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Starkregen, Blitzeinschläge und heftige Sturmböen: Aufgrund des starken Unwetters in der Nacht auf Samstag (16. August) musste das Echelon-Festival frühzeitig abgebrochen werden. Jetzt äußern sich Veranstalter, Künstler, Bürgermeister und Einsatzkräfte dazu. Ein Überblick.
Bad Aibling – Die Enttäuschung war groß, das Verständnis größer. Das zeigen die Kommentare unter einem Video, das Patrick Gallenmüller am Samstagvormittag (16. August) auf der Instagram-Seite des Echelons gepostet hat. Er ist der Gründer und Veranstalter des elektronischen Musikfestivals, das jährlich in Bad Aibling stattfindet. So auch an diesem Wochenende. Und doch war dieses Mal alles anders. Denn aufgrund des Unwetters in der Nacht auf Samstag (16. August) musste der zweite Festivaltag abgesagt werden. „So etwas ist mir in den vergangenen 17 Jahren noch nie passiert“, sagt Gallenmüller am Sonntag (17. August) am Telefon.
Open-Air-Bereich wurde evakuiert
Am Samstag gegen 23.30 Uhr habe es die erste Unwetterwarnung gegeben. „Aus Sicherheitsgründen haben wir die Location im Open-Air-Bereich evakuiert“, sagt Gallenmüller. Alles habe reibungslos funktioniert, bis es um 2.15 Uhr zum zweiten – deutlich heftigeren – Unwetter gekommen ist. Der Veranstalter spricht von Gewitter, starken Regenfällen und vielen Blitzeinschlägen – auch auf dem Gelände.
„Durch das zweite Unwetter wurde die Infrastruktur auf dem Gelände so stark zerstört, dass wir nicht aufsperren können“, sagt Gallenmüller und weiter: „Es ist sehr enttäuschend. Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen, aber sie muss getroffen werden. Die Sicherheit steht an erster Stelle.“
Das unterstreicht auch Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier. Nach einem „tollen Festival“ am Freitag (15. August) sei er am Samstagmorgen bei der Lagebesprechung gewesen – gemeinsam mit Veranstalter, Ordnungsamt, Polizei, Feuerwehr, Vertretern des Landkreises, dem Sicherheitsdienst sowie dem Meteorologen. Man hätte sich ausgetauscht, sich einen Eindruck vom Zustand des Geländes verschafft. Am Ende seien sich alle relativ schnell einig gewesen.
Rettungswege komplett unterspült
„Es war recht eindeutig, dass an eine Fortsetzung der Veranstaltung nicht zu denken ist“, sagt Schlier. Die Gründe für die Absage seien vielfältig gewesen. Da wären zum einen die Rettungswege, die komplett vom Wasser unterspült gewesen seien. „An manchen Stellen stand das Wasser 30 Zentimeter hoch“, sagt Schlier. Hinzu kam, dass der Pkw-Stellplatz, der im Sicherheitskonzept als Evakuierungszone vorgesehen war, ebenfalls völlig unter Wasser stand.
Ohne fehlende Sicherheitsfläche sei eine Fortsetzung der Veranstaltung nicht möglich gewesen. Zumal Bühnen und Technik durch das Unwetter massiv beschädigt worden seien. „Hinzu kommt, dass es auch für Samstag eine Unwetterwarnung gegeben hat“, sagt Patrick Gallenmüller. Ihm bleib also nichts weiter übrig, als den zweiten Tag des Echelon-Festivals schweren Herzens abzusagen.
Innerhalb kürzester Zeit kommentieren zahlreiche Festival-Besucher unter dem Video. Sie loben Gallenmüller für seine Transparenz und die Tatsache, dass er sich vor die Kamera gestellt hat, um ein Statement abzugeben. Auch Maximilian Hammerschmidt – besser bekannt unter dem Künstlernamen „Maxtreme“ hat unter dem Video kommentiert. Er ist DJ, kommt aus der Nähe von Bad Aibling und hätte am Samstag (16. August) seinen Auftritt auf dem Echelon-Festival gehabt. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2023 sei er vor Ort gewesen. Damals sei er kurzfristig eingesprungen und spielte auf der Hauptbühne vor Tausenden von Besuchern. „Dieser Auftritt hat meine komplette Karriere verändert“, sagt der Musiker.
Erst kürzlich spielte er auf dem Open-Air-Musikfestival „Tomorrowland“ in Belgien, derzeit ist er in Holland beim „Decibel outdoor“. Trotzdem sei das Echelon-Festival für ihn etwas ganz Besonderes. „Das ist mein Heimatfestival. Hier kommen Familie, Freunde und ehemalige Schulkollegen“, sagt er. Umso größer sei die Enttäuschung gewesen, als er davon erfuhr, dass der zweite Veranstaltungstag in Wasser fällt. „Es war megaschade, aber es hat keinen anderen Weg gegeben“, sagt er.
Nicht aufzutreten, sei für ihn jedoch keine Option gewesen. Kurzerhand nahm er Kontakt mit dem Betreiber der „Tatis Bar“ in Rosenheim auf. „Das ist seit über zwölf Jahren unsere Stammkneipe“, sagt er. Gemeinsam stellten sie eine Idee auf die Beine: ein ganz exklusiver Auftritt für rund 150 Personen am Samstagabend. „Ich wollte den Echelon-Besuchern gerne etwas zurückgeben und ich glaube, das hat ganz gut funktioniert“, sagt Hammerschmidt.
Auch zahlreiche andere Echelon-Gäste ließen sich von der Absage nicht unterkriegen. Sie zogen ihr Festival-Outfit an und strömten in die Rosenheimer Innenstadt. „In der Stadt war sehr viel los“, bestätigt Lorenz Stiglauer, Geschäftsführer der Flötzinger Brauerei, Getränkepartner des Echelons. Er sei am Freitagabend selbst vor Ort gewesen und schwärmt von der tollen Stimmung. „Für den Veranstalter ist die Absage natürlich eine Katstrophe“, sagt er. Richtig gehandelt habe man trotzdem. „Höhere Naturgewalten muss man einfach akzeptieren“, sagt er.
Echelon in Bad Aibling am Freitag (15. August) – Teil 2
Gefordert waren in der Nacht auf Samstag (16. August) vor allem die zahlreichen Einsatzkräfte. „In der Integrierten Leitstelle sind viele Not- und Hilferufe eingegangen“, sagt Thomas Neugebauer, Rettungsdienstleiter des Kreisverbands Rosenheim des BRK. Aufgrund der Hilferufe seien er und seine Kollegen davon ausgegangen, dass es beim Echelon zahlreiche Verletzte geben muss.
Einsatzkräfte von Wasserburg bis Miesbach
„Es wurde daraufhin ein MANV 16 bis 25 ausgerufen“, erklärt Neugebauer. Die Abkürzung steht für Massenanfall von 16 bis 25 Verletzten. „Das ist schon eine sehr, sehr große Alarmierung“, sagt der Rettungsdienstleiter. Einsatzkräfte von Wasserburg bis Miesbach machten sich daraufhin auf den Weg nach Bad Aibling. „Gott sei Dank hat sich dann aber herausgestellt, dass es nicht so schlimm ist, wie vermutet“, sagt Neugebauer.
20 Personen mit leichten Verletzungen
Insgesamt habe es 20 Personen mit leichten Verletzungen gegeben. Schwerstverletzte gab es keine. Viele seien durchnässt gewesen, ohne trockene Kleidung. Ihnen allen wurde von den Einsatzkräften geholfen. Samstagmorgen wurde zudem ein Frühstück in der Fliegerhalle organisiert. „Die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und dem Veranstalter ist hervorragend gelaufen“, sagt der Rettungsdienstleiter.
Ebenfalls im Einsatz war die Bergwacht. „Wir brauchten geländegängige Fahrzeuge“, sagt Neugebauer. Die Kollegen hätten beispielsweise den Parkplatz nach Personen abgesucht, die möglicherweise Hilfe benötigten. Ein Rettungswagen hatte sich zudem im Schlamm festgefahren. „Der musste am nächsten Tag mit einem 40 Tonnen-Kran aus dem Wasser gezogen werden“, sagt Neugebauer. Insgesamt seien 80 Sanitäter und sechs Notärzte im Einsatz gewesen.
Vor Ort war auch Peter Peischl. Er ist der Leiter der psychosozialen Notfallversorgung im Landkreis Rosenheim. „Die Leute haben das Unwetter gut weggesteckt“, sagt Peter Peischl am Telefon. Seine Aufgabe – und die seiner Kollegen – sei es gewesen, den Besuchern das Gefühl zu vermitteln, dass sie in Sicherheit sind. „Das ist in einer Krisensituation das Wichtigste“, sagt er. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass der Einsatz sehr gut gelaufen ist. „Alle Organisationen haben perfekt zusammengearbeitet“, fügt Peischl hinzu.
Feuerwehr spricht von anspruchsvollem Einsatz
Das unterstreicht auch Stephan Schlosser, Kommandant der Feuerwehr Mietraching. „Es war ein anspruchsvoller Einsatz“, sagt er am Telefon. Er und seine Kollegen hätten am Samstagabend vor allem den Rettungsdienst unterstützt. Sie halfen bei der Lichtversorgung und kümmerten sich um einige Gäste, die unterkühlt oder aufgrund des Alkoholkonsums nicht mehr ansprechbar waren.
Personen im Zelt eingeschlossen?
Für kurze Aufregung sorgte die Meldung, dass mehrere Personen in ihren Zelten eingeschlossen gewesen sein sollen. „Das war zum Glück nicht so, aber es stand eben alles unter Wasser“, sagt Schlosser. Trotz allem sei der Einsatz „glimpflicher ausgegangen, als gedacht“. Trotzdem sei die Entscheidung, das Festival frühzeitig zu beenden, goldrichtig gewesen.
Ein erstes positives Fazit zieht auch Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Der Einsatz verlief planmäßig“, sagt er am Telefon. Am Freitagmorgen (15. August) sei der Besucheransturm sehr groß gewesen. Sonntag spricht von viel Verkehr, vor allem am Texaskreisel. Bei einigen Autofahrern hätten die Polizisten drogentypische Auffälligkeiten festgestellt. Hier habe es im Vergleich zum Vorjahr jedoch auf den ersten Blick keine Zunahme gegeben. Eine ausführliche Bilanz folgt am Montag (18. August).
Machtlos gegen Unwetter dieser Art
Der Veranstalter muss sich jetzt um die Ticketerstattung kümmern. Zudem laufen schon jetzt die Überlegungen, wie man sich im kommenden Jahr auf mögliche Starkregenereignisse noch besser vorbereiten kann. „Nach dem Echelon ist vor dem Echelon“, sagt Bürgermeister Stephan Schlier. Aber auch er weiß, dass man sich auf Unwetter dieser Art schwer vorbereiten kann. „Das Sicherheitskonzept hat funktioniert“, sagt er. Aber bei 50 Litern Regen pro Quadratmeter und starkem Wind sei man machtlos. Gerade bei einer Outdoor-Veranstaltung.