Mögliche Sichtung am Rinssee
Treibt sich ein Bär bei Prutting rum? Nächtliche Begegnung sorgt für Aufsehen – das steckt dahinter
In der Nacht auf Sonntag (6. Juli) soll ein Bär in der Region Rosenheim gesehen worden sein. Allerdings nicht in den Bergen oder im Inntal, sondern bei Prutting am Rinssee. Wie es zu der mutmaßlichen Begegnung kam und wie Jäger und Menschen vor Ort die Beobachtung einschätzen.
Prutting – Diese Heimfahrt werden die drei Wasserburger so schnell nicht vergessen. Die Gruppe war am späten Samstagabend (5. Juli) mit dem Auto auf der Straße zwischen Prutting und Söchtenau unterwegs. Plötzlich tauchte – kurz vor der Abzweigung zum Badeplatz am Rinssee – im Scheinwerferlicht eine Gestalt auf der linken Straßenseite auf. „Die bewegte sich relativ schnell, ich dachte zuerst an einen Hasen oder ein Reh“, sagt Thomas V., der das Auto gefahren ist. Umso näher er an das Tier herankam, umso größer wurde es allerdings.
Wasserburger sind von Bären-Sichtung bei Prutting überzeugt
Spätestens als V. das Wesen überholte, sei für ihn klar gewesen: „Das war ein Bär“, betont er am Telefon. Da sei er sich auch sehr sicher. Obwohl „alles schnell gegangen ist“ und er das Tier maximal fünf oder sechs Sekunden gesehen habe. Zeit, den Bären zu erkennen, sei dennoch genug gewesen, da er nur ungefähr 60 oder 70 km/h auf dem Tacho hatte. Der Bär habe beim Vorbeifahren auch nicht angehalten oder sich umgedreht, sondern sei im hohen Tempo einfach weitergelaufen.
Bestätigen will seine Beobachtung eine Freundin von ihm, die hinten im Auto saß und lieber anonym bleiben möchte. „Gegen 23.45 Uhr zog Thomas das Auto urplötzlich nach rechts“, erinnert sie sich. Als sie nach links zum Fenster hinausblickte, habe sie „etwas mittelbraunes“ entlang laufen gesehen. Sofort habe sie sich umgedreht und durch das Heckfenster „nur noch die hintere Körperhälfte eines ziemlich massigen Tieres“ erkannt, das zwischen den Bäumen verschwand.
Keine Risse, Spuren oder Fotos auf Wildkameras
Die Frau will den Bären anhand seines Hinterteils erkannt haben. Im Vergleich zu den buschigen Ruten eines großen Hundes, habe Meister Petz nur einen kurzen, schwanzartigen Stummel am Körperende. Auch Thomas V. glaubt nicht an einen Hund oder ein anderes Tier. „Das hat sich so bewegt, wie Bären typischerweise laufen“, sagt er. V. schätze, dass das Tier ungefähr rund einen Meter hoch und mindestens 1,50 Meter breit war.
Ob tatsächlich ein Bär in den Wäldern um Rinssee, Hofstätter See und Simssee umherstreift, wird aber wohl erstmal ein Geheimnis bleiben. Denn ansonsten sei in dem Gebiet bisher alles ruhig, sagt ein Jäger aus dem Bereich. Ihm seien weder Risse noch andere Hinweise auf die Anwesenheit des großen Beutegreifers aufgefallen. Auch auf den Wildkameras sei nichts Verdächtiges zu erkennen gewesen. Der Jäger sei – so wie jeden Tag – am Samstag (5. Juli) in dem Bereich bis spätabends selbst unterwegs. „Da war nichts, auch die Rehe sind alle normal auf der Wiese gestanden“, sagt er.
Zuständiger Jäger macht keine auffälligen Beobachtungen
Der Jäger könne sich vorstellen, dass die Wasserburger stattdessen einen großen Schäferhund gesehen haben, der dort manchmal herumläuft. Allerdings – auch das betont er – passe es nicht ganz ins Bild, dass der Hund so spät in der Nacht noch alleine unterwegs war. Dennoch glaube der Jäger nicht, dass die Wasserburger einen Bären gesehen haben.
Herumgesprochen hat sich am Rinssee jedenfalls noch nicht, dass ein Raubtier umherwandert. Das kann auch eine Frau bestätigen, die dort mehrere Pferdekoppeln hat. „Die Pferde waren nicht auffällig unruhig in den vergangenen Tagen“, sagt die Reittrainerin. Unmittelbar in der Nähe der Stelle, wo der Bär vorbeigelaufen sein soll, habe sie eine kleine Ponyherde mit sechs oder sieben Isländern auf der Wiese stehen. „Die waren jetzt immer ganz normal“, sagt die Frau. Sie selbst sei am Samstag (5. Juli) gegen 22 Uhr mit den Hunden noch draußen gewesen, bemerkt habe sich nichts.
Keine Spur aus Österreich
Wenn aber doch ein Bär ganz in ihrer Nähe unterwegs war, muss sich dieser unbemerkt an den Rinssee geschlichen haben – ohne auch nur die kleinste Spur zu hinterlassen. Bei der Jägervereinigung Rosenheim sei bislang gar kein Hinweis eingegangen. „Bei uns hat keiner von einem Bären gehört“, sagt Lorenz Thum, zweiter Vorsitzender des Vereins. Er habe sich erst vor ein paar Tagen mit den Kollegen, die in den Bergen zuständig sind, unterhalten und ein Bär in der Region habe nicht zu den Gesprächsthemen gehört.
Gleiches ist von der anderen Seite der Grenze zu hören. „Hinweise auf Bärentätigkeiten im unteren Inntal haben wir schon länger nicht mehr gehabt“, sagt ein Sprecher des Landes Tirol, der für das Monitoring von Bär und Wolf zuständig ist, auf OVB-Anfrage. Die letzten gesicherten Bärennachweise stammen aus dem Mai und der Gegend um das Ötztal im oberen Inntal. Ob sich das Tier Richtung Kufstein oder Bayern aufgemacht hat, sei nicht anzuschließen, eine belegbare Spur dorthin habe er nicht hinterlassen.
Letzter Nachweis in Bayern liegt Jahre zurück
Die letzte Spur, die der Bär in Bayern hinterlassen hat, stammt immer noch aus dem Jahr 2023 – ein Fotonachweis im Oberallgäu. Seither ist es ruhig. Auf OVB-Anfrage bestätigt das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), dass es auch 2025 keinen Hinweis auf einen Bären im Landkreis Rosenheim bislang gab. Allerdings wolle sich die Behörde „zeitnah“ mit den Informationen und der Beobachtung der Wasserburger auseinandersetzen, falls sich diese melden.

