Rosenheimer Wiesn-Streiflichter
Botox-Schaulaufen im Silikon-Valley auf dem Herbstfest – aber die echten Stars sind andere
Herbstfest Rosenheim 2025 – ohne Botox und Silikon nicht mehr denkbar. Aber es gibt auch noch echte Schönheit, wie etwa das Bergpanorama. Weiter drehen sich die neuen Wiesn-Streiflichter um den Ring an der rechten Hand von Wincent Weiss, Tennis spielende Starbulls-Ikonen und den „Gloiffe“.
Die echten Stars auf der Wiesn: Unsere Bergwelt und unsere Senioren
Bodenständig bleiben, aber auch mit der Zeit gehen. Der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt der Wiesn jedes Jahr aufs Neue in der schnellen, schöngefärbten Internetwelt von heute. Die hunderttausendfache Jagd nach Selfies mit echten Promis und Möchtegern-Stars – sie ist in Facebook- und Instagram-Tagen wie diesen auch in Rosenheim eröffnet, sobald das erste Fassl angezapft ist.
Und dann beginnt auch der bizarre Wettlauf um Aufmerksamkeit, Likes und Klicks im Netz – immer öfter mit wulstig aufgespritzten Lippen in einem faltenfrei gespritzten Gesicht, über einem Designer-Dirndl-Dekolletée, gefüllt mit handballgroßen Kugeln, auf denen man sorgenlos zwei Prosecco-Glasl abstellen könnte. Ganz schön viel Silikon und Botox. Ist das noch Aufbrezln? Ist das noch eine echte Wiesn?
Ja, das ist sie, weil das Herbstfest auch andere Facetten hat – die atemberaubende Kulisse der Bergwelt zum Beispiel, die den Fahrgästen im „Fliegenden Teppich“ den Ausblick auf ein Panaroma verschafft, wie es weltweit einzigartig ist. Doppelt schön dabei: Hügel, Kanten, Falten, Farben – alles echt. Und in der Auerbräu-Festhalle hat der Wiesnigel Ignaz dann auch die echten Stars auf dem Herbstfest getroffen: Rund 500 Senioren aus Rosenheim, denen der Wirtschaftliche Verband als Wiesn-Veranstalter eine schmackhafte Brotzeit samt süffiger Mass spendierte. Und da blickte der Ignaz plötzlich in ganz andere Gesichter, die ganz ohne Worte spannende Geschichten erzählen – von schlechteren Zeiten, von harter Arbeit, von vielen Erfahrungen, gute wie schlechte, und von einer gewaltigen Lebensleistung. Da wurde auch der Miss Herbstfest Eva Maria Bachmaier, die beim Dirigieren auf der Bühne bereitwillig Anton Kepplin (85) den Taktstock überließ, schnell warm ums Herz. „Ja, de Zeitn ham se verändert, des mog scho sei“, sagt eine Seniorin. „Aber as Bier schmeckt no genauso guad wie friara.“
Wincent Weiss: Was blitzt denn da am Ringfinger?
Frauenschwarm Wincent Weiss wurde in der Tatzlwurm-Hütte nicht nur mit einer Mass gesichtet. Vor allem der Frauenwelt blieb eine glänzende Kleinigkeit am rechten Ringfinger nicht verborgen. Verlobt? Verheiratet? Sein Privatleben hat der 32-jährige Popsänger von der Ostsee stets von der Öffentlichkeit ferngehalten. Das blieb auch 2025 auf dem Herbstfest so. Überrascht sind seine Fans im Sommer 2022 gewesen, als der Echo-Gewinner mitten im Konzert verkündete: „Ich lass die Katze jetzt mal aus dem Sack. Ja, also ich bin vergeben, ich habe eine Freundin.“ Weiss gelang der Durchbruch mit Hits wie „Musik sein“ oder „Feuerwerk“. Beim Sommerfestival 2024 begeisterte er mit seinen gefühlvollen Texten tausende Rosenheimer. Obwohl er ein „Nordliachtl“ ist, fühlt er sich in Rosenheim wie zuhause, schätzt vor allem Spaziergänge an der Mangfall – zusammen mit einem seiner besten Spezl, der in Rosenheim wohnt.
Frischer Wind beim Flötzinger-Cup
Neue Gesichter im Finale des Flötzinger-Tennisdoppelturniers auf der Anlage des SB DJK Rosenheim: Kein einziger der vier vorjährigen Finalisten schaffte es diesmal unter die letzten acht. Bei der Siegerehrung in der Brauereibox gab es dann reichlich „Analysen“ und die Siegerpokale. Starbulls-Ikone Mondi Hilger schaffte es in den bisherigen Turnieren, alle drei Spitzenplätze je einmal zu belegen. Diesmal wurde er mit Doppelpartner Tobias Gollinger Zweiter. Hintere Reihe von links: Anna-Lina Castigliana (Organisation, Flötzinger Bräu), Markus Fußstetter, Stefan Bauer (beide Organisation, SBR), Tobias Gollinger (Zweiter, SV Schloßberg-Stephanskirchen), Toni Resch (Dritter, SBR), Peter Stahl (Dritter, ASV Au). Vorne: Michael Schmidt (Erster, TC Weiß-Blau Raubling), Flötzinger-Brauereichefin und Schirmherrin Marisa Steegmüller, Georg Wörndl (Erster, SV Prutting), Mondi Hilger (Zweiter, SV Schloßberg-Stephanskirchen).
Radlerinnen-Mass von der Zapfhenne?
Eine Freizeit-Rennradpilotin, die im Biergarten auf der Wiesn nach einer „Radlerinnen-Mass“ verlangte, erfuhr vom schlagfertigen „Bierlieferanten“, dass die „Zapfhenne“ heute leider indisponiert, also dienstunfähig sei. Nix war’s mit flüssiger Gendergerechtigkeit: Es gab eine reguläre Radlermass. Der Wiesnigel Ignaz, der sich wie danebensitzende „Wiesnbesuchende“ – darunter erwachsene „Biertrinkende“, aber auch Kinder und Kinderinnen – die „Genderei“ mit Schmunzeln anhörte, verabschiedete sich vom Tisch mit: „Eine Prositterin auf die Gemütlichkeitin“.
Erntekrone kommt wieder aus Prutting
Schon seit über 50 Jahren bindet die Pruttinger Landjugend für das Erntedankfest während der Wiesn eine Erntekrone. Aufgebracht hat die Idee die Gschwendner Burgl, Franz Niedermayr schweißte dann das Gerüst zur Krone. Jetzt banden die Mitglieder der Katholischen Landjugend in Reischach das kunstvolle Gebinde. Mit viel Geschick wurde das Ährenkreuz gebunden. Danach konnte der Rest der Mannschaft die Bögen schmücken. Auch wenn auf dem Bild nur die Dirndln zu sehen sind, die Burschen waren auch fleißig, etwa beim „Büschelmachen“. Und sie dürfen die Erntekrone beim Festzug zum Gottesdienst und zur Wiesn am Sonntagvormittag tragen. Danach erhält die Krone fürs Erntedankfest ihren Platz in der Pruttinger Pfarrkirche.
Gloiffe, Doagaff, Schbinodwachtl
Boarisch schimpfen gehört zur Wiesn wie die Mass Bier. Damit alle mitreden können, erklären die Wiesn-Streiflichter täglich einige bajuwarische Kraftausdrücke auf der Basis des Buchs „Loamsiada, Doagaff, Siasskasa“ – Bairische Schimpfnamen“ von Hans Reiser, erhältlich auch in allen Geschäftsstellen der OVB-Heimatzeitungen.
Heute:
Gloiffe: grober, ungehobelter, unverschämter Kerl, ein Rüpel;
Zwetschgenmanderl (Figur aus getrockneten Zwetschgen): unscheinbares, harmloses Männchen;
Doagaff (Doag = Teig): besonders langweiliger, begriffsstutziger Mensch, ein Lahmarsch, eine Trantüte;
Schbinodwachtl (Schbinod = Spinat): exzentrische, lächerliche Frau.
Indoor schnupfen, das geht immer
Schnupftabak und Tattoos – danach muss man auf der Wiesn nicht lange suchen. Durch die Einführung des Rauchverbots 2008 ist der „Schmoizler“ wieder in Mode gekommen. Weil Tabakkonsum beim Schnupfen auch „indoor“ geht.







