Generationenprojekt
„Mitten im Leben statt abgeschoben“: Jugendliche malen mit Senioren – Maibaumfest als Abschluss
Das Seniorenheim Priental in Aschau hat seit Donnerstag (8.April) einen eigenen Maibaum, mit selbstbemalten Schildern. Dabei hatten die Bewohnerinnen ungewöhnliche Hilfe: Jugendliche von der Franziska-Hager-Schule in Prien. Das sorgte für einen spannenden Austausch zwischen den Generationen.
Prien/Aschau – Aufstellung fürs Gruppenbild unter dem frisch aufgestelltem Maibaum. Eine Bewohnerin des Altenheims hat etwas Probleme, über den nassen Rassen zu gehen. Eine Schülerin greift ihr unter die Arme und stützt sie, bis das Bild geschossen ist. „Genau darauf kommt es doch an, genau deshalb machen wir das“, erzählt Lehrer Johannes Wagner. Auch Sozialpädagogin Birte Andersson, die die Klasse mit Wagner gemeinsam betreut, berichtet von diesen wichtigen Erlebnissen. Auch sie habe häufiger einen Schüler beobachtet, der den Menschen im Seniorenheim öfter geholfen habe.
Zwei Mal haben sich die Jugendlichen der Praxisklasse der Franziska-Hager-Schule in Prien mit Bewohnern aus dem Seniorenheim Priental in Aschau getroffen. Dabei haben alle gemeinsam Schilder für den Maibaum bemalt. Bei einer gemeinsamen Feier mit Leberkas und Spezi stellten zwei Schüler den Baum im Hof des Heims gut sichtbar für alle auf. Das Angebot im Aschauer Pflegeheim war freiwillig für die Bewohnende, Kunsttherapeutin Cristina Repper bietet übers Jahr verteilt viele Möglichkeiten, unter anderem Malkurse und Modeschauen, an.
Praxisklasse der Franziska-Hager-Schule Prien
In der Klasse sind 15 Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahre. „Wir haben Schülerinnen und Schüler, die meistens nur negative Erfahrungen mit der Schule gemacht haben“, erklärt Lehrer Johannes Wagner. In der Klasse werden Inhalte reduziert und sich auf ein paar Dinge konzentriert, um Erfolgserlebnisse zu sammeln. Sozialpädagogin Birte Anderson und Wagner versuchen auch immer wieder, den Jugendlichen verschiedene Berufsfelder näherzubringen. In zwei Jahren werden sie auf eine Abschlussprüfung vorbereitet, die ihnen helfen soll, eine Berufsausbildung zu beginnen. Der Schullalltag begint morgens mit einer kurzen Sporteinheit.
Für Repper sind es beide Seiten, die alten wie die jungen, die vom gemeinsamen Projekt profitieren: „Die älteren sehen, dass wer ins Haus kommt und sich für uns interessiert. Sie sagen sich: ‚Wir sind nicht abgeschoben, wir sind mitten im Leben und leisten etwas.‘“ Das Malen sei so nicht nur ein Zeitvertreib, sondern führe auch zu einem echten Ergebnis, das nun im Garten beobachtet werden kann. „Die Jugendlichen sehen hier, wie ältere Menschen leben, das ist ein wichtiger Aspekt“, findet Repper und freut sich über den Austausch der Generationen. Weitere Projekte sind schon geplant. Repper: „Wir sind eine Gesellschaft und wir müssen einfach mehr miteinander kommunizieren.“
Aber über was haben sich die Schülerinnen und Senioren ausgetauscht? „Über Berufe und welche Hobby die Leute früher hatten“, erzählt eine Schülerin, ein Schüler erinnert sich an Gespräche über Herkunft. Auch das Berufsthema war für ihn wichtig. Eine Bewohnerin fand das Malen ein schönes verbindendes Element: „Wir haben uns hingesetzt und gemalt, so wie früher. Das war schön.“
Die Idee für das gemeinsame Projekt kam laut Repper sogar von einer Bewohnerin, die vorschlug, gemeinsam mit einer Schule Maibaumschilder zu bemalen. Repper schloss sich mit Wagner kurz und schnell waren die gemeinsamen Termine vereinbart. Pädagogin Andersson beobachtet zu Beginn des Projekts bei ihren Schülern „fast noch eine gewisse Angst, wie sie denn in Kontakt treten sollen“. Es wurde aber lockerer und der Austausch war immer angeregter – wenn auch nicht ständig vorhanden.
Natürlich würden sich die Jugendlichen immer freuen, wenn es keinen Unterricht gibt, berichtet die Sozialpädagogin von den ersten Reaktion auf das Projekt. Der Besuch wurde auch vorbereitet und die Schülerinnen konnten vorab Fragen stellen. Beim ersten Besuch sei es dann ein kurzes „Beschnuppern“ gewesen. Und manche können eben besser mit älteren Menschen umgehen als andere. „Wir haben mit den Besuchen sicher Denkprozesse angestoßen“, ist sich Andersson sicher.
Lehrer Wagner hatte nach dem Maibaumfest das Gefühl, dass die Jugendlichen zum ersten Mal so richtig mit dem Thema in Kontakt gekommen sind: „Erstens mit dem Wort: Was ist ein Altenheim? Wie schaut es dort aus? Viele haben auch keine Angehörigen. Allein da mal ins Gespräch zu kommen.“ Ihm war wichtig, „dass einfach die Scheu abgebaut wird, einfach die auch mal Dinge anzusprechen, sich gegenseitig zu helfen. Sein Fazit: „Ich würde es auf jeden Fall immer wieder gerne machen. Eine Kooperation mit dem Altenheim macht absolut Sinn und ist für die Schüler auf jeden Fall gewinnbringend.“ Bei dem einen Schüler oder der anderen Schülerin haben die Pädagogen sogar einen neuen Berufswunsch entdeckt.

