Schwaberinger Dorfwirt sagt AfD-Auftritt kurzfristig ab
„Fühlt sich an wie Nötigung“ - AfD wittert Komplott der Antifa und erstattet Anzeige
Eigentlich sollte der politische Aschermittwoch der AfD im Gasthof beim Anzinger stattfinden. Doch dann ging bei der Wirtin eine Mail des Offenen Antifaschistischen Plenums Rosenheim (OAPR) ein. Die Folge: Die Wirtin sagt die Veranstaltung kurzfristig ab - und AfD-Kreisvorsitzender Andreas Winhart erstattet Anzeige gegen das OAPR.
Rosenheim/Söchtenau - Klaudia Käsweber ist 70 Jahre alt und schon so lange Gastwirtin, „dass ich wirklich viel erlebt hab“. Die Erfahrung der vergangenen Tage aber, die war neu für die Wirtin, die ihren Gasthof beim Anzinger sozusagen im Alleingang betreibt. Wegen des bevorstehenden politischen Aschermittwochs der AfD in den Räumen ihres Lokals erhielt sie eine feindselige E-Mail und einen Anruf des Offenen Antifaschistischen Plenums Rosenheim (OAPR). Schließlich sagte sie dem AfD-Kreisverband Rosenheim ab. „Die haben mich gewarnt“, sagte Käsweber dem OVB. „Eine Frechheit, das fühlt sich schon an wie eine Nötigung.“
Die AfD wiederum hat reagiert: Der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Andreas Winhart hat das OAPR bei der Staatsanwaltschaft Traunstein angezeigt. Wegen Nötigung. „Der Brief ist am Montag auf den Weg gegangen“, sagte Winhart auf OVB-Anfrage.
Autonome: Wirtin biete rassistischen Positionen eine Bühne
In seiner anonymen E-Mail an das „liebe Team der Gaststätte beim Anzinger“ schreibt OAPR am 12. Februar, dass man „mit Entsetzen“ erfahren habe, dass das Gasthaus „mehreren Politikern der rassistischen AfD eine Bühne“ bieten wolle. Andreas Winhart selbst und Andreas Kohlberger nennen die Autonomen namentlich.
Und sie schreiben weiter in ihrer Mail an die Wirtin: „Wir finden es unerträglich, dass Sie diesen fremdenfeindlichen und antisemitischen Positionen eine Plattform in Ihrer Gaststätte bieten wollen.“ Die Wirtin sei aufgefordert, die AfD „öffentlich auszuladen“. Sonst sehe man sich gezwungen, „öffentlich zu Protesten gegen diese Veranstaltung und ihr Gasthaus aufzurufen“. Auch ein Anrufer meldete sich. „Er sagte zu mir, die Veranstaltung tue meinem Wirtshaus nicht gut“, sagt Klaudia Käsweber.
Die AfD bleibt für politischen Aschermittwoch unter sich
Andreas Winhart äußerte Verständnis für die Absage. „Am Mittwochabend treffen wir uns bei einem anderen Wirt und bleiben unter uns“, sagt er. Wo, will er nicht verraten. „Wir wollen nicht, dass durch das OAPR weitere Wirte in Mitleidenschaft gezogen werden.“
Lediglich die Polizei wisse Bescheid, wo die AfD ihren geschrumpften politischen Aschermittwoch begeht. Dass die Autonomen das Ausweichen der AfD als Schlappe für seine Partei interpretieren könne, glaubt Winhart nicht. „Wir wehren uns ja, mit unserer Anzeige“, sagt er. Darüber hinaus sei den Gastwirten nicht zuzumuten, dass sie sich dem aussetzen - Winhart sprach dem OVB gegenüber von Aktionen der „Linksterroristen“.
Zuletzt hatte die Antifa Ende Januar in Rosenheim für Unruhe gesorgt. Bei einem Protestmarsch gegen das AfD-Büro in Rosenheim griffen Demonstranten auch Polizisten an. Drei Beamte erlitten durch Löschschaum oder Pulver aus einem Feuerlöscher Augenreizungen. Auf das Polizeigebäude an der Kaiserstraße warfen Demonstranten Farbbeutel.
Demo-Randale in Rosenheim: Polizei ermittelt noch immer
Die Angreifer sind noch unbekannt. Robert Maurer von der Polizeiinspektion Rosenheim teilte auf Anfragen des OVB mit, dass die Ermittlungen noch liefen. „Wir werten auch Videoaufnahmen aus, die wir in öffentlichen sozialen Medien einsehen konnten, und die uns Privatpersonen zur Verfügung gestellt haben“, sagt Maurer. „Wir sind zuversichtlich, dass wir bald Ergebnisse haben.“
Das Duplikat der Anzeige gegen das OAPR wandert derweil in Winharts dicken Prozess-Ordner. „Anzeige habe ich auch wegen der Farbbeutelwürfe auf unser Büro erstattet“, sagt er. Unter anderem auch wegen Verleumdung und Beleidigung summierten sich die Anzeigen auf 80 bis 100.
Die Wirtin: „Mir hat es wehgetan abzusagen“
Wirtin Käsweber ist derweil enttäuscht und verärgert. Auch anderen Parteien habe sie schon Räume für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, sagt sie. Aber wenn sie nun die AfD nicht reinlassen dürfe, dann mache sie so etwas in Zukunft eben gar nicht mehr, „auch für keine andere Partei“. So viel Meinungsfreiheit müsse schon sein. Sie wisse ohnehin nicht, wie lange sie die Wirtschaft noch betreiben wolle und könne. Für eine allein sei das ja auch ziemlich viel, erzählt sie, das Putzen, Einkaufen, Kochen, Ausschenken und Bedienen. „Lediglich an Sonn- und Feiertagen habe ich eine Aushilfe.“
Am Mittwoch (22. Februar) wird es nun vermutlich ruhiger zugehen als an Wochenenden. „Mir hat es wehgetan, abzusagen“, sagt Käsweber. Nach der Absage habe sie nochmals einen Anruf des OAPR bekommen. „Die haben sich für die Absage bedankt.“ Ob die Autonomen es ernst gemeint haben, könne sie allerdings auch nicht sagen.