„Sind sozusagen mit den Filmen groß geworden“
Vom Kinderzimmer zur Weltpremiere: Wie zwei Priener Geschwister die Filmwelt aufmischen
Der Film ist ihre große Leidenschaft - und das schon immer. Die beiden Geschwister Andreas uns Tanja Schmidbauer haben dabei auch bereits einige Werke auf die Leinwand gebracht. Jetzt feiern sie auch zwei Premieren.
Prien – „Meine Schwester und ich haben schon als Kinder mit Lego Filme gedreht“, sagt Andreas Schmidbauer mit einem Grinsen im Gesicht. Und was damals in den Kinderzimmern begann, entwickelte sich zum richtigen Unternehmen, das er eben mit seiner Schwester Tanja führt.
Die Begeisterung für die Filmwelt hat die beiden Priener nie losgelassen. „Ich habe in der Schule Theater gespielt und Andi hat die Kamera für sich entdeckt“, sagt Tanja Schmidbauer. So wurde also das Lego in den Schrank geräumt, und es folgten bereits als Jugendliche die ersten Drehs mit Menschen. Los ging es mit Laien-Darstellern aus der Region, dann wurde eine Theatergruppe engagiert und mit der Zeit kamen auch die ersten professionellen Schauspieler vor die Kamera.
„Herrschaft Zeit‘n“ und „Hinterdupfing“
„Wir sind sozusagen mit den Filmen groß geworden“, sagt Andreas. Um weitere Erfahrungen zu sammeln besuchten sie auch einen Dreh der Rosenheim Cops. „Um einfach zu sehen, wie es am Set eigentlich so abläuft“, fügt Tanja hinzu. Und ebenso Making of’s von Filmen, wie von der Herr der Ringe Trilogie, spielten für die beiden eine wichtige Rolle. „Da kann man auch einiges lernen“, sagt Tanja weiter.
Nach der Schule folgte bei ihr ein Studium im Bereich Produktion und Medienwirtschaft. Andreas studierte Audiovisuelle Medien. 2010 dann der erste Kinoerfolg: Sie drehten den Film „Herrschaft Zeit‘n“. Andreas erinnert sich: „Wir hatten in Marias Kino Premiere gefeiert, danach im Citydome Rosenheim gefragt, ob wir paar DVDs davon auslegen dürfen. Und die im Kino meinten: Warum sollen wir ihn denn nicht gleich zeigen?“ Und so lief „Herrschaft Zeit‘n“ in Rosenheim, Bad Endorf, Prien und Traunstein.
Nach diesem ersten Durchbruch gründeten die Geschwister ihr Unternehmen Schmidbauer-Film. Es folgte die bayerische Komödie „Hinterdupfing“, welche 2014 Premiere feierte. Hier übernahmen die beiden Geschwister Produktion, Regie und Verleih. Und was mit einem kleinen Team begann, entwickelte sich schnell zum großen Projekt. „Wir wollten auch einen professionellen Cast dabei haben. Und die Leute die bereits mitgewirkt haben, hatten dann Kontakte zu bekannten Persönlichkeiten aus der Region und so ist das Ganze gewachsen.“ erklärt Andreas. Keller Steff und Band wurden zum Beispiel für den Titelsong engagiert, den Kontakt knüpfte damals Hubbi vom Hemhofer Kramerwirt, der selbst als Schauspieler im Film agierte.
Großen Grund zur Freude gab es bereits nach der Veröffentlichung des offiziellen Trailers. Dieser bekam in den sozialen Medien schnell große Aufmerksamkeit, wodurch Hinterdupfing zum bayernweiten Erfolg wurde.
Regionalität bei den Filmen wichtig
Wichtig ist Andreas und Tanja Schmidbauer bei ihren Projekten, dass Teile davon in der Region in und um Prien stattfinden. „Am Land ist das einfach noch was besonderes, weil man das nicht alltäglich erlebt. In der Stadt kannst du Drehs mit der Kamera schon gefühlt an jeder Ecke sehen“, sagt Tanja: „Und es ist einfach schön, die Heimat mit einzubeziehen.“
Diesen regionalen Bezug erlebt das Publikum auch im Film „Wer gräbt den Bestatter ein“, welcher 2022 in den Kinos erschienen ist und jetzt TV-Premiere feiert.
In der Komödie geht es um einen skurrilen Wettstreit zwischen den beiden Dörfern Greisendorf und Neubrunn. Der Auslöser ist die 114-jährige Gaby Gruber, das älteste lebende Stummfilm-Sternchen Deutschlands, die zwischen den beiden Orten wohnt. Jedes Dorf hofft, sie beerdigen zu dürfen, um so touristische Aufmerksamkeit und Ruhm zu erlangen. Doch dann stirbt unerwartet der Bestatter Bartl aus Greisendorf und das Dorf versucht den Tod geheim zu halten. Denn sie wollen nicht, dass die Konkurrenz aus Neubrunn sich damit die Chance auf die prestigeträchtige Gruber-Beerdigung sichert.
Zu sehen sind Darsteller wie Marisa Burger, bekannt aus den Rosenheim Cops, Astrid Polak, David Zimmerschied, oder Uli Bauer (u.a. bekannt als Ude-Double vom Nockherberg). Er spielt in „Wer gräbt den Bestatter ein?“ die Rolle Bartl. Und dann mischt sich auch noch Mike Engel von Mikes Kino in einer kleinen Rolle unter die Schauspielenden. Die TV-Premiere von „Wer gräbt den Bestatter ein“ wird am 7. Juni um 21.45 Uhr im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt.
Weltpremiere von „Bubbles“ beim Filmfest in München
Daumen drücken heißt’s dann am 1. Juli. Der Film „Bubbles“ (Regie: Sebastian Husak), der von den Geschwistern Schmidbauer produziert wurde, feiert seine weltweite Premiere auf dem Filmfest in München.
Darin geht es um zwei in unterschiedlichen Bubbles lebende Pärchen, die ein gemeinsames Wochenende in einer Strandhütte verbringen. Als die gespaltene Urlaubsgemeinschaft unter Druck gerät und sich die ehemals besten Freunde Fiete (Leonard Scheicher) und Luca (Johannes Nussbaum) mit einer Schuld aus der gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, kommt es zur Katastrophe.
„Das ist so eine Geschichte, die können bestimmt viele nachvollziehen“, sagt Andreas Schmidbauer. „Wenn wir auf Freunde aus der Schulzeit treffen, mit denen wir uns auseinandergelebt haben, dann versteht man sich manchmal auch nicht mehr so mit denen, weil jeder doch einen unterschiedlichen Lebensweg eingeschlagen hat.“
Voraussichtlich im Herbst soll Bubbles in die Kinos kommen. Beim Filmfest in München finden die ersten vier Vorstellungen statt. Dort tritt er in der Sektion „Neues deutsches Kino“ gegen weitere Werke an. Unter anderem in den Kategorien „Beste Regie“ oder „Bestes Drehbuch“ werden dann Preise vergeben. „Das kann uns auf alle Fälle helfen, weitere Türen in der Filmbranche zu öffnen“, sagt Tanja Schmidbauer. Denn die beiden haben noch Vieles vor und wollen weiter mit den Filmen wachsen.

