Wiesn-Streiflichter
Thomas Müller: Mit Vollbart, Schweinsteiger und Neureuther aufs Rosenheimer Herbstfest
So viel Sportprominenz auf einmal gab es selten auf dem Rosenheimer Herbstfest: Fußball-Weltmeister Thomas Müller brachte aus Kanada nicht nur einen Vollbart mit. Müller kam zusammen mit WM-Held Bastian Schweinsteiger und Ski-Legende Felix Neureuther aufs Herbstfest. Ob die drei wissen, was ein Brootz ist?
Müllers Stationen: Zum Johann Auer, Bierbichler, Franz am Wiesntor, One Bar
Damit ihn der Wiesnigel Ignaz im Wiesn-Nachtleben nicht erkennt, hat sich Thomas Müller in Kanada einen Zehn-Tages-Vollbart wachsen lassen. Aber das hat dem Fußball-Weltmeister nichts genützt. Mit solchen billigen Tricks kommt Müller vielleicht auf dem Oktoberfest durch, aber nicht auf dem Rosenheimer Herbstfest. Dass der Bayern-Dauerbrenner nun 8000 Flugkilometer von München entfernt in Vancouver auf Torjagd geht – daran müssen sich die Fans der Roten in der Region erst noch gewöhnen.
Umso schöner, dass Müller (35) nach einer kleinen Nostalgie-Trainingseinheit beim FC Bayern an der Säbener Straße das Herbstfest besuchte – und namhafte spitzensportliche Verstärkung mitbrachte. Zusammen mit Felix Neureuther (41), Bastian (41) und Tobias Schweinsteiger (43) verbrachte Müller einen gemütlichen Abend auf der Wiesn – abgeschirmt vom Trubel und vom Blitzlichtgewitter. Zum Johann Auer, Bierbichler, Franz am Wiesntor – das waren die Stationen. Und nach Mitternacht schaute Müller noch in die One Bar in der Kaiserstraße.
Mit einem „Brootz“ haben die drei sympathischen Sportkanonen natürlich gar nix zu tun. Aber wenn Müller, Schweinsteiger und Neureuther genau wissen wollen, was sich genau hinter bairischen Kraftausdrücken und Schimpfwörtern wie „Brootz“ verbirgt, dann müssen sie diese Streiflichter weiterlesen. Weiter unten gibt es die Auflösung.
Saisonsperre für 20 „Radaubriada“
„Grantlhuawa“und „Radaubriada“ – die kann auf dem Herbstfest niemand brauchen. Deshalb bekommen sie auch von der Polizei in der Wiesn-Wache konsequent die Rote Karte gezeigt. Und das heißt dann nicht nur Sperre für ein Spiel, wie meist im Fußball, sondern für den ganzen Rest des Herbstfestsaison. Für „Bierdimpfen“ eine gefürchtete Strafe. Auf der Wiesn-Wache gab es am Mittwochabend ein kleines Jubiläum. Nach knapp fünf Tagen friedlichen Feierns war das 20. Wiesn-Verbot fällig. 2024 kamen insgesamt 63 Herbstfest-Platzverweise zusammen. Ob es diesmal weniger „Streithansl“-Rauswürfe gibt? „Schau ma moi“, sagen (von links) Polizeioberkommissar Christoph Neumayer, Polizeihauptkommissar Thomas Opetnik, Polizeimeisterin Jessica Memmel, Polizeihauptmeister Cornelius „Walter“ Röhrl und Polizeiobermeister Noah Hoffmann.
Wilder Wiesn-Ritt durch die Musikwelt
DJ – das ist die Kurzform für das Wort Disc-Jockey. Wörtlich übersetzt heißt das „Schallplattenreiter“ oder „Scheibenreiter“. Doch das Zeitalter der Schallplatten ist auf der Wiesn schon lange vorbei. Heute sorgt dort digitales Hightech-Equipment für den richtigen Sound. Aber der Jockey passt noch immer, denn es ist ein wilder Ritt durch die Musikwelt, den im Prosecco-Stadl DJ Daniel Ocean, der sich problemlos den Spitznamen „Jimmi Hendrix“ zulegen könnte, und DJ Köcki im „Franz am Wiesntor“ hinlegen.
Alte Fußballer-Größen der Sechziger auf der Wiesn – da flüchtet der Wiesnigel Ignaz lieber zum Motodrom
Nachdem der Wiesnigel Ignaz beim Herbstfest 2024, bestens platziert hinter der Torwand und mit der Kamera durchs Loch hindurch fotografierend, fast von Andi Schunko abgeschossen worden wäre , lotste er die Fußballer-Legenden des TSV 1860 Rosenheim diesmal fürs Streiflichter-Foto lieber zum Motodrom. Dort hielt er Sicherheitsabstand und verschaffte sich einen risikofreien Blick aufs Motorradrennen der Sechziger-Kicker.
Andi Schunko, der im Vorjahr an der Torwand mit seinem Fast-Igel-Abschuss den „Wanderpokal“ gewonnen hatte, ging 2025 leer aus. Diesmal hängte Wasti Rotter in Runde eins seine Ex-Mitspieler aus besseren Regionalliga- und Bayernliga-Tagen des Klubs ab, Runde zwei ging an Klaus Hertreiter, der als WV-Wiesnmanager seinen „Heimvorteil“ nutzte und den heißesten Reifen fuhr. Vorne von links: Wasti Rotter, Armin Parstorfer, Andi Schunko, Stefan Kurz, Mitch Rausch, Gerry Schunko, Klaus Ziemba, Thomas Rohner, Hannes Peter, Christoph Schiller und Gregor Jell. Hintere Reihe: Klaus Hertreiter, Stefan Mayr, Mario Brandl, Sepp Liebl, Hansi Bürger, Tom Hertreiter, Andi Adamosky (ganz rechts).
Brootz und Giftnudel, Wuisla und Breznsoiza
Ned gschimpft is globt gnua: eine urbairische Philosophie, die heute noch gilt. Ist das Repertoire an Kosenamen (Schpatzl, Schpotzl, Bussibärli) bescheiden, so kennt der bajuwarische Sprachschatz bei Schimpfwörtern keine Grenzen.
Boarisch gschimpft auf der Wiesn – Kleine Nachhilfe für Zuagroaste und Dosige
Ned gschimpft is globt gnua: eine urbairische Philosophie, die heute noch gilt. Ist das Repertoire an Kosenamen (Schpatzl, Schpotzl, Bussibärli) bescheiden, so kennt der bajuwarische Sprachschatz bei Schimpfwörtern keine Grenzen. Das gilt besonders auf der Wiesn – weil sie 2025 wieder „olle do san“: Dosige, Eigsessene, Nordliachtl, Zuagroaste, Saupreißn, Schdodara und Landhampara;
Großkopferte, Eigsaamde mit vui Diridari, kniggade Pfennigfuchsa, feine Maxen und ausgschaamde Brootzn;
Noudniggl, Wuisla, Millipritschla und Drietschla;
Rauschkugeln, Bierdimpfe, bsuffane Wogscheidl, Noagalzuzla und Freibierlätschn;
Bauernbiffen, Dreghammen, Zornbinggl, Schdreitbeidl, Schroameier, Grantl- huawa und Gschaftlhuawa, Schbrichbeidl;
Schmarrnkiewen, Krampfhenna, Ratschkatln, Flidschal samt Tschamsdara, Dotschn, Haumdaucha, Koirabipostl, junge Duddara, und Rotzleffen;
Gniabiesla, Hoderlumpen, Hallodri, Sauhund, Loamsiada und Doagaffn;
Zwetschgnmandal mit Schboznwadl, Kasloawen, Grischbbal, Gschwoischädl, gwampade Uhus, Braggl-Mannsbuider mit Schdiagnack und Knedlfriedhof, dürre Heigeign und Spinodwachtln;
Breznsoiza, Gramfhena, Gloiffe, Giftnudeln, Hornoxn und...
Die Liste könnte man beliebig fortführen. Aber Mundart ist für Zuagroste (und auch so manchen Dosigen) kein leichter Spaß. Manche Begriffe muss man erklären. Deshalb gibt es in den täglichen Wiesn-Streiflichtern der OVB-Heimatzeitungen ab sofort ein wenig Boarisch-Nachhilfe.
Das Buch „Loamsiada, Doagaff, Siasskasa“ – Bairische Schimpfnamen“ aus der Feder des Karikaturisten und Autors Hans Reiser liefert hierzu die perfekte Grundlage. Die Erklärungen stammen überwiegend, die humor- und kunstvollen (Über-)Zeichnungen ausnahmlos aus seinem 2024 im Eigenverlag erschienenen Werk (E-Mail: kontakt@reiserhans.de). Reiser, geboren in Lenggries, lebt und arbeitet heute in Reichersbeuren bei Bad Tölz.
Los geht‘s heute mit:
Brootz (Brootz = Kröte): Angeber, Prahler und Wichtigtuer;
Rotzleffe (Leffe = Löffel, Ohren): freches, ungezogenes Kind;
Bsuffas Wogscheidl (Waagscheidl = Holz zum Anspannen der Zugtiere): besoffen schwankender Trinker:
Flidschal = ein Flittchen;
Drietschla (drietscheln = trödeln): langsamer, umständlicher Mitbürger,
Noudniggl (Noud = Not; Niggl = Groschen, Münze): ein Geizhals, der weder sich noch anderen etwas gönnt.









