Am Anfang war die „Bratwurst-Connection“
49 Etappen – auch nachts: Warum Rosenheimer zu Fuß bis an den Gardasee laufen
„Wenn man als Gruppe am Ziel ankommt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl“: Josefine und Reinmund Hobmaier veranstalten zum vierten Mal einen Staffellauf von Rosenheim nach Lazise am Gardasee. Was die beiden antreibt und wie viele Läufer vom 16. bis 18. Mai dabei sind.
Rosenheim – „Das Laufen gibt mir ein Gefühl von Freiheit“, sagt Josefine Hobmaier. Leichtathletik habe ihr schon immer gefallen, doch da ihre Eltern einen Bauernhof besaßen, habe sie im Stall helfen müssen und hatte keine Zeit fürs Training gehabt. Doch sobald sie erwachsen war, wurde sie Mitglied in einem Sportverein. „Das Laufen hat mich sofort mitgerissen“, sagt sie. Über ihre Leidenschaft lernte sie auch ihren Mann Reinmund kennen. Mit ihm zusammen organisiert sie den Staffellauf von Rosenheim zur Partnerstadt Lazise, der alle fünf Jahre stattfindet.
Alle fünf Jahre wieder: Der Staffellauf nach Lazise
„Wir wollten ihn nicht jedes Jahr stattfinden lassen, sonst ist der Lauf nichts Besonderes mehr“, sagt Reinmund. Die Laufstrecke ist in 49 Etappen eingeteilt, die die Teilnehmer abwechselnd laufen, auch in der Nacht. „Nachts zu laufen, ist etwas ganz Besonderes. Die Stille, die Lichter der Häuser in der Nacht, das hat sich eingebrannt bei mir“, sagt Josefine Hobmaier.
Angefangen hatte es im Jahr 2009, zum 30. Jubiläum der Städtepartnerschaft. Gemeinsam mit dem ehemaligen Stadtrat Andreas Bensegger, der zur selben Zeit dieselbe Idee hatte, organisierten sie den ersten Staffellauf nach Lazise. Bensegger sei Teil einer Bergsportgruppe mit dem Namen „Bratwurst-Connection“ gewesen. Laut Bensegger kam der Name von einem Freund, der Bratwürste gern mochte. „Wir waren eine Truppe sportbegeisterter junger Leute, die das Laufen mit einem Aufenthalt in Lazise kombinieren wollten“, sagt Bensegger.
Zuerst sollte das ein einmaliges Ereignis sein, doch das Ehepaar Hobmaier hatte Lust, wieder einen Staffellauf zu organisieren. „Wenn man als Gruppe am Ziel ankommt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl, das ist unvergesslich. Da fließen auch mal Tränen vor lauter Glück“, sagt Josefine Hobmaier. So folgte alle fünf Jahre ein neuer Staffellauf, nämlich im Jahr 2014 und 2019. Andreas Bensegger unterstützt das Sportereignis, auch wenn er selbst nicht mehr organisatorisch tätig ist. „Das machen die Hobmaiers gut, sie und ihre Läufer sind super motiviert“, sagt er.
Startschuss Staffellauf Rosenheim-Lazise
Vom 16. Mai bis 18. Mai findet der vierte Staffellauf nach Lazise statt. Startschuss ist um 18 Uhr vor dem Rosenheimer Rathaus. Insgesamt nehmen laut Hobmaier 34 Leute teil, die in den darauffolgenden Tagen 400 Kilometer laufen werden. Mehr Informationen gibt es auf https://www.hobmaier.com/Staffel
Laufen als Leidenschaft
Dem Ehepaar Hobmaier ist wichtig, dass der Staffellauf nach Lazise kein Wettkampf ist. Deshalb bereiten sie sich auch nicht speziell darauf vor. „Das normale Training genügt mir“, sagt Reinmund Hobmaier. Das müsse bei den Staffellauf-Teilnehmern bei weitem nicht so intensiv sein, wie bei den Hobmaiers. Diese bemühen sich, sechsmal in der Woche zu laufen. „Es geht nicht jeden Tag, manchmal hat man eine Verletzung, manchmal trifft man sich mit der Familie, das geht natürlich vor“, sagt Reinmund Hobmaier. Doch die Leidenschaft zum Laufen und der Ansporn, besser zu werden, führt die beiden immer wieder zum Laufen zurück.
So nehmen Josefine und Reinmund Hobmaier an Wettkämpfen teil und gewannen 2023 bei der Weltmeisterschaft im Crosslauf und Halbmarathon im polnischen Toruń zweimal Silber. „Am Ende war ich einfach, froh am Ziel zu sein“, sagt Josefine Hobmaier. Die Strecke sei bergig gewesen, der Gegenwind habe ihr zusätzlich zu schaffen gemacht. „Brutal anstrengend“, wie sie sagt. Doch das gehöre eben dazu, zu ihrer Leidenschaft.