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Staffellauf über 400 Kilometer

Leben ohne Augenlicht: So lief die blinde Renate Hundsberger aus Bad Endorf an den Gardasee

Von Rosenheim nach Lazise: Die blinde Läuferin Renate Hundsberger (rechtes Bild: links) hat am Staffellauf an den Gardasee teilgenommen. Hier läuft sie mit der Organisatorin Josefine Hobmaier.
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Von Rosenheim nach Lazise: Die blinde Läuferin Renate Hundsberger (rechtes Bild: links) hat am Staffellauf an den Gardasee teilgenommen. Hier läuft sie mit der Organisatorin Josefine Hobmaier.

Die Welt in völliger Dunkelheit erleben: Das ist Alltag für Renate Hundsberger. Die 55-Jährige aus Bad Endorf ist blind. Das hält sie nicht davon ab, ihre Leidenschaft für den Sport auszuleben. Nun nahm sie am Staffellauf von Rosenheim nach Lazise am Gardasee teil. Warum sie am liebsten nachts läuft.

Bad Endorf – Völlige Dunkelheit beschreibt Renate Hundsbergers Blindheit nicht richtig. Ob die Sonne scheint, also es hell oder dunkel ist, kann sie erkennen, sagt sie. Die 55-Jährige kam mit etwa zehn Prozent Sehleistung zur Welt. Lange konnte sie sich gut orientieren. „Mit 15 Jahren habe ich angefangen mit dem Laufsport angefangen. Da ging das auch noch bequem alleine.“ Ab Mitte 30 wurde es schlechter. Seitdem läuft sie mit Laufpartnern.

40 Stunden und nur wenig Schlaf

Zuletzt nahm sie am Staffellauf von Rosenheim nach Lazise am Gardasee teil. In 40 Stunden liefen 34 Teilnehmer in 49 Etappen die rund 400 Kilometer an den Gardasee. Anlass war das 45-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Rosenheim und Lazise. Der Staffellauf fand dieses Jahr zum vierten Mal statt. Unter den Läufern: Renate Hundsberger. Während der ersten Etappe legte sie 7,5 Kilometer zurück. An festgelegten Wechselpunkten liefen dann die nächsten weiter. Zwischen den Etappen ging es mit dem Auto weiter. In Steinach am Brenner, nach nur wenigen Stunden Schlaf zu dritt im Auto, startete mittags die nächste Etappe mit zwölf Kilometern.

Nach dem Abendessen in Bozen wollten ihre Mitläuferinnen die Nacht in einer Unterkunft verbringen. „Ich wollte aber lieber weiterlaufen“, sagt Hundsberger. Zum Schlafen sei sie ohnehin zu nervös gewesen. Nachts läuft sie gerne. Es ist ruhig und nicht zu heiß. „Glücklicherweise habe ich jemanden gefunden, der mit mir läuft.“ Über zehn Kilometer ging es unter Sternenhimmel weiter. Alleine geht es nicht. Sie braucht einen verlässlichen Partner, der ihr sagt, wenn ein Hindernis umgangen werden muss – sei es ein Bordstein, ein Pfosten oder andere Personen.

Am liebsten läuft Renate Hundsberger nachts.

Über eine Schnur mit dem Partner verbunden

Zur Hilfe nehmen sie eine Schnur mit jeweils einer Schlaufe an jedem Ende. So kann sie der Laufpartner steuern. Kommandos wie „Achtung Stufe“ oder „links“ oder „rechts“ ergänzen das Zusammenspiel. Renate Hundsberger fällt es leicht, sich auf ihren Partner einzulassen. „Ich bin da flexibel.“ Oftmals seien die anderen aber unsicher und trauen es sich nicht zu. „Aber die meisten sind offen.“

Renate Hundsberger (l.) und Josefine Hobmaier (r.) kurz vor dem Ziel.

Sie ist dankbar und froh um die Menschen, die mit ihr laufen. Sich darauf einlassen. Nur wegen ihrer Blindheit auf den Sport zu verzichten, kommt für sie nicht in Frage. Nicht zu können, aufgrund der Sehbehinderung, sei ihrer Auffassung nach eine Ausrede. Das Netzwerk dafür hat sie sich erarbeitet, sagt die 55-jährige Masseurin. Vor über 25 Jahren hat sie damit angefangen. Durch eine Laufgruppe des TSV Bad Endorf, zu der sie durch eine Arbeitskollegin kam, konnte sie viele Kontakte aufbauen. Mehrere Mal ist sie den über 42 Kilometer langen München Marathon gelaufen.

Je nachdem, wer Zeit hat, sie zu begleiten, läuft Hundsberger drei- bis viermal die Woche. Manchmal weniger. Findet sie gar niemanden, dann bleibt ihr noch das Laufband im Fitness-Studio. „Aber nur im Notfall. Ich laufe lieber draußen.“ Im Alter zwischen 25 und 30 fing sie außerdem mit Torball an, wurde Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft dieser Ballsportart für Blinde.

Im Schneckentempo über die Strandpromenade

Auf ihrer vorletzten Etappe nach dem Frühstück ging es sieben Kilometer durch Italien. Die letzte Etappe von Bardolino nach Lazise liefen mehrere Läufer gemeinsam. „Im Schneckentempo“, sagt Renate Hundsberger und lacht. Denn auf der Promenade waren einige Hindernisse zu überwinden. „Da war schon ein bisschen mehr los.“ Nach 40 Stunden mit nur wenig Schlaf sind sie und die anderen Läufer aus Rosenheim am Ziel angekommen. „Erst jetzt konnte ich entspannt schlafen“, sagt Renate Hundsberger und lacht.

Die Läufer des Staffellaufs an der Promenade am Gardasee.

Was ist der „Tag der Sehbehinderten“?

Im Juni findet alljährlich der „Tag der Sehbehinderten“ statt. Es handelt sich dabei um einen Aktionstag, der 1998 durch den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) eingeführt wurde. Jedes Jahr findet der Tag unter einem Motto statt. In diesem Jahr will der DBSV auf das Risiko an Kreuzungen im Straßenverkehr aufmerksam machen. Sehbehinderte und blinde Menschen sind hier einem besonderen Risiko ausgesetzt, denn an den meisten Kreuzungen fehlen spezielle Einrichtungen wie „Blindenampeln“ oder auf dem Boden verlegte Rippen- und Noppenplatten, aber auch Kontraste fehlen, sodass die Bordsteinkante oftmals kaum zu erkennen ist.

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