Keine Durchfahrt für Autos am Marktsamstag
Kritik an Sperre in der Rosenheimer Innenstadt: Händler gehen auf die Barrikaden – passiert was?
Selbst gebackenes Brot, frisch gemahlener Kaffee, ein gutes Stück Fleisch: Der Grüne Markt ist für viele eine beliebte Anlaufstelle – vor allem samstags. An diesem Tag ist der Ludwigsplatz für den Durchgangsverkehr gesperrt. Kritik daran äußern jetzt Vertreter des City-Managements. Mit Folgen?
Rosenheim - Der Ansturm war groß. Bereits Minuten vor dem offiziellen Sitzungsbeginn tummelten sich zahlreiche Gäste vor dem Sitzungsaal. Karl-Georg Reindl, Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäfts am Ludwigplatz, war da und unterhielt sich angeregt mit Gastronom Richard „Richi“ Perkusic. Angelika Lohberger war da von der Metzgerei Lohberger und Thomas Treibenreif, zweiter Vorsitzender des Rosenheimer Citymanagements.
Positionspapier des Citymanagements
Sie alle waren gekommen, um zu erfahren, wie es mit dem Grünen Markt am Ludwigsplatz weitergeht. Der Grund, warum es das Thema überhaupt erneut auf die Tagesordnung des Ausschusses für Verkehrsfragen und ÖPNV geschafft hatte, war ein Positionspapier des Citymanagements, das die Vorstandschaft Anfang Juni an Oberbürgermeister Andreas März (CSU) verschickte.
Für den Durchgangsverkehr gesperrt
In dem Schreiben kritisierten sie die wöchentliche Sperrung der Kaiserstraße, für welche sich die Stadträte vor über einem Jahr ausgesprochen hatten. Seit Frühjahr 2024 ist der Ludwigsplatz jeden Samstag für den Durchgangsverkehr gesperrt. Das Ziel: Den Marktbereich erweitern und somit Platz für zusätzliche Stände schaffen. „Die Entscheidung wurde sehr positiv aufgenommen“, sagte Oberbürgermeister März während der Sitzung.
Nicht nur erhalten, sondern ausbauen
Aber er machte auch kein Geheimnis daraus, dass es eben auch andere Stimmen gibt – wie das Schreiben des Citymanagements bestätigt. „Grundsätzlich befürworten wir als Verein das Marktgeschehen auf dem Ludwigsplatz und möchten dieses nicht nur erhalten, sondern auch gerne ausbauen“, sagt Thomas Treibenreif vom Citymanagement.
Was von den Mitgliedern – darunter zahlreichen Einzelhändlern – jedoch „absolut kritisch“ gesehen wird, sei die wöchentliche Sperrung der Kaiserstraße. „Wir möchten deshalb anregen, diese Maßnahme möglichst mit sofortiger Wirkung auszusetzen“, heißt es in dem Schreiben.
Massive Beeinträchtigungen für Autofahrer
Die Beeinträchtigungen für die Autofahrer seien – gerade mit Blick auf die aktuelle Verkehrs- und Baustellensituation in Rosenheim – nicht mehr hinnehmbar. Kritik äußern die Mitglieder auch daran, dass der Markt „oft halb leer ist“ und hauptsächlich Autos der Fieranten dort parken. „Das ist kein schönes Stadt- und Marktbild“, kritisiert Vorsitzender Rainer Pastätter.
Einzelhändler von Sperrung betroffen
In Gesprächen habe er immer wieder erfahren, dass zahlreiche Einzelhändler massiv durch die Sperrung betroffen sind und keinesfalls einen Mehrwert durch die Marktbesucher haben. Aus diesem Grund plädieren die Vertreter des Citymanagements dafür, die aktuelle Situation zu überdenken und eine „gangbare Lösung“ zu finden. Doch genau davon hielt ein Teil der anwesenden Stadträte nur wenig. „Wir sollten so weitermachen, wie bisher“, sagte Robert Lappy (Grüne). Er und seine Fraktionskollegen seien vom Schreiben des Citymanagements sehr überrascht gewesen. Zumal die Verkehrssituation in den vergangenen Monaten vor allem durch die Sperrung der Prinzregentenstraße verschärft wurde.
Die Aussage, dass der Markt „oft halb leer ist“ entspreche nicht seiner Beobachtung. „Es ist immer viel los“, sagte er während der Sitzung. Der Grüne Markt sei zu einer Begegnungsfläche geworden, welche die Aufenthaltsqualität in der Stadt noch einmal deutlich gesteigert hat.
Er erinnerte an die Situation vor der Sperrung. Damals hätten Autofahrer zum Teil direkt auf dem Zebrastreifen gehalten, um ihre Beifahrer aussteigen zu lassen. „Das ist absolut nicht wünschenswert“, sagte er. Statt also das Beschlossene rückgängig zu machen, plädierte er dafür, darüber nachzudenken, wie es gelingen könnte, die Attraktivität des Marktes noch weiter zu steigern.
„Das sehen wir genauso“, pflichtete ihm Dr. Wolfgang Bergmüller, Fraktionsvorsitzender der CSU, bei. „Wir müssen dem Markt eine Chance geben, sich zu etablieren“, sagte er während der Sitzung. Dennoch sprach auch er sich für eine bessere Gestaltung des Marktes aus, auch was die Einheitlichkeit angehe. „Wir können nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern müssen Lösungen finden und den Fieranten zur Seite stehen“, sagte Stadträtin Ricarda Krüger (SPD).
Maria Bichler (CSU) erinnerte daran, dass der Markt samstags bereits um 7 Uhr beginne, die Geschäfte aber erst gegen 9 Uhr öffnen. „Die schwierige Verkehrssituation besteht also nur für wenige Stunden“, sagte sie. Die Kritik der Einzelhändler könne sie deshalb nicht nachvollziehen. Auch, weil der Markt Leben in die Stadt bringe. „Wenn ich samstags durchfahren will, ärgere ich mich schon. Aber auch ich finde die Erweiterung des Grünen Marktes gut“, sagte Andreas Kohlberger, Fraktionsvorsitzende der AfD.
Dafür, dass die Sorgen der Einzelhändler trotzdem ernst genommen werden müssen, sprachen sich Christine Degenhart (Freie Wähler/UP) und Daniel Artmann (CSU) aus. Degenhart plädierte dafür, die Kommunikation mit den Einzelhändlern zu verbessern. So könnte es schon helfen, wenn die wöchentlichen Sperrungen besser und frühzeitiger angekündigt werden. Auch sie regte an, sich über die Gestaltung des Grünen Marktes Gedanken zu machen. „Die derzeitige Situation ist mehr als überdenkenswert“, sagte sie.
Artmann unterstrich, wie wichtig es sei, sich genau anzuschauen, welche Auswirkungen die Sperrung für die Einzelhändler habe. „Es muss konstruktive Gespräche geben. Wir müssen einen Kompromiss finden“, sagte er. Er schlug vor, sich die Auslastung in den Parkhäusern anzuschauen. Anschließend könnte darüber nachgedacht werden, wie man die Verkehrsteilnehmer an den Sperrungen und Baustellen vorbei in die Parkhäuser lotsen kann.
Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Ausschusses trotz allem dafür aus, die Sperrung an den Samstagen beizubehalten. Zugleich soll sich über mögliche Verbesserungen Gedanken gemacht werden.
