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Eine Institution weniger

Monika Voggenauer nimmt ihren Hut: Priener Traditionsladen schließt nach 160 Jahren

Eine Frau mit Hut in ihrem Laden
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Monika Voggenauer schließt in wenigen Wochen das Geschäft, in dem sie seit 48 Jahren arbeitet.

Mut zum Hut. Wer den hat, ist seit 48 Jahren bei Monika Voggenauer in den besten Händen. Sie macht oder findet für jeden Kopf den richtigen Deckel. Und doch schließt sie ihren 160 Jahre alten Hutladen in wenigen Wochen. Weil sie muss.

Prien – „Es hat sich herumgesprochen, dass ich aufhöre: Die Leute kommen von überall“, sagt Monika Voggenauer und lacht. Hier noch einen alten Liebling wieder in Form dämpfen, da noch ein neues Band anbringen oder eine Falte zwecks besserem Sitz einarbeiten. Oder kurz vor Toresschluss noch den Hut kaufen, den man immer schon wollte. Mit Letzterem ist Anfang März endgültig Schluss. Da schließt Monika Voggenauer zum letzten Mal die Ladentür von Hut Brunhuber in der Seestraße ab. Nach 160 Jahren ist Schluss für das Priener Traditionsgeschäft.

Vor 48 Jahren hat Monika Voggenauer ihre Ausbildung als Putzmacherin bei Hut Brunhuber begonnen. Unter der Berufsbezeichnung konnte sie sich erst einmal nichts vorstellen, gesteht sie amüsiert. Aber dann war es Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe, die bis heute hält. „Die Zeit ist so schnell vergangen, es ist der Wahnsinn“, staunt Monika Voggenauer selber.

Für große und für kleine Köpfe, mit Krempe und ohne, Pillbox oder Kappe – viele der hölzernen Hutmodeln gibt es so lange wie den Hutladen.

Der Hutladen ist seit Generationen immer an die dienstälteste Mitarbeiterin weitergegeben worden. Denn die kannte sich in Laden und Werkstatt am besten aus, konnte nahtlos weitermachen. Und irgendwann war Monika Voggenauer an der Reihe. Wobei das Handwerk der Putzmacherin – auch Hutmacherin oder Modistin genannt – immer mehr ihres war, als der Verkauf. Obwohl sie den Blick hat, was den Kundinnen und Kunden steht. Und was ihnen passt. Den interessierten Blick der Reporterin in eine bestimmte Richtung sieht sie sofort. „Setz mal auf, steht Dir bestimmt.“ Und das „Ja, aber...“ unterbricht Monika Voggenauer sofort: „Genau deine Größe.“ Sie hat mit beidem recht und verbucht die erste Einnahme des Tages.

Die Schließung des Ladens findet Monika Voggenauer gar nicht so tragisch. Den macht sie, mittlerweile allein bei Hut Brunhuber, ohnehin um 15 Uhr zu und geht nach hinten in die Werkstatt. Laufkundschaft und Feriengäste machten sowieso nur noch etwa zehn Prozent des Umsatzes aus. Alle anderen Kunden kamen und kommen gezielt, wussten und wissen ihre Arbeit wertzuschätzen. „Ein Hut kostet eben zwischen 150 und 250 Euro, wenn die Qualität gut sein soll.“

Mut zum Hut

Trotzdem ist bald Schluss. „Wir von der Gemeinde haben leider momentan keine freien Gewerbeflächen“, bedauert Bürgermeister Andreas Friedrich, „sonst hätten wir sie Monika Voggenauer definitiv angeboten.“ Einen kleinen Laden mit angeschlossener Werkstatt, den hätte sie gerne gehabt. Um das Handwerk noch weiter auszuüben. Hat sie aber nicht gefunden. Was sie bedauert. „Arbeit hätte ich en masse“, zum Beispiel gerade einen großen Auftrag der Wasserburger Schäffler, die neue grüne Kappen für ihre Auftritte 2026 benötigen. Auch auf der Internetseite des Hutladens ist nach wie vor zu lesen, dass Monika Voggenauer weiter Aufträge annimmt. „Aber vielleicht gefällt es mir ja auch so gut im Ruhestand, dass ich wirklich nichts mehr mache“, sagt sie vergnügt.

Dies auffallende Modell hat Monika Voggenauer gerade in Arbeit

So ganz glaubt sie sich das selber nicht. Nicht nur, weil sie ihr 50 Berufsjahre gerne voll gemacht hätte. Nein, sie hat einfach Spaß daran, Hüte zu fertigen. Ob Kappen für die Schäffler, den Priener Hut oder Kopfbedeckungen für andere Trachtenvereine. „Für diese Vereine war Hut Brunhuber ganz wichtig“, weiß auch der Bürgermeister. Außerdem entwirft Monika Voggenauer gerne Hüte. Manchmal läuft es nicht so rund und der halb fertige Hut wartet Tage oder Wochen auf das passende Band, die passende Krempenform, die passende Kordel. Und manchmal kann sie gar nicht so schnell dämpfen und bügeln, wie sie möchte. „Da überrasche ich mich dann selber und denke: ‚Richtig geile Idee gehabt‘“, erzählt sie lachend.

Die Modeln für die verschiedensten Hutformen, die in einem Regal in der überfüllten Werkstatt stehen, sind so alt wie das Hutgeschäft. Die 160 Jahre alten Schätze wollte bisher keine Kollegin, kein Kollege übernehmen. „Die meisten arbeiten heute mit Metallmodeln“, erzählt Monika Voggenauer. Einfach entsorgen will sie das Inventar aber auch nicht, dazu ist es zu wertvoll. Also wird sie den Großteil wohl mit nach Hause nehmen. Ihr Mann ist Kummer gewöhnt: 48 Jahre lang war seine Frau sechs Tage die Woche im Hutgeschäft.

Das fällt nun Anfang März der Generalsanierung des Hauses zum Opfer. Die Heizung ist kaputt, durch die Fensterscheiben zieht es. Überall stehen Heizlüfter, die kaum gegen die Kälte ankommen. In der Werkstatt, wo gedämpft und gebügelt wird, da ist es erträglicher. Da herrscht kreatives Chaos. Da ist Monika Voggenauer genauso glücklich, wie an ihrem ersten Arbeitstag vor 48 Jahren.

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