Nach der Flut von 2020 und 2024
Mehr Sicherheit für Achenmühle: Es gibt nur einen Weg, den Tauerner Graben zu bändigen
Die Flut kam plötzlich. Binnen zehn Minuten war Achenmühle überschwemmt. Erst 2020, dann 2024. Die Wassermassen wälzten sich über Bäche, Straßen und Wiesen in die Siedlungen. Jetzt ist klar: Es gibt nur eine Lösung, um den Tauerner Graben zu bändigen. Das sind die Pläne.
Achenmühle – Vor einem Jahr haben Weißbach und Tauerner Graben auf ihrem Weg vom Samerberg ins Tal enorme Schäden angerichtet. Erosionen, unterspülte Böschungen, umgestürzte Bäume, überflutete Grundstücke. Eine Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll wälzte sich durch die Austraßen-Siedlung zur Rohrdorfer Achen. Zum zweiten Mal in vier Jahren. Wieder hinterließ das Wasser in der Siedlung tiefe Spuren, schürfte Bankette aus, schob Kies und Geröll vor sich her, überflutete Gärten, Keller und Garagen.
Achenmühle erlebt zwei Jahrhundertfluten in vier Jahren




Erst seit 2020 auf dem Hochwasserradar
Bis 2020 war das Gebiet noch gar nicht auf dem Hochwassergefährdungsradar. Doch nach der Überschwemmung von 2020 hatte Achenmühle Priorität. Das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim begann mit Vermessungen und hydrologischen Berechnungen. Die Erfahrungen der Bürger flossen ein.
Am 8. Juni 2024 gab es grünes Licht für die Planung und Finanzierung des Hochwasserschutzprojektes. Einen Monat später war ein erfahrenes Ingenieurbüro mit den Planungen für das Einzugsgebiet der Rohrdorfer Achen beauftragt. Jetzt ist die Entwurfsplanung fertig. Jetzt steht fest: Der Tauerner Graben muss verlegt werden.
Das Problem in Achenmühle sind vor allem die Wassermassen, die Weißbach und Tauerner Graben aus dem steilen Einzugsgebiet der Hochries mitbringen. Deshalb haben die Planer auch den Bau und mögliche Standorte von Rückhaltebecken geprüft: bei Graben, Thal und Daxa. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass sich die Topografie dafür nicht eignet. Im steilen Gelände müssten riesige Becken mit Längen von etwa 500 Metern und bis zu 20 Meter hohen Dämmen gebaut werden. Im flachen Bereich bei Daxa fehlt der Platz für große Hochwasserrückhaltebecken.
Nadelöhr an der Frasdorfer Straße
Doch das eigentliche Problem in Achenmühle ist das Nadelöhr an der Frasdorfer Straße. Der Durchlass ist auch ohne Verklausungen viel zu eng. Dadurch entsteht bei Starkregen ein Rückstau, der Tauerner Graben breitet sich auf den Wiesen aus, überflutet die Frasdorfer Straße, wälzt sich durch die Austraßen-Siedlung und sucht sich seinen Weg zur Ache.
Der Neubau der Brücke an der Frasdorfer Straße mit Erweiterung des Durchlass-Querschnitts war eine Variante, die untersucht wurde. Auch die Verlegung von zusätzlichen Bypass-Rohren unter der Straße wurde geprüft, um im Hochwasserfall das Wasser von den Wiesen im Süden unter der Frasdorfer Straße hindurch kontrolliert in die Bachläufe im Norden zu leiten. Doch die Berechnungen zeigten: Vor und nach der Brücke wäre es bei einem hundertjährlichen Hochwasser trotzdem zu Ausuferungen gekommen. „Wir hätten damit nur eine Gewässer-Leistungsfähigkeit von 30 Kubikmetern pro Sekunde erreicht, brauchen aber mindestens 50 Kubikmeter pro Sekunde“, erläutert Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt.
Hinzu kommt, dass die Frasdorfer Straße eine Umleitungsstrecke für die Autobahn A8 ist. „Wir können die Straße also nicht einfach komplett sperren, sondern müssten für die Zeit der Bauarbeiten eine Behelfsbrücke errichten“, so Roch. Ein kosten- und zeitintensives Modell. Nun haben Ingenieurbüro und Wasserwirtschaftsamt den Achenmühler Bürgern neue Pläne vorgestellt: Etwa 70 Meter westlich der bestehenden soll eine neue Brücke im Trockenen gebaut werden.
Neue Brücke wird im Trockenen gebaut
Das bedeutet: Der Verkehr wird in dieser Zeit über eine Ausweichtrasse über die Wiese im Süden an der Baustelle vorbeigeführt. Erst wenn der neue Durchlass fertig ist, wird das Bachbett des Tauerner Grabens ab der Brücke am Weißbachweg über die Wiese zur neuen Brücke verlegt und auf der nördlichen Seite der Straße bis zur Einmündung des Schneiderbachs geführt. Damit rückt er etwa 60 bis 70 Meter von der Bebauung an Frasdorfer Straße und Weißbachweg weg und damit verringert sich auch für die Anwohner das Hochwasserrisiko.
Bei der Gewässerverlegung wird auch der Abflussquerschnitt des Tauerner Grabens erweitert, damit er ein hundertjährliches Hochwasser abführen kann. Der neue Bachlauf soll im oberen Bereich am Weißbachweg so gestaltet werden, dass er zum aktiven Erholungsort werden kann. Angedacht sind flache Böschungen, Kiesbänke und Gumpen sowie gewässerbegleitende Gehölze. Mit dem Aushubmaterial des neuen Bachbettes wird schließlich der stillgelegte, alte Bachlauf verfüllt. Nach Abschluss der Bauarbeiten steht der gesamte Bereich der Natur und der Landwirtschaft wieder zur Verfügung.
Bauarbeiten sollen 2027 starten
Die Entwurfsplanung ist fertig und wurde den Bürgern von Achenmühle vorgestellt. Bis Oktober sollen Entwurfsplanung und Baugrunduntersuchungen abgeschlossen sein. Parallel dazu führt die Gemeinde Verhandlungen mit den Eigentümern der Grundstücke, die für den Hochwasserschutz von Achenmühle gebraucht werden. Genehmigungsplanungen und Wasserrechtsverfahren werden voraussichtlich bis Ende 2026 dauern. Wenn alles planmäßig läuft, könnte der Hochwasserschutz für Achenmühle ab 2027 umgesetzt werden. Das Projekt kostet etwa fünf Millionen Euro.



