Gute Idee mit Tücken
Streit um Prienavera-Freifläche: Strandbad oder Badeplatz? Und was wird aus dem „Wurm“?
Wenig kostenfreie Badeplätze am Chiemseeufer, wenig Besucher im Prienavera-Strandbad. Auf die drei Euro pro Nase könnte das Erlebnisbad doch verzichten und seine Freifläche abgeben. Oder?
Prien am Chiemsee – Es gibt zu wenige öffentliche, kostenfreie Badeplätze in der Gemeinde. Finden die „Bürger für Prien“ (BfP). Und im Strandbad des Prienavera herrscht nicht gerade Gedränge – im Gegensatz zu Schramlbad und Polizeisteg. Deshalb beantragten die BfP jetzt einen Grundsatzbeschluss zum ganzjährigen eintrittsfreien Zugang zum Strandbad am Prienavera. Völlig unabhängig von allen anderen Entscheidungen, die rund um das Prienavera noch anstehen.
Einen Teil der Freifläche würde Dirk Schröder, Chef der Chiemsee Marina GmbH und damit zuständig für das Prienavera, durchaus herausrücken. 6000 Quadratmeter, angrenzend an die Stippelwerft, inklusive Spielplatz und Beachvolleyball-Feld. Die anderen 4000 Quadratmeter braucht das Prienavera, die Besucher des Erlebnisbades sollen im Sommer auch Liegewiese und See nutzen können.
Knackpunkt Badeaufsicht
Der Antrag hat zwei Knackpunkte: Zum einen die Badeaufsicht, die es bei einem öffentlichen Badeplatz nicht geben wird. Zum anderen die Pläne für ein neues Energiegebäude für Prienavera und Stippelwerft.
Johannes Dreikorn (CSU) formulierte es in der letzten Marktgemeinderatssitzung 2025 humorvoll: „Da müssen wir sehen, dass wir es so hinbekommen, dass der Herr Schröder nicht pleite und der Herr Bürgermeister nicht in den Knast geht.“
Strandbad-Einnahmen decken Ausgaben nicht
Der Herr Schröder geht wohl nicht pleite, denn die Besucherzahlen im Strandbad sind so, dass die Einnahmen nicht einmal die Ausgaben für die Löhne der Mitarbeiter decken. Inwieweit die relativ wenigen Öffnungstage in der wärmeren Jahreszeit – Fraktionssprecher Kersten Lahl sprach in der Sitzung des Marktgemeinderates von 81 Tagen in diesem Jahr – dafür ausschlaggebend sind oder nicht, wurde nicht diskutiert.
Allerdings war es in den vergangen beiden Jahren nur mit großen Anstrengungen im personellen Bereich möglich, den Strandbadbetrieb überhaupt aufrechtzuerhalten, schreibt Verwaltungsleiter Donat Steindlmüller in seiner Vorlage für die Sitzung. Braucht man für das Badegewässer beziehungsweise den Badeplatz keine Aufsicht mehr, sinken die Ausgaben. Und das vorhandene Personal kann sich ums Prienavera kümmern.
Badegewässer ohne Infrastruktur
Sollte der nördliche Teil des Strandbades ganzjährig kostenfrei zu nutzen sein, müsste er als „Badegewässer“ gelten. Das tun natürliche Gewässer in der Regel auch. An Badegewässern ist keine Aufsicht nötig.
Voraussetzung ist, dass das Badegewässer keine Infrastruktur wie Stege, Sprunganlagen, Schwimmbegrenzungsleinen, Umkleiden, Duschen oder Gastronomie gebe. Der Bereich muss frei und kostenlos zugänglich, darf nicht umzäunt sein. So will es die Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.
Baden auf eigene Gefahr
Es darf in keinem Fall der Eindruck entstehen, dass es sich um ein Naturbad, also einen Badebetrieb mit Aufsicht, handelt. Im Gegenteil: Es müssen ein Schild „Badestelle, baden auf eigene Gefahr“ und die Baderegeln ausgehängt werden. Nur so bleibt das Haftungsrisiko für die Kommune gering – und der Bürgermeister muss wohl nicht in den Knast. Die Gemeindeverwaltung hatte dazu extra ein Sachverständigenbüro eingeschaltet.
„Wurm“ täuscht Sicherheit vor
Das heißt aber aus Sicht der Verwaltung, dass sich optisch etwas ändern muss. Nicht nur, dass ein Zaun den Außenbereich des Prienavera vom Badeplatz trennt. Da ist der Wurm drin. Im wahrsten Sinne des Wortes: Der „Wurm“ aus den 60er-Jahren, der Umkleiden, Duschen und Lagerräume beheimatet. Der müsste zum Teil fallen. Denn sonst, gab Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) zu bedenken, sei es für Schwimmer nicht ersichtlich, dass sie sich an einem Badegewässer ohne Aufsicht befinden, und eben nicht im Strandbad des Prienavera. Bliebe die Anlage weitgehend unverändert, täusche das eine nicht gegebene Sicherheit vor.
Standort und Größe Energiegebäude in Diskussion
Für das neue Energiegebäude des Prienavera wäre es von Vorteil, würde der „Wurm“ gestutzt. Denn dann wäre – ungefähr an der Stelle des jetzigen Beachvolleyball-Feldes – Platz für einen Ersatzbau, der für das Blockheizkraftwerk und die Anlage für die See-Thermie notwendig ist. So weit hatten die BfP nicht voraus greifen wollen, denn in dem Punkt ist sich der Marktgemeinderat noch nicht einig über Standort und Größe. Sie wollten nur einen Grundsatzbeschluss, dass der Teil des Chiemseeufers, der heute Prienavera-Strandbad ist, ganzjährig und kostenfrei benutzt werden kann.
Das allerdings ist aus Haftungsgründen nicht möglich. Weswegen der Marktgemeinderat den Antrag der BfP mehrheitlich ablehnte. Die Verwaltung hatte einen Beschlussvorschlag vorgelegt, der die Öffnung des Chiemseeufers ermöglicht. Dazu soll ein Entwurf zur künftigen Gestaltung der 6000 Quadratmeter Fläche vorgelegt werden und es sind Angebote für den Teilabriss des „Wurms“ einzuholen. Das alles aber abhängig von den Genehmigungen (Bau- und Wasserrecht) der Seewasser-Wärmepumpe. Damit konnten sich nicht alle Mitglieder des Rates anfreunden, aber doch die große Mehrheit.
Kostenloser Badeplatz in attraktiver Lage kommt – irgendwann
Ja, es wird künftig einen kostenlosen Badeplatz in attraktiver Lage geben. Aber nicht schon im kommenden Sommer. Wegen der Seewasser-Wärmepumpe, die die Energiekosten für das Prienavera deutlich mindern soll. Bis 2027 werden sich die Priener und ihre Gäste mindestens gedulden müssen. Solange herrscht im Schramlbad und am Polizeisteg, aber auch am Schöllkopf an warmen Sommertagen noch Gedränge.