„Ich mag nicht diskutieren“
Zwischen Volltrunkenen und Feierwütigen: Ein Abend mit den „After-Wiesn“-Türstehern der „Lausa“-Bar
Wie viel wird eigentlich nach dem Rosenheimer Herbstfest vor den Bar- und Club-Türen diskutiert? Und wie wird aussortiert, wer reinkommt und wer nicht? OVB-Reporterin Patricia Huber war einen Abend lang vor Ort und ist diesen Fragen auf den Grund gegangen.
Rosenheim – Donnerstagabend (4. September), 22.30 Uhr: In der Kaiserstraße ist es noch verhältnismäßig ruhig. Immer wieder schllendern ein paar Herbstfest-Besucher durch die Straße. Einige haben sich auf dem Weg noch etwas zu essen geholt, andere marschieren zielstrebig in Richtung Taxistand. In der „Lausa“-Bar ist es noch ruhig. Neben den Mitarbeitern sind nur ein paar Gäste zu dieser „frühen“ Stunde schon vor Ort. „Toi, toi, toi – bis jetzt lief alles gut“, sagt Bar-Betreiber Stephan Rech auf Nachfrage, ob es während der Wiesn-Zeit schon zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen ist.
After-Wiesn: Die Gäste kommen schon angestachelt
Dass das bisher so gut lief, dürfte auch an Chris und Giovanni liegen. Die beiden sind Türsteher bei der „Lausa“-Bar. Sie entscheiden, für wen der Herbstfest-Abend noch weitergeht – und wer vielleicht doch lieber den Heimweg antreten sollte. „Die Gäste kommen schon angestachelt“, erklärt Rech. Anders als abseits der Wiesn-Zeit sind die meisten schon angetrunken. Daher benötige man auch eine gewisse „Grundentspannung“ beim Arbeiten. Das gilt auch für Chris und Giovanni, wie sich an diesem Abend schon früh zeigen zeigen wird.
Gegen 23 Uhr marschiert ein älterer Herr mit weißen Haaren und in Tracht zielstrebig auf den Eingang der Bar zu. Kurz vor den Türstehern bleibt er stehen. Sein Gesichtsausdruck ist leer. Er ist offensichtlich betrunken. „Ich mag nicht diskutieren. Lass es doch bleiben, die Diskussion“, sagt er zu Chris in einem lallenden Flüsterton. Der hat allerdings zuvor noch gar nichts zu ihm gesagt. Der Mann schiebt noch ein: „Ich versteh nur Bahnhof“ hinterher. Und so geht es in diesem Moment auch den Türstehern. Schließlich greift eine junge Dame ein, nimmt den Herrn beiseite und versucht herauszufinden, wo er denn hinwolle. Zum Bahnhof wohl. Sie weist ihm den Weg. Ob er dort ankommen wird – fraglich.
„Wo han mia eigentlich? I mecht saufen“
Je später es wird, desto voller wird es auch in der Kaiserstraße. Wenn um 23 Uhr der Rausschmeißer „Angels“ von Robbie Williams durchs Zelt geschallt ist, macht sich das feierwütige Partyvolk auf in Richtung Innenstadt. Zumindest die, die noch wissen, wo sie sind. „Wo han mia eigentlich? I mecht saufen“, sagt ein junger Kerl, der sichtlich ein bisschen zu tief in den Maßkrug geschaut hat.
Allerdings schafft es nicht jeder noch in eine After-Wiesn-Location. Chris und Giovanni sortieren aus. So wie die anderen Türsteher in der Gegend einerseits nach Pegel. Besonders während der Herbstfest-Zeit gibt es allerdings noch ein anderes wichtiges Kriterium: das Outfit. Schlägt eine große Gruppe ohne Tracht vor der Bar auf, sieht es schlecht aus.
Herbstfest: Taschenkontrollen seit Pfefferspray-Vorfall
Schlechte Chancen hat man außerdem auch, wenn man mit der „Weg-Brotzeit“ an der Tür aufschlägt. Der tropfende Döner oder die fettigen Frühlingsrollen machen sich einfach nicht gut in einer Bar. Daher heißt es: Erst futtern, dann feiern. Gegen 23.15 Uhr strömen immer wieder Pärchen und Grüppchen in die „Lausa“. Da kann es seit vergangenem Samstag am Einlass auch mal ein paar Sekunden länger dauern. Denn am ersten Wiesn-Samstag wurde in der „Onebar“ Pfefferspray versprüht, was zu einer Räumung des Lokals geführt hatte. Um solche Situationen möglichst zu vermeiden, werden Chris und Giovanni nun einen kurzen Blick in die Handtäschchen der Damen. „In der Regel fehlt sich da eh nichts“, sagt Chris.
Üblicherweise tragen die meisten Frauen ohnehin nur das Nötigste wie Geld, Handy, Schlüssel – und vielleicht ein paar Blasenpflaster – bei sich. Als zwei ältere Damen „nur mal reinschauen“ wollen, die Türsteher aber nicht in die Tasche schauen lassen wollen, werden sie wieder weggeschickt – zu ihrem Unverständnis.
Es sind allerdings nicht nur die Handtaschen, auf die die beiden Türsteher ein Auge werfen. Auch die Lederhosen der Männer werden begutachtet. Schließlich sehen diese in der Regel auch noch eine Tasche für einen Hirschfänger vor. „Es gibt tatsächlich noch einige, die wirklich ein Messer dran haben“, erzählt Giovanni. Dass Klingen auch auf dem Herbstfest nicht dabei sein sollten, scheint viele nicht zu stören. Auch mit Imitaten kommt man an den beiden nicht vorbei. Wer kein Messer, sondern etwa einen Flaschenöffner oder einen Kamm, am Ende des Hirschorns hat, muss das Accessoire am Eingang hinterlassen und kann es beim Verlassen wieder abholen.
Unverständnis und Bekanntschaften mit Säulen
Doch damit ist es noch nicht getan mit der Arbeit der Türsteher. Der eine oder andere muss seinen Ausweis vorzeigen. Dabei ist es nun egal, ob man einen der Türsteher kennt, mit ihm verwandt oder verschwägert ist. Wer unter 18 ist, kommt nicht rein. Die Frage nach dem Ausweis führt immer mal wieder zu genervten Reaktionen, berichtet Giovanni. „Die fragen dann immer, warum sie den jetzt zeigen müssten, und ob sie so jung aussähen.“ Doch da gibt es keine Ausnahmen.
Einige Gäste bleiben länger, andere gehen – oder besser gesagt taumeln – zeitnah wieder aus der Bar hinaus. Der ein oder andere macht sogar noch eine Bekanntschaft beim Verlassen der Bar. Und zwar mit der Säule neben dem Ausgang, die mit alkoholbedingter Schlagseite gerne mal touchiert wird. „Das passiert regelmäßig“, sagt Chris und lacht.



