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Oase für verletzte Kinderseelen: Die spannende Vorgeschichte der Mattisburg

Glücksfall für 22 Buben und Mädchen: Der Benediktushof (hinteres Gebäude links) wird in Mitterndorf am Chiemsee zur Mattisburg umgebaut. Ohne Johanna Ruoff (kleines Bild) würde es das Projekt nicht geben.
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Glücksfall für 22 Buben und Mädchen: Der Benediktushof (hinteres Gebäude links) wird in Mitterndorf am Chiemsee zur Mattisburg umgebaut. Ohne Johanna Ruoff (kleines Bild) würde es das Projekt nicht geben.

Verletzte Kinderseelen heilen? Dafür gibt es auf dieser Welt wohl kaum einen besseren Platz als das Chiemsee-Ufer. Dort wird jetzt die Mattisburg gebaut. Ein einzigartiges Projekt mit einer ebenso außergewöhnlichen Vorgeschichte. Auch der Tsunami spielt dabei eine große Rolle.

Rosenheim/Mühldorf – Diese Chronik könnte man in der Tat bis ins Mittelalter zurückdrehen. Schließlich beherbergte das Haus in Mitterndorf (Gemeinde Gstadt), das nun zum therapeutischen Internat umgebaut wird, früher die Klosterschule der Benediktinerinnen-Abtei auf Frauenchiemsee, deren erste Äbtissin, die Selige Irmengard, die Urenkelin Karls des Großen gewesen ist.

Aber so dick muss man gar nicht auftragen. Es reicht ein Blick auf drei Ereignisse in der Neuzeit: 1995 müssen die Schwestern ihr Schulwohnheim in Mitterndorf schließen. 2004 reißt ein Tsunami in Asien Hunderttausende in den Tod. Und 2018 präsentiert das Bundeskriminalamt Zahlen zum Missbrauch von Kindern, die Johanna Ruoff bis ins Mark treffen.

Johanna Ruoff, ehemalige PR-Beraterin (46) aus Hamburg, ist die entscheidende Figur in dieser Geschichte. Als Gründerin und Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Ein Platz für Kinder“ ist sie die treibende Kraft hinter der Mattisburg.

Dem Tsunami entwischt Ruoff 2004 in Südostasien nur knapp. Danach hängt die PR-Expertin ihren Job an den Nagel, hilft Kindern in Not, erst in Asien, dann in Deutschland. Sie gründet „Ein Platz für Kinder“ – eine Stiftung, die nacheinander in Hannover, Hamburg und Halle drei für Buben und Mädchen baut, die Opfer von sexuellem Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung geworden sind.

Selbst von Corona nicht zu stoppen

Auch von Corona lässt sich die Stiftung nicht stoppen. In Halle an der Saale ziehen die ersten Kinder 2020 mitten im Lockdown in ihre neue Mattisburg und haben ihren Spaß mit improvisierten Karaoke-Abenden und Faschingspartys – während draußen der Karneval ausfällt. Auch wenn die Clowns ihre Späße jetzt nur noch via Zoom machen – lustig sind sie trotzdem.

So sind die Mattisburgen, benannt nach der gleichnamigen Burg in Astrid Lindgrens Klassiker „Ronja Räubertochter“, ein Segen für die Kinder.

Doch dann kommt die ernüchternde Kriminalitätsstatistik 2018 – irgendwie auch ein Tsunami des Grauens. Nur zwei Horrorzahlen von vielen: Fast 15 700 Kinder unter 14 Jahren sind 2018 in Deutschland sexuell missbraucht worden, darunter fast 2000 Unter-Sechsjährige. Und tatsächlich waren es viel mehr. Die Dunkelziffer kennt ja niemand.

„Wir brauchen noch viel mehr Mattisburgen“, sagt sich Ruoff – und reist in den Süden, an den Chiemsee. „Es gibt keine heilsamere Umgebung für schwer verletzte Kinderseelen als das ehemalige Schulheim der Abtei Frauenwörth“, versichert sie den Schwestern und Behördenvertretern.

Die Umbauten an der Mattisburg schreiten voran.

Ilse Aigner ist die Schirmherrin

Und so nimmt das Projekt am Chiemsee, das von der Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ unterstützt wird, Formen an. Schon Mitte 2023 sollen die ersten Kinder einziehen. Dann wird sicher auch die Schirmherrin dabei sein: Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Die Spendengelder aus „OVB-Leser zeigen Herz“ fließen in eine bestmögliche Ausstattung der Zimmer in der Mattisburg.

Die Entstehung der Mattisburg im Zeitraffer

Vom Tsunami in Asien bis zum Halbzeitfest am Chiemsee:

1995 – Leere im Benediktus-Hof: In Mitterndorf gehen die Lichter aus. Das Schulwohnheim der Benedektinerinnen schließt. Seit dem frühen 19. Jahrhundert, im Zuge der Säkularisierung, war im Klostergut unterrichtet worden, auf Wunsch des damaligen Bayern-Königs Ludwig I. vor allem Mädchen. So beherbergte das Gut ab 1838 eine Industrieschule, nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Hauswirtschaftsschule, später war es ein Mädchenwohnheim der Berufsschule.

2004 – Tsunami verändert alles: Die Hamburger PR-Journalistin Johanna Ruoff ist Ende Dezember in Singapur und entgeht dem Tsunami nur knapp. Sie verliert Freunde und Bekannte, sammelt Geld für Thailänder Waisenkinder und widmet ihr Leben fortan Kindern in Not.

2005 – „Ein Platz für Kinder“: Zerbrochene Kinderseelen gibt es nicht nur in Asien. Es gibt sie überall. Zurück in Deutschland, gründet Ruoff die Stiftung „Ein Platz für Kinder“. Ziel: diagnostische Schutzhäuser für missbrauchte, misshandelte und traumatisierte Kinder bauen.

2009 – Premiere in Hannover: Die Stiftung „Ein Platz für Kinder“ eröffnet in Hannover ihr erstes Schutzhaus. Sechs Buben und Mädchen finden eine neue Heimat.

2014 – Eine Reise nach Oxford: Ruoff reist erstmals nach Oxford. Dort betreut die Mulberry Bush School seit 1948 traumatisierte Kinder. Individuelle Zuwendung, Geduld und Verständnis sind Säulen des Konzepts, das auch in der 2014 eröffneten Mattisburg Hamburg eine große Rolle spielt.

2018 – 14 400 Kinder in einem Jahr: Immer mehr Jugendamtsanfragen erreichen die Schutzhäuser. Die Wartelisten für einen Platz in einer Mattisburg werden länger. Kein Wunder: Laut Statistik des Bundeskriminalamtes wurden 2018 in Deutschland rund 14 400 Kinder unter 14 Jahren sexuell missbraucht, davon waren rund 1830 unter sechs Jahren. Auf Frauenchiemsee klingelt das Telefon. Ein Anruf aus Hamburg. Johanna Ruoff ist dran, wegen des leerstehenden Hofes in Mitterndorf: „Könnten wir da nicht…“

2019 – Einigkeit auf der Insel: Äbtissin Johanna Mayer muss auf Frauenchiemsee nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Benediktinerinnen sind sich einig und begrüßen das Projekt mit einem einstimmigen Beschluss.

Anfang 2020 – Karaoke und Zoom-Clowns in Halle: Die Mattisburg in Halle (Saale) wird kurz vor Corona offiziell eröffnet, die Kinder kommen dann im Lockdown. Trotz Covid-19 gelingt der Start.

September 2020 – Vertrag ist fix: Jetzt ist es fix. Ruoff und die Äbtissin setzen auf Frauenchiemsee ihre Unterschriften unter den Erbpachtvertrag für den Benediktushof (3300 Quadratmeter Nutzfläche).

Dezember 2020 – Sternstunden: Heimaufsicht, Regierung von Oberbayern und Kreisjugendamt Rosenheim bewerten das Mattisburg-Konzept positiv. Die Bauvoranfrage erhält problemlos die Genehmigung. Die Zuweisung der Kinder erfolgt übers Jugendamt. Die BR-Benefizaktion Sternstunden e.V. fördert das Projekt mit 1,75 Millionen Euro. Es kann also noch 2021 los gehen mit dem Bau des „Therapeutischen Internats Sternstunden Mattisburg am Chiemsee“ – so der volle Name.

Dezember 2021 – Delta-Variante statt Spatenstich am Chiemsee: Die Reden sind geschrieben, die Zugtickets gebucht, der Sekt kaltgestellt. Auch Ilse Aigner will zum feierlichen ersten Spatenstich nach Mitterndorf. kommen. Doch die neue Delta-Variante legt das öffentliche Leben in Bayern erneut lahm. Mit dem Bau wird trotzdem begonnen, auch ohne Tamtam.

Oktober 2022 – Alles im Zeitplan: Die Stiftung lädt zum „Halbzeitfest“ auf die Mattisburg-Baustelle. Es geht voran, alles läuft nach Plan. Schon Mitte 2023 sollen die ersten Kinder zur Ruhe kommen – und in geschichtsträchtiges Haus endlich wieder Leben.

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Diese beiden Spendenkonten sind eingerichtet, die Nummern lauten:

Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling: IBAN DE75 7115 0000 0000 0787 82; BIC BYLADEM1ROS

meine Volksbank Raiffeisenbank eG: IBAN DE78 7116 0000 0008 8499 00; BIC GENODEF1VRR

Hier finden Sie den Zahlschein 2022 zum Ausdrucken.

Die Namen der Spender werden in der gedruckten Tageszeitung veröffentlicht. Wer nicht mit seinem Namen erscheinen will, vermerkt dies bei der Überweisung mit dem Zusatz „Anonym“ oder „Keine Namensnennung“.

Ihre Betroffenenrechte und Datenschutzinfos finden Sie unter www.ovbabo.de/datenschutz.

Bei Beträgen bis zu 300 Euro gilt der Kontoauszug oder Überweisungsbeleg als Spendenquittung für das Finanzamt. Bei höheren Beträgen stellt die OVB Stiftung Spendenquittungen aus. Hierzu muss allerdings eine vollständige Postadresse vorhanden sein.

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