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Neue Geschäftsführung in Stephanskirchen

„War wirklich schockiert“: Hamberger-Betriebsrat schildert den Chef-Wechsel – gab es Anzeichen?

Die Hamberger-Betriebsräte Franz Greska (l.) und Bülent Tirmik waren schockiert von der plötzlichen Trennung von Dr. Peter Hamberger.
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Die Hamberger-Betriebsräte Franz Greska (l.) und Bülent Tirmik waren schockiert von der plötzlichen Trennung von Dr. Peter Hamberger.

Der Schock saß tief. Als der Betriebsrat der Hamberger Industriewerke in Stephanskirchen vom plötzlichen Geschäftsführer-Wechsel erfuhr, konnte er es zunächst gar nicht glauben. Worüber sich die Mitarbeiter-Vertreter jetzt Gedanken machen und wie die Verkündung der Entscheidung ablief.

Stephanskirchen „Ich war wirklich schockiert”, sagt Bülent Tirmik drei Tage nach dem überraschenden Führungswechsel bei den Hamberger Industriewerken in Stephanskirchen. Nach 29 Jahren im Unternehmen haben Gesellschafter und Beirat beschlossen, dass Dr. Peter Hamberger das Unternehmen ab dem 1. Juli nicht mehr führen wird. Tirmik ist Betriebsrat bei Hamberger. Die Meldung über die Trennung vom Juniorchef kam für ihn und seinen Kollegen Franz Greska sehr überraschend. 

Hamberger: „Haben es erst gar nicht glauben können“

„In den vergangenen Wochen gab es keine Anzeichen, die auf diese Entwicklung hingedeutet hätten“, sagt Tirmik im OVB-Gespräch. „Wir haben es erst gar nicht glauben können“, ergänzt Tirmik. Greska nickt, wirkt sichtlich betroffen. Er war auch bei der offiziellen Verkündung vor Ort in Stephanskirchen dabei. „Sie haben uns das verkündet und dann war erstmal Schweigen“, erzählt er. „Aufgrund der Aussagen, die gemacht wurden, und wie es dann auch dargestellt wurde, habe ich schon mit Herrn Hamberger mitgefühlt.”

Die ersten Gedanken nach dem Schock seien dann direkt bei den Kollegen gewesen. Wie geht es weiter? Was bedeutet der Führungswechsel für das Unternehmen? „Man darf ja nicht vergessen, dass wir bis April noch Kurzarbeit hatten“, sagt Tirmik. Um die ersten Unsicherheiten zu beseitigen, habe sich der Betriebsrat dann direkt mit der IG Metall in Verbindung gesetzt und sich beraten lassen. „Ohne die hätten wir gar nicht gewusst, wie wir weitermachen sollen. Das erlebt man ja Gott sei Dank nicht so oft.”

Doch auch vonseiten des Unternehmens konnten die Betriebsräte schnell wieder etwas beruhigt werden – trotz der angespannten Lage in der Branche. „Unser Personalverantwortlicher hat gestern (2. Juli, Anm. d. Red.) noch einmal ganz deutlich gemacht, dass es weitergeht und die Familie Hamberger hinter dem Standort Stephanskirchen steht“, berichtet Tirmik.

Franz Greska (l.) und Bülent Tirmik: Betriebsräte bei den Hamberger Industriewerken.

Was die Hamberger-Betriebsräte zu den neuen Geschäftsführern sagen

Mit den neuen Geschäftsführern hatten Tirmik und Greska noch nicht allzu viele Berührungspunkte. Lediglich mit Ralph Wonnemann gab es beim Thema Sozialpläne schon Kontakt. „Herr Wonnemann kommt ja von den Banken. Für ihn zählen die Zahlen. Darüber haben wir uns am Anfang schon riesige Gedanken gemacht”, sagt Greska.

Die Banken wüssten schließlich auch nicht, was die langjährigen Kollegen bereits geleistet hätten. Da seien auch mal Zusatzstunden geleistet worden, wenn es nötig war. „Das war dann ein Zeichen, eines engagierten Mitarbeiters”, sagt Tirmik. Man stand in schwierigen Zeiten für den Chef ein. „Weil man wie eine Familie ist. Aber ob die Mitarbeiter jetzt die gleiche Flexibilität zeigen würden?”, fragt sich der Betriebsrat. Es fehle nun einfach die persönliche, menschliche Verbindung.

„Die Tür von Herrn Hamberger stand immer offen“

Dass die Meldung auch viele Mitarbeiter sehr getroffen hat, dafür hat Tirmik auch eine Erklärung parat. Der Altersdurchschnitt in der Firma liege bei etwa 45 Jahren und die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei etwa 20 Jahren. „Im Produktionsbereich arbeiten sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund. Die haben bei Hamberger in Deutschland ihr Arbeitsleben begonnen”, erzählt Tirmik. „Wenn etwas war, stand die Tür von Herrn Dr. Hamberger immer offen und jeder konnte seine Bedenken und Sorgen vorbringen.“

Für die beiden Betriebsräte heißt es jetzt besonders: Gespräche führen, für die Kollegen da sein, ein offenes Ohr haben und auch Sorgen auffangen. Aber: „Wir müssen auch mit offenen Augen beobachten, was in der Geschäftsleitung passiert.” Dennoch wollen die Betriebsräte optimistisch nach vorne schauen. „Vielleicht ist es ja auch eine Chance”, sagt Greska.

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