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„Landschule“ fit machen für Generationen

Wer soll das bezahlen? Ganztagsschule der Zukunft kostet Bernau 24 Millionen Euro

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (Bernau am Chiemsee) mit leeren Portemonnaie vor der veralteten Grundschule
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"Greifen Sie mal ‘nem nackten Mann in die Hosentasche“, dieser Spruch kam in den 1920er Jahren in Berlin auf. Irene Biebl-Daiber, Bernaus Bürgermeisterin, kann ihn gut nachvollziehen: Knapp 25 Millionen Euro muss die Gemeinde für die Erweiterung und den Umbau der Grundschule ausgeben. Das Geld hat die Gemeinde nicht auf der hohen Kante.

Die Schule ist tot. Es lebe der Lernort. Ganztags. So will es der Bund. Bernau kostet das 24 Millionen Euro.

Bernau – „Das ist das größte Projekt, das wir je stemmen dürfen – oder müssen.“ Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber war sich da noch so ganz sicher. Eines aber ist sicher: Umbau und Erweiterung der Bernauer Schule sind zum einen dringend nötig und zum anderen richtig teuer.

Die Grundschule platzt aus allen Nähten. Eine Aula gibt es nicht mehr. Dort werden zwei Klassen unterrichtet. Schon allein deswegen wäre eine Erweiterung der Schule nötig.

Hinzu kommt, dass ab nächstem Schuljahr der Anspruch auf einen Ganztagsplatz besteht. Beginnend mit den Erstklässlern. In den Folgejahren kommen jeweils die jüngsten dazu, bis alle vier Jahrgangsstufen Ganztagsplätze haben. So will es die Bundespolitik.

Die Folge: Es müssen zusätzliche Räume entstehen. Für mehr Kinder, die mittags essen. Für mehr Kinder, die den Nachmittag in der Schule verbringen. Gleich, ob im klassischen Unterricht oder bei Angeboten der offenen Ganztagsschule.

Wenn sich dann noch Schulleitung und Lehrkräfte einig sind, dass der Frontalunterricht passé ist, die Kinder sich Lerninhalte verstärkt selbst erarbeiten – ob einzeln oder in Gruppen –, dann ist das auch die Abkehr von den traditionellen Klassenzimmern. Dann werden Lernlandschaften gebraucht. Mit einer möglichst angenehmen Atmosphäre. Schließlich verbringen die Sechs- bis Zehnjährigen dort den Großteil des Tages.

Als erste Gemeinde im Landkreis hat dieses in München entstandene Konzept die Gemeinde Stephanskirchen mit Schuljahresbeginn 2023 an der runderneuerten und erweiterten Otfried-Preußler-Grundschule umgesetzt. Nun zieht Bernau nach, auch die Stadt Wasserburg und andere Kommunen planen ihre sanierungsreifen oder zu klein gewordenen Grundschulen entsprechend.

Architektin plant mit Schulteam

Architektin Andrea Sommersberger hat sich mit Rektorin Petra Henz und ihrem Schulteam kurz geschlossen, welche räumlichen Voraussetzungen eine moderne Schule, ein ganztägiger Lernort, hat. Und sie hat ein entsprechendes Raumkonzept erarbeitet. Mit so wenig Eingriffen in die bestehende Bausubstanz wie nötig. „Das Schulgebäude muss mit der Entwicklung mitgehen. Das kann diese Schule aus den 60er Jahren nicht mehr“, hielt Petra Henz jüngst in der Gemeinderatssitzung fest.

Die großen Klassenzimmer, die gehören der Vergangenheit an. Was bei dem einen oder anderen Mitglied des Gemeinderates doch ein wenig Wehmut hervorrief. Sie werden aber nicht mehr gebraucht. Nebenräume und offene Flächen in den einzelnen Stockwerken erlauben mehr Gruppenarbeit und bieten einem Kind auch mal eine gerade dringend benötigte Rückzugsmöglichkeit.

Dreizügigkeit von Regierung von Oberbayern anerkannt

Die ersten und zweiten Klassen sollen sich künftig ein Stockwerk teilen, die dritten und vierten ein weiteres. Ausgelegt wird die Bernauer Grundschule fortan auf drei Klassen je Jahrgangsstufe, die entsprechende Anerkennung der Dreizügigkeit hat die Gemeinde von der Regierung von Oberbayern schon erhalten.

Herausforderung für die Architektin

Die größte Herausforderung für die Architektin: die Grundstücksgröße. Die Schule ist ringsum von Gebäuden umgeben, kann sich nicht beliebig ausbreiten. Es werden aber Räume für vier Klassen mehr gebraucht, die Mittagsbetreuung muss untergebracht sein und eine Kleinsporthalle ist auch gewünscht.

Die Doppelstunden Sport finden in der Mehrzweckhalle statt. Das funktioniert aber bei den einzelnen Sportstunden nicht, dafür sind die 45 Minuten zu knapp. Hinzu kommt: Auch nachmittags sollen sich die Kinder bewegen können – und das ist draußen nicht immer möglich. Sommersberger fand eine Lösung. Die es sogar erlaubt, die Sporthalle erst später zu bauen. „Gut durchdacht, weitsichtig geplant. Das hält hoffentlich für Jahrzehnte“, kommentierte Franz Schnaiter (CSU).

Zehn Millionen Euro Fördermittel

Kostenpunkt für Bernaus Schule der Zukunft: Rund 24 Millionen Euro, sagt Sommersberger. „All inclusive“, also mit Planungskosten, Grünanlagen, Sporthalle, neuer Aula und Barrierefreiheit. Etwa zehn Millionen Euro Förderung sind laut Sommersberger möglich. Und wenn der erste Bauabschnitt bis Ende 2027 fertig ist, dann sind laut Sommersberger noch weitere 1,5 Millionen plus an Fördergeldern möglich. Gerhard Jell (CSU) gab den Startschuss: „Pack mas o!“

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