Zehn Verletzte, neue Details
„Hätte nicht überlebt“: Busunfälle in Berchtesgaden und Freilassing - trotzdem Glück im Unglück?
Gleich zwei Busunfälle ereigneten sich innerhalb einer Woche im Berchtesgadener Land. In Freilassing machte sich am Montag (23. Juni) ein Fahrzeug an einer Tankstelle selbstständig und rollte auf den Globus-Parkplatz. Und in Berchtesgaden wurden nach einem Fehler eines Busfahrers am Donnerstag (19. Juni) mindestens zehn Menschen verletzt. Tage später gibt es neue Details, die klarmachen: Es hätte noch viel schlimmer ausgehen können.
Berchtesgaden/Freilassing - Die Formulierung „Glück im Unglück“ zu wählen, fällt schwer bei einem Unfall mit zehn Leichtverletzten, doch sie trifft wohl auf den Vorfall am Donnerstag (19. Juni) im Berchtesgadener Zentrum zu: In der Maximilianstraße knallte ein Linienbus auf einen anderen. Die Folge: Der Busfahrer wurde in seinem Führerhaus eingeklemmt und musste danach in ein Krankenhaus gebracht werden. Auch die zweite beteiligte Busfahrerin sowie acht Fahrgäste verletzten sich leicht. Wie die Polizei Berchtesgaden auf Nachfrage mitteilt, laufen die Ermittlungen noch. Und: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es bei der Gesamtzahl der Verletzten bleibt.
„Eine Person dachte, sie wäre verletzt, was durch den Hausarzt jedoch nicht bestätigt wurde. Einem anderen Beteiligten ging es nach dem Unfall gut, am nächsten Tag dann nicht mehr. Deswegen steht die abschließende Zahl noch nicht fest“, ist aus der Dienststelle zu erfahren. Es seien hauptsächlich Touristen betroffen gewesen, welche kurz danach abreisten, weswegen viel „hinterhertelefoniert“ werden müsse, um die genaue Anzahl festzustellen.
Beschwerden aus dem HWS-Bereich
Genickschmerzen, Kopfschmerzen, Verspannungen und Übelkeit: Laut der Berchtesgadener Polizei bewegen sich die Verletzungen und Symptome im Bereich des sogenannten Halswirbelsäulensyndroms (HWS-Syndrom). Damit sind Nackenschmerzen sowie weiter begleitenden Probleme wie Schulterschmerzen gemeint, ausgelöst durch die Wirbelsäule.
„Das kommt vom unvermittelten Aufprall und Schlag von hinten. Manche Fahrgäste konnten sich noch rechtzeitig mit Händen am Sitz abstürzen, andere vielleicht nicht. Wir wissen, dass alle Leichtverletzten nach derzeitigem Stand auf Sitzplätzen gesessen haben und ordentlich durchgeschüttelt worden sind“, so die Polizei. Trotz der vielen Leichtverletzten sei der Unfall glimpflich ausgegangen, denn: „Wenn einer zwischen den beiden Fahrzeugen durchgelaufen wäre, hätte er das wahrscheinlich nicht überlebt.“
Busunfall in Berchtesgaden am 19. Juni 2025




Die Polizei bleibt bei der Formulierung „Fahrfehler“, wenn es um die Unfallursache geht, ohne genauer darauf einzugehen. Scheinbar machte das Fahrzeug wohl einen Satz nach vorne, heißt es. Da es sich um einen Linienbus des Unternehmens Regionalverkehr Oberbayern (RVO) handelte, bezog Dienststellenleiter Andreas Datz auf Nachfrage Stellung und teilte mit: „Das war natürlich fatal und darf einfach nicht passieren. Es wird Vertrauen in uns gesetzt, vor allem von den Eltern.“ Er werde noch das Gespräch mit dem Fahrer suchen und das Ganze intern aufarbeiten, aber Konsequenzen seien nicht auszuschließen.
Wenn sich ein Bus von selbst in Bewegung setzt
Nur wenige Tage später kam es in Freilassing zu einem Vorfall, der wohl auch glimpflich ausgegangen ist: Wie die Polizei in einer Mitteilung schreibt, ereignete sich am Montag (23. Juni) gegen 14 Uhr auf dem Parkplatz eines Freilassinger Einkaufszentrums „ein spektakulärer Unfall“. Bei dem Linienbus lösten sich wohl nach der automatischen Motorabschaltung die Bremsen, wodurch der Bus anfing rückwärts zu rollen.
Das Fahrzeug wurde schließlich nach wenigen Metern - die Polizei spricht auf Nachfrage von 15 Metern - von einem abgestellten Auto „abgebremst“. Weil der Bus mit dem Fahrzeugheck in einer Mulde aufsaß und die Antriebsräder in der Luft hingen, konnte dieser die Fahrt aus eigener Kraft nicht mehr fortsetzen. Es entstand nur Sachschaden, verletzt wurde niemand.
Wie Bilder zeigen, die dieser Redaktion vorliegen, rollte der Bus vielmehr von der Globus-Tankstelle über die Einfahrtsstraße in Richtung Parkplatz. Daher schätzt die Polizei Freilassing die ausgegangene Gefahr auch nicht ganz so groß ein und teilt mit: „Normalerweise sind dort keine Fußgänger unterwegs.“ Möglich wäre es dennoch gewesen, der Globus-Parkplatz und das Areal sind stets gut besucht.
Unerwartet frühe Abschaltung
Dass niemand zu Schaden kam, beruhigt auch Klaus Kosel. Es handelte es sich um einen Fahrer und ein Fahrzeug seines Unternehmens LK-Beförderungsdienst Kosel - auch bekannt unter dem Namen „d‘Kosein“. Der Inhaber nimmt seinen Angestellten in Schutz und sagt: „Es war kein Fehler, ich kann ihm keinen Vorwurf machen.“ Wie er schildert, hatte sein Fahrer das Fahrzeug abgestellt, um kurz zur Tankstelle zu gehen. Aufgrund der hohen Temperaturen würden die Fahrer in der Regel die Motoren laufen lassen, um im Inneren die kühleren Temperaturen aufrechtzuerhalten. „Es erhitzt sich sehr schnell in so einem Bus“, weiß Kosel.
„Wenn ein Bus steht und eine Tür geöffnet ist, bewegt er sich nicht aufgrund der Sperreinrichtungen. Doch in diesem Fall war das Fahrzeug geschlossen und die automatische Motorabstellung ist viel zu früh angesprungen“, sagt Kosel. Normalerweise werde diese erst nach vier oder fünf Minuten aktiviert, doch in diesem Fall erfolgte sie schon nach eineinhalb bis zwei Minuten.
Eine mögliche Erklärung: Aufgrund der Hitze entschied sich der Motor früher als sonst zur Abschaltung, um sich selbst vor Schäden zu schützen. „Das entscheiden die Sensoren“, verdeutlicht Kosel. Es kämen auch andere Erklärungen infrage, doch er meint: „Ein Defekt war es eher nicht.“ Danach funktionierte das System wieder ganz normal und sprang wie vorher erst nach vier bis fünf Minuten an. „In so einem Fall reicht ein minimales Gefälle, dass sich der Bus in Bewegung setzt. Zum Glück ist niemandem etwas passiert, aber das kann leider vorkommen. Die Fahrer wissen ganz genau, wann normalerweise die Abschaltung erfolgt.“ (ms)