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Aus der Schön Klinik Berchtesgadener Land

Egids Weg zur Lungentransplantation: „So ein Geschenk gibt‘s nur einmal im Leben“

Weltlungentag Pneumologie - Schön Klinik Berchtesgadener Land - Patientengeschichte
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Dr. Bernd Sczepanski, Oberarzt im Fachzentrum für Pneumologie in der Schön Klinik Berchtesgadener Land und sein Patient Egid Scheer (rechts), der nach einer erfolgreichen Lungentransplantation das Leben wieder in vollen Zügen genießt.

Eine Lungenleistung von 18 Prozent, eine unvermeidbare Transplantation - und ein COPD-Patient, der dank des Ärzteteams der Schön Klinik Berchtesgadener Land wieder am Leben teilhaben darf. Die Patientengeschichte von Egid Scheer zum Weltlungentag am 25. September.

Schönau am Königsee - Egid ist leidenschaftlicher Busfahrer. Lachende Kinder täglich in die Schule zu fahren und wieder sicher nach Hause zu bringen, ist dem Würzbürger eine Herzensangelegenheit.

Dass er das heute noch machen kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor drei Jahren wäre Egid beinahe gestorben. Zu dem Zeitpunkt hatte die Lunge des COPD-Patienten nur noch eine Leistung von 18 Prozent.

„Danke meinem Spender im Himmel“

Egid hatte Glück im Unglück: Für seine im Vergleich eher selten vorkommende Blutgruppe „Rhesus Negativ“ war wider Erwarten rasch eine Spenderlunge verfügbar. Dann ging alles ganz schnell: In einer achtstündigen OP erfolgte die Transplantation in der LMU München. Vor- und Nachgespräche fanden jeweils auch in der Schön Klinik Berchtesgadener Land statt.

Ein einfühlsames Beispiel, wie nah Freud und Leid beieinander liegen können. „Ich danke meinem Spender im Himmel jeden Tag“, betont Egid. „Ohne ihn wäre ich heute nicht mehr hier.“

„Es ist unvorstellbar, keine Luft zu bekommen und nur noch auf ein Leben mit Sauerstoff angewiesen zu sein“, erzählt Egid, dem 2012 die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD diagnostiziert wurde.

Um zwei Stockwerke zu erklimmen, brauchte Egid früher eine gute Stunde. Heute befördert er wieder mit großer Freude seine Schulkinder von A nach B, macht dreimal die Woche Sport inklusive Reha- und Gerätetraining, Krankengymnastik und Physiotherapie.

„Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im August 2022 noch mit 15 Watt lediglich zehn Minuten auf dem Fahrrad durchgehalten habe. Heute fahre ich 20 Minuten bei 80 Watt. Ich bin manchmal selber von mir überrascht und kann nicht glauben, wie fit ich wieder bin.“

Lebensrettende Lungentransplantation

Zu verdanken hat er seinen weiteren Lebensweg Dr. Bernd Sczepanski, Oberarzt im Fachzentrum für Pneumologie in der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Dort erfuhr er zum ersten Mal von der Option einer Lungentransplantation. Das war im März 2022. Die lebensrettende OP ging nach den umfangreichen Voruntersuchungen und erfolgter Listung zur Transplantation dann im April 2023 über die Bühne.

„Dr. Sczepanski ist der Grund, weswegen ich hier sitze und normal sprechen kann, ohne an Sauerstoffschläuche angeschlossen zu sein“, betont Egid.

Dr. Bernd Sczepanski ist Oberarzt im Fachzentrum für Pneumologie in der Schön Klinik Berchtesgadener Land.

Dass Egids Fall ein besonderer war, kann der Oberarzt bestätigen: „Dass er mit einer Lunge, die nur mehr mit 18 Prozent funktionierte, noch ehrenamtlich Schulkinder fuhr, war beeindruckend. Die COPD-Listungskriterien geben vor, ab einer Lungen-Funktionsfähigkeit von unter 20 Prozent über eine Transplantation nachzudenken. Von dieser Möglichkeit wusste unser Patient bis dato nichts. Umso erfreulicher ist es, im Rahmen der Reha bei uns zu sehen, welche Fortschritte er nun gemacht hat seit der OP.“

Nachsorge begleitet Patienten ein Leben lang

Auch, wenn für Egid persönlich alles wieder machbar ist, gänzlich ohne Einschränkungen am Leben teilnehmen ist nach einer Transplantation nicht mehr möglich, muss Dr. Sczepanski einräumen: „Unabhängig, welches Organ transplantiert wird, die Nachsorge begleitet die Patienten ein Leben lang. Sind die Untersuchungen in den ersten Monaten noch engmaschig alle paar Wochen angesetzt, werden sie bei gutem Verlauf zwar zeitlich gestreckt. Eine tägliche Einnahme bestimmter Tabletten aber ist unabdingbar, damit das Organ nicht abgestoßen wird.“

Eine Transplantation bringt viele Aufklärungsgespräche sowie Voruntersuchungen mit sich. Schwere Begleiterkrankungen sollten nicht vorhanden sein. Der Heilungsverlauf hängt individuell vom Patienten ab.

Dr. Sczepanski erinnert sich an lungentransplantierte Patienten, die später Marathon gelaufen oder mit dem Rennrad um den Bodensee geradelt sind. „Wenn‘s gut läuft, ist natürlich vieles wieder machbar - auch, den Kilimandscharo zu bezwingen. Unser Ziel als Mediziner ist es, möglichst viel Lebensqualität für unsere Patienten zu gewinnen.“

Am 25. September ist Weltlungentag

Der Weltlungentag wird initiiert vom „Forum of International Respiratory Societies“ (FIRS). Er soll die Lungengesundheit ins Rampenlicht rücken sowie das weltweite Bewusstsein für Atemwegserkrankungen schärfen.

In Deutschland herrscht eine hohe Organknappheit für sämtliche Organe. Die Lunge ist von größerer Bedeutung, weil ihr Angebot nochmal geringer ist. Dies liegt in der Natur der Dinge, da die Lunge einen gewissen Kontakt zur Außenwelt hat und selbst auf der Intensivstation kurz vor dem Tod eines Patienten über Beatmungsschläuche noch Schaden nehmen und so unbrauchbar werden kann. Jährlich erhalten 250 bis 300 Menschen hierzulande eine neue Lunge.

Die Schön Klinik Berchtesgadener Land ist spezialisiert auf fortgeschrittene, schwere Krankheitsbilder und baut Konzepte auf, um Patienten für eine Transplantation zu trainieren und vorzubereiten. In über 20 Jahren betreute die Klinik circa 25.000 Patienten mit Lungenerkrankungen aller Art.

Ein Auszug aus dem „Weißbuch Lunge“ verdeutlicht: Lungenerkrankungen sind in Deutschland auf dem Vormarsch. So hat COPD in den vergangenen Jahren um acht Prozent zugenommen, Asthma um 17 Prozent, Lungenkrebs um 33 Prozent und Lungenembolien um 71 Prozent. Das Schlafapnoesyndrom verzeichnet laut „Weißbuch Lunge“ sogar einen Anstieg von 92 Prozent.

Die Ursache, die COPD und Lungenkrebs begünstigt, ist neben Infektionen und Feinstaub auch der zunehmende Trend zu E-Zigaretten und Vapes - obwohl der Griff zur klassischen Zigarette rückläufig ist.

Dr. Sczepanski warnt: „Erste wissenschaftliche Forschungen zeigen, dass bereits auch nach kurzem regelmäßigen Gebrauch Entzündungen und wahrscheinlich irreparable Schäden in den Atemwegen und der Lungenstruktur entstehen können. Gerade für junge Menschen ist das gefährlich. Lungenerkrankungen wären in vielen Fällen vermeidbar.“

Die Ängste der Erstickung, die bei Luftnot entstehen, kennt Egid nur zu gut, weswegen er den Appell des Oberarztes in Hinblick auf die in E-Zigaretten enthaltene Chemie unterstreicht. Er war selbst zehn Jahre lang Raucher.

Umso glücklicher ist er nun über den Umstand seiner neuen Lunge: „So ein Geschenk gibt‘s nur einmal im Leben - das muss ich schätzen und gut behüten.“ (mb)

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