Wieder Ärger um Flüchtlingsunterkunft
Brandschutz „grob fahrlässig“? Das sagt das Landratsamt zum neuen Vorwurf von „Rott rottiert“
Die Bürgerinitiative „Rott rottiert“ geht erneut mit Vorwürfen gegenüber dem Landratsamt in die Offensive. Diesmal geht es um den Brandschutz in der Flüchtlingsunterkunft, in der bald die ersten Bewohner erwartet werden. Und auch Sicherheitspersonal rund um die Uhr vor Ort sein wird.
Rott am Inn – Die Bürgerinitiative (BI) „Rott rottiert“ erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen das Landratsamt Rosenheim. Diesmal geht es um den Brandschutz für die Flüchtlingsunterkunft, in die demnächst die ersten von bis zu 270 Bewohnern einziehen sollen.
Die Alarmierung im Fall eines Feuers erfolge laut Brandschutzgutachten ausschließlich über Mobiltelefone, so die BI. Ein Umstand, der angesichts der jüngsten Ereignisse „erschreckend“ sei. Zwei Tage lang, am 9. und 10. Juli, war die Region nach Angaben der BI ohne Internet- und ohne Mobilfunkverbindung. „Wäre in dieser Zeit ein Brand in der Unterkunft ausgebrochen, hätte niemand Hilfe rufen können“, ist „Rott rottiert“ überzeugt.
Landratsamt soll nachbessern
Die Bürgerinitiative sieht das Landratsamt in der Pflicht, nachzubessern. Dass die Einrichtung mit vielen Schutzbedürftigen und Mitarbeitenden kein unabhängiges, sicheres Notrufsystem besitze, sei „grob fahrlässig“. „Wenn schon im Gutachten steht, dass alles vom Mobilnetz abhängt, dann ist das in einem Funkloch eine Katastrophe mit Ansage“, heißt es von Seiten der Initiative.
Sie fordert in einer Pressemitteilung die sofortige Installation eines unabhängigen, redundanten Alarmsystems, etwa eine Brandmeldeanlage mit direkter Aufschaltung zur Leitstelle. Solange keine verlässliche Notrufmöglichkeit vorhanden sei, müsse das Landratsamt auf Belegung der Unterkunft verzichten.
Von einem „lückenhaften Brandschutz“ hatte auch der Anwalt der Gemeinde gesprochen, nachdem der Eilantrag der Gemeinde gegen die Erstaufnahme-Einrichtung vom Verwaltungsgericht München abgelehnt worden war.
Das sagt das Landratsamt
Das Landratsamt Rosenheim teilt dazu auf Anfrage mit, am 9. und 10. Juli seien im Bereich Rott, so der Informationsstand der Behörde, nur Kunden der Telekom betroffen gewesen. Ob es auch in den Netzen von Vodafone und O2 Probleme gegeben habe, sei dem Landratsamt nicht bekannt.
Im Fall eines Brands werde folgendermaßen vorgegangen: Der Hausalarm alarmiere mit einem Warnton alle Personen im Gebäude. „Unser Sicherheitsdienst, der 24 Stunden am Tag vor Ort ist, übernimmt dann die Weiterleitung der Brandmeldung an die zuständigen Behörden, um eine schnelle und effektive Reaktion zu gewährleisten. Das entspricht der Forderung des vorbeugenden baulichen Brandschutzes und ist ein übliches und bewährtes System.“ Ein Notruf sei unabhängig vom Netzbetreiber möglich, insofern eines der Mobilfunknetze erreichbar sei. Das gelte für die Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes sowie auch für alle anderen Bürgerinnen und Bürger.
Zur Forderung der BI nach einer Brandmeldeanlage mit direkter Aufschaltung zur Leitstelle teilt das Landratsamt mit: „Der vorgesehene Brandschutz entspricht den Forderungen des vorbeugenden baulichen Brandschutzes und der Baugenehmigung und ist ausreichend. Die Weiterleitung einer Brandmeldung erfolgt über das Sicherheitspersonal, welches im Gegensatz zu allen anderen Gebäuden in Rott 24/7/365 vor Ort ist, und bewusst nicht über die Hausalarmanlage, um Fehlalarme zu vermeiden. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass auch eine Brandmeldeanlage mit einer direkten Aufschaltung zur Leitstelle im Falle eines kompletten Netzausfalls nicht funktionieren würde.“