Radweg-Blockade wegen Abrissbescheid
„Bürokratie ist nur Schikane“ – Unverständnis bei Streit um Schwarzbau-Stadl in Großkarolinenfeld
Ein Stadl, das vor 15 Jahren gebaut wurde, sorgt jetzt für Aufruhr in Großkarolinenfeld und Umgebung. Der Stadl soll abgerissen werden. Seine Besitzerin hat aus Protest einen beliebten Fußgänger- und Radweg mit Betonblöcken blockiert. Es herrscht Unverständnis.
Großkarolinenfeld – Mit dem Fahrrad von Großkarolinenfeld nach Kolbermoor – die kleinen weißen Wegweiser zeigen geradeaus, in den Wald. Doch da geht es nicht weiter. Große Betonblöcke versperren den Weg. Ein Schild weist auf die verbotene Durchfahrt hin und den Grund dafür. Die Grundstückbesitzerin ist im Streit mit dem Landratsamt Rosenheim.
Vor dieser Blockade steht Theresa aus Bad Aibling. Mit ihrem vollen Namen möchte sie nicht genannt werden. Sie nutzt den regenfreien Morgen, um eine Runde Joggen zu gehen. Sie macht gerne eine Tour von Bad Aibling nach Großkarolinenfeld über Kolbermoor und dann zurück nach Bad Aibling. „Ich genieße die Ruhe hier im Wald. Am Weg entlang fließt ein Bach, das finde ich sehr schön“, begründet die Aiblingerin ihrer Laufroute. Doch der Weg ist blockiert von Betonblöcken.
Warum weiß sie nicht. Max aus Rosenheim weiß das schon. Der ältere Herr ist extra mit seinem roten E-Bike hergekommen, um sich die Blockade auf der Lichtung im Wald anzuschauen. Er kennt die blockierte Strecke von Großkarolinenfeld nach Kolbermoor und nutzt sie selbst manchmal. Zu den Hintergründen der Blockade sagt er: „Die Frau hat recht!“
„Die Frau“ ist Monika Engl. Ihr gehört der Stadl, das jetzt abgerissen werden soll. Sie hat auch die Betonblöcke aufgestellt, welche jetzt den beliebten Fußgänger- und Radweg blockieren. Ein Resultat eines jahrelangen Streits zwischen ihr und dem Landratsamt Rosenheim. Begonnen hat er vor zehn Jahren. Damals hat das Landratsamt mitbekommen, dass Engl ein heruntergekommenes Stadl ohne Baugenehmigung durch ein neues ersetzt hat. Wie das Amt das mitbekommen hat, kann sich Engl nach eigener Aussage gegenüber dem OVB nicht erklären.
Nach Aussagen des Kreisbaumeisters Rupert Seeholzer gegenüber dem OVB gibt es keine Alternative zu dem bevorstehenden Abriss. Engl hatte sich gerichtlich gewehrt und auch Landrat Otto Lederer aufgesucht. Das hat alles nichts geholfen. Als Reaktion auf den Abrissbescheid stellte Engl die Betonblockade auf. Schließlich gehört das Grundstück zum Familienunternehmen Engl Bagger-Furbetrieb & Recycling GmbH. Ein Zeichen gegen das Landratsamt. Doch direkt betroffen sind Leute wie Theresa und Max.
Ein Umweg über mehrere Kilometer
Doch Max sieht kein Problem. Genauso wenig wie mit dem Stadl von Frau Engl: „Wen stört dieses Stadl? Die lagern da ein bisschen Holz. Diese Bürokratie ist nur Schikane“, sagt er entschlossen zu dem Thema. Ähnlich sehen das auch zwei Joggerinnen. Sonja und Kathrin aus Kolbermoor klettern einfach um die Barrikade herum. Schließlich steht auf dem Schild nur Durchfahrt und nicht Durchgang verboten. Für die beiden ist es der kürzeste Weg von Kolbermoor nach Großkarolinenfeld. „Ohne den muss man ein paar Kilometer an der Straße lang. Mit dem Fahrrad geht das, aber beim Joggen ist das nichts“, erklärt Kathrin.
Auch sie sieht in der Bürokratie ein Problem und versteht die Seite des Landratsamts nicht. Dieses hält einen Abriss für nötig. Laut Kreisbaumeister Seeholzer ist auch eine nachträgliche Legalisierung in diesem Fall nicht möglich, da der Stadl in der Filze liegt. Er nennt das einen „sensiblen Bereich“. Fahrradfahrer Max sieht den Naturschutz nicht als ausreichenden Grund für den Abriss an. „Das Unternehmen Engl zahlt einen Haufen Steuern und jetzt sollen sie den Stadl im Nirgendwo abreißen, wo es niemand stört“, erklärt er.
Jogger Daniel aus Kolbermoor wiederum hat von dem Ganzen nichts mitbekommen. „Auf einmal stand dieser Betonblock auf meiner Laufstrecke“, sagt der Jogger. Er kennt den Weg. Hier sind laut ihm viele Radfahrer und Fußgänger unterwegs. Allerdings lässt er sich von der Blockade nicht aufhalten: Sein Joggen wird nur kurz zum Hindernislauf.
Auch die Betonblöcke sollen weg
Wie lange die Blockade noch stehen bleibt, weiß keiner genau. Das Landratsamt hat in Persona von Kreisbaumeister Seeholzer angekündigt, dass die Grundstücksbesitzerin die Sperrung wieder entfernen muss. Denn es handelt sich laut Seeholzer um „eine bauliche Anlage, die so in der freien Natur überhaupt nicht zulässig ist.“ Vor drei Tagen kündigte der Kreisbaumeister eine Anhörung an, die bereits in Vorbereitung sei. Eine OVB-Anfrage zum aktuellen Stand liegt bei Seeholzer und dem Landratsamt Rosenheim vor.



