinderat gab sich letztlich selber Hausaufgaben mit in die Winterpause, beschloss einstimmig, sich einzuarbeiten und Gedanken über ein ganzheitliches Radverkehrskonzept zu machen und dann Anfang 2026 zu entscheiden, wie es nun wirklich weitergeht in Prien.

