Nutzung Ex-Krankenhaus: „Es wird was kommen!“
Was hat der Landkreis mit dem Ex-Krankenhaus vor? Freilassing will mitreden
Freilassing verlängert die Veränderungssperre für das Krankenhausareal. Bürgermeister Hiebl sieht darin einen Vorteil für Verhandlungen. Doch es gibt Kritik.
Freilassing – Nach dem Aus für das Krankenhaus bemüht sich die Stadt seit geraumer Zeit, eine Alternative, also zumindest eine Notversorgung und ein Zentrum für Haus- und Fachärzte auf die Beine zu stellen, Arbeitstitel „Gesundheits-Campus“. Die Stadt ist dabei aber zum Teil auf den Landkreis angewiesen. Wie will er als Eigentümer das ehemalige Krankenhaus weiter nutzen, wie die Grundstücke im Osten des Areals? Während die Stadt also weiß, was sie will, lässt sich der Landkreis nicht in die Karten schauen. Um zu verhindern, dass der Landkreis das Gebäude oder die Grundstücke mit Themen bespielt, die nichts mit Gesundheit zu tun haben, hat der Stadtrat nun eine sogenannte „Veränderungssperre“ verlängert. Das heißt, der Stadtrat muss jeder neuen Nutzung zustimmen.
Angedacht hat der Landkreis zum Beispiel, dass die Lebenshilfe eine derzeit leerstehende Etage für Wohngruppen anmietet, als Zwischennutzung. Kolportiert wird allerdings, dass die Lebenshilfe diesen Plan bereits verworfen hat. Der Landkreis könnte theoretisch in diesem Stockwerk auch Wohnungen, Asylunterkünfte oder Büros einrichten. Das alles würde die Veränderungssperre der Stadt verhindern können, hofft zumindest der Stadtrat.
Dass die Lebenshilfe möglicherweise eine leerstehende Etage im ehemaligen Krankenhaus nutzt, „kann gut oder schlecht sein“, so Stefan Standl (CSU), aber er sei eigentlich gegen eine Veränderungssperre. „Das kann doch eine weitere Verhärtung der Fronten mit dem Landratsamt bedeuten“, was wiederum auch den Bau des Gesundheitshauses verzögern könnte. Bürgermeister Markus Hiebl sieht in der Veränderungssperre hingegen eine Art „Verhandlungsmasse“, also bessere Karten bei Gesprächen mit dem Landkreis. Was der Landkreis mit dem „riesigen Grundstück“ machen will, weiß Hiebl auch nicht, zumindest offiziell nicht. Nur so viel: „In den nächsten Wochen wird was kommen.“
„Gesundheitshaus zu groß“, Wolfgang Hartmann
Vorgestellt wurden am Dienstag erneut die Pläne für das neue Gesundheitshaus von Max Aicher, der in den Sitzungen allerdings immer nur als „der Investor“ bezeichnet wird. Aicher war in der Sitzung selbst anwesend. Neu ist, dass es im Anschluss an das geplante Gesundheitshaus, auf dem Areal nördlich des Krankenhauses, auch Wohnblocks geben soll, also in Richtung Petersweg. Diese Bauten könnten dann auch Mitarbeiterwohnungen beinhalten. Erschlossen wird das neue Baugebiet mit einer sieben Meter breiten Straße.
Kritik an der Größe des geplanten Gesundheitshauses kam von Wolfgang Hartmann von den Grünen. „Sechs bis sieben Etagen sind mir deutlich zu viel, diese Größe brauchen wir nicht.“ Der anwesende Projektentwickler präzisierte die Pläne: „Es wird einen Sockel geben mit zwei Stockwerken, darauf einen Turm mit drei und einen zweiten Turm mit zwei Stockwerken.“ Auf aktuell verwendeten Visualisierungen ist nur ein Sockel mit zwei Türmen mit jeweils vier Etagen zu sehen. Stefan Standl von der CSU fragte, ob auch noch ein Technik-Geschoss möglich sei, zum Beispiel für Photovoltaik-Anlagen, „dann wären wir auf der Höhe des benachbarten Krankenhauses“. Viele Fragen hatte auch Robert Judl von ‚Pro Freilassing’. Er wolle zwar den Bebauungsplan auf den Weg bringen, „aber jetzt muss es dann mehr Planungstiefe geben, also zum Beispiel, wo fließt der Verkehr“? Drei Beschlüsse zum Gesundheitscampus wurden dann jeweils mit der Gegenstimme von Wolfgang Hartmann im Stadtrat durchgewunken. (hud)
