Chefarzt Schön Klinik Bad Aibling zum „Tag gegen den Schlaganfall“
Moderne Apoplex-Therapien – mangfall24.de schnuppert in „Virtual Reality“
Verdacht auf Schlaganfall - jetzt muss es schnell gehen. Neben dem Faktor Zeit setzen die Neurologen in der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen bei der Therapie auf moderne Medizintechnik. mangfall24.de hat sich das genauer angesehen - und selbst getestet.
Bad Aibling/Harthausen - Künstliche Intelligenz (KI) und robotergestützte Behandlungen - in der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen wird mit hochmoderner Medizintechnik gearbeitet. Seit einigen Monaten unterstützt die „Virtual Reality“-Brille, kurz „VR“ der Firma „Cureo“ die Behandlungen.
Insbesondere Schlaganfall-Patienten, die beispielsweise mit Lähmungen zu kämpfen haben und dadurch ihre Handfunktion verloren haben, kann diese „virtuelle Welt“ helfen: Zum einen sicherer in der Feinmotorik zu werden, als auch mehr Selbstbewusstsein im Verlauf ihrer Therapie zu bekommen.
Professor Dr. Klaus Jahn, Chefarzt der Neurologischen Klinik Bad Aibling-Harthausen, weiß die Vorteile dieser neuartigen Therapiemöglichkeiten zu schätzen: „Koordination und Motorik werden durch das Einblenden von Umgebungen - seien es Berglandschaften oder ein Zen-Garten - individuell auf den Patienten und seine Interessen angepasst trainiert.“
Therapiestunden am Strand? Virtuell möglich
Über ein Tablet steuert der Therapeut in welche Umgebung der Patient eintaucht. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen lässt sich an das Krankheitsbild und jeweilige Fortschritte anpassen.
Reporterin Marina Birkhof durfte die „VR“-Brille testen und in die neue Welt der modernen Therapie eintauchen: Drachen steigen lassen in Island, Obst von Bäumen pflücken oder das Einfangen von verschieden farbigen Kometen im Weltall sind nur ein paar der virtuellen Räume, in denen Patienten ihre Arm- und Gleichgewichtsfunktionen gezielt und unter den geschulten Augen der Therapeuten trainieren können.
Wir merken schnell: Auch der Spaßfaktor kommt bei den Aufgaben nicht zu kurz, was die Motivation der Patienten natürlich steigert. „Viele freuen sich, wenn sie ihre Therapiestunde am Strand absolvieren dürfen. Sie können in Umgebungen üben, in denen sie sich später auch in der realen Welt außerhalb des Krankenhauses wieder zurecht finden müssen“, weiß der Professor. Das Feedback der Patienten: durchweg positiv.
Neben der „Virtual Reality“, mit der man dank der Brille abgeschottet in eine andere Realität eintaucht, gibt es auch noch die Möglichkeit der „Augmented Reality“, einem Zusammenspiel von digitalem und analogem Leben, bei dem dreidimensionale Gegenstände in den Raum eingeblendet werden.
300.000 Schlaganfälle pro Jahr in Deutschland
Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie - wer einen Schlaganfall erleidet, benötigt oftmals langzeitige Nachbehandlungen, um wieder in den Alltag zurückzufinden. In der Regel sind die Patienten mit Medikamenten gut eingestellt, erklärt Professor Dr. Jahn.
Dennoch: Wer einmal einen Schlaganfall erleidet, für den steigt das Risiko weiterer Schlaganfälle. 300.000 Fälle treten pro Jahr in Deutschland auf. 25 Prozent benötigen eine längere Rehabilitation, bei 75 Prozent verbessern sich die Einschränkungen weitgehend - durch Medikamente und Trainingstherapie.
„BE-FAST“-Schema zur Erkennung eines Schlaganfalls
„Für den Patienten bedeutet ein Schlaganfall einen Einschnitt und auch für das private Umfeld und Beteiligte ist die Diagnose belastend - gerade, wenn sich Halbseitenlähmungen oder eine Sprachstörung entwickeln“, weiß Professor Dr. Jahn in Hinblick auf die Tatsache, dass Schlaganfälle prinzipiell in jedem Alter und auch bei Kindern auftreten können.
Das A und O ist daher der Faktor Zeit: Das „BE-FAST“-Schema hilft, einen möglichen Schlaganfall schnell zu erkennen und sofort zu reagieren. „Treten akute Lähmung, Sprachstörungen oder plötzlicher Schwindel auf, dann ist ein Schlaganfall wahrscheinlich. Der Patient muss so schnell wie möglich in die nächst gelegene ‚Stroke Units‘ gebracht werden. Der Notruf 112 ist hier unbedingt die erste Wahl.“
Der 10. Mai gilt als „Aktionstag gegen den Schlaganfall“ und lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Risikofaktoren. Dazu zählen Stress, wenig Schlaf, ungesunde Ernährung, unzureichende Bewegung sowie Rauchen. Diese Faktoren haben einen erhöhten Blutdruck zur Folge und bedingen die Gefahr eines Schlaganfalls. Junge Frauen, die die „Anti-Baby-Pille“ einnehmen, sollten versuchen immerhin ein Risiko - beispielsweise das Rauchen - zu minimieren.
Fortschritte in der Akut-Behandlung
Bei der Akutbehandlung habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, betont der Professor. Ein genaues Bild gibt eine „Magnetresonanztomographie“ („MRT“) ab und wird zur Diagnosestellung angewandt. In der Regel aber werde zunächst eine ‚‚Computertomographie‘‘ („CT“) durchgeführt, um Blutungen oder Thromben schnell und sicher zu erkennen.
Innerhalb der ersten vier bis fünf Stunden nach Auftreten der Symptome könne mit einer „intravenösen Lysetherapie“ gearbeitet werden: Dabei wird ein den Thrombus zersetzendes Enzym verabreicht. Dieses Enzym baut das Gerüst des Thrombus ab und zersetzt ihn so. Die Auflösung des Gerinnsels erfolgt dabei durch die blutverdünnende Wirkung der Medikamente.
„Ist das Gerinnsel jedoch zu groß, wird mit einem Katheder gearbeitet. Das kann in bestimmten Fällen noch bis 24 Stunden nach Aufnahme erfolgen. Mithilfe eines dünnen Drahts entfernen die Ärzte das Gerinnsel im Gehirn“, erklärt der Professor. Engstellen an den Halsgefäßen hingegen werden in der Gefäßchirurgie operiert.
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