Stadt zieht erste Bilanz
Top oder Flop? Wie sich die Westtangente auf Kolbermoors Innenstadt auswirkt
Seit über einem Jahr rollt der Verkehr auf dem Mittelstück der Westtangente. Das staatliche Bauamt gab sich zuletzt zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Doch wie wird der veränderte Verkehr in Kolbermoor wahrgenommen? So fällt die bisherige Bilanz aus.
Kolbermoor – Vor mehr als einem Jahr konnte das Staatliche Bauamt Rosenheim das Mittelstück der Westtangente Rosenheim freigeben. Seitdem rollt der Verkehr auf dem Großteil der Bundesstraße. Kürzlich zog die Baubehörde deshalb auch eine erste Bilanz, die durchaus positiv ausfiel. Doch wie wird die Entwicklung in Kolbermoor wahrgenommen? Ist die Anbindung für die Stadt ein Gewinn oder sieht man den Ausbau kritischer?
Bernhard Gehrmann, Projektleiter der Westtangente Rosenheim beim Staatlichen Bauamt, sprach jedenfalls vorab mit Blick auf die Entwicklung der Verkehrszahlen von einem „wirklich guten Zwischenstand“ für den Autoverkehr. Die Westtangente werde von den Verkehrsteilnehmern in der Region sehr gut angenommen. Und trotz des hohen Verkehrsaufkommens sei die neue Strecke bezogen auf das Unfallgeschehen bislang unauffällig. Laut Gehrmann würden dank der Teilverkehrsfreigabe bereits rund 10.000 Fahrzeuge weniger auf den parallel laufenden Straßen durch die Rosenheimer und die Kolbermoorer Innenstadt unterwegs sein, was durch Verkehrsmessungen überprüft worden sei.
Kolbermoors positives Fazit
Und tatsächlich fällt auch das Fazit aus Kolbermoorer Sicht „durchweg positiv“ aus. Auf OVB-Anfrage teilte Christian Poitsch, Leiter des Kolbermoorer Stadtmarketings, mit, dass die Möglichkeit der direkten Anbindung nach Norden und vor allem nach Süden zur Autobahn durchaus hilfreich sei. Dies „hat zu kürzen Strecken und weniger Verkehrsbewegungen durch die Innenstadt geführt“, erklärte Poitsch.
Möglicherweise noch etwas weiter gearbeitet werden müsse dagegen an den beiden Zu- und Abfahrten, spricht er das „Thema Optimierung der Ampelschaltungen“ an. Ganz ähnlich sieht es das Staatliche Bauamt, wonach es „an der ein oder anderen Stelle noch Nachbesserungsbedarf“ gebe. Als Beispiel wird hier die Anschlussstelle im Aicherpark genannt. „An dieser Stelle läuft die Ampelschaltung noch nicht so optimal, wie wir uns das vorstellen“, erklärte Gehrmann zuletzt. Hier versuche man derzeit mit der Fachabteilung Verbesserungen zu erzielen.
Hoffen auf Sperrung für „Schwerlast-Durchgangsverkehr“
Klar sei aus Sicht der Behörde auch, dass die größte verkehrliche Wirkung erst im kommenden Jahr erwartet werden kann, wenn die gesamte Westtangente „unter Verkehr genommen“ werde. Dann nämlich müssten auch größere Lkw nicht mehr durch die Innenstadt von Rosenheim oder mitten durch die angrenzenden Kommunen fahren. Dem blickt man auch seitens der Stadt Kolbermoor erwartungsfroh entgegen. „Mit der gänzlichen Eröffnung Richtung Norden im nächsten Jahr wird vermutlich nochmals eine Verbesserung eintreten“, sagt Poitsch.
Speziell für Kolbermoor hoffe man, „dass mit der Fertigstellung der gesamten Westtangente unser Wunsch, die Innenstadt (Carl-Jordan-Straße/Rosenheimer Straße) für den Schwerlast-Durchgangsverkehr sperren zu dürfen, in greifbare Nähe rückt“.
Damit die gesamte Westtangente im Herbst 2025 fertiggestellt werden kann, laufen derzeit die Arbeiten im letzten Bauabschnitt zwischen der Anschlussstelle der RO 19 und der Anschlussstelle zur St 2080. Wie bereits berichtet ist das Schlüsselbauwerk in diesem Bauabschnitt die Eisenbahnüberführung bei Wernhardsberg. Mit dem Einschub der beiden je rund 350 Tonnen schweren Brückenhälften und dem Anschluss an die bestehenden Bahngleise soll laut dem Staatlichen Bauamt Rosenheim der entscheidende Meilenstein erreicht werden.