Was passieren kann und wer haftet
Nach dem Reifenwechsel: Wie wichtig ist das Nachziehen der Radmuttern wirklich?
Die allgemeine Empfehlung nach einem Reifenwechsel lautet, nach einer gewissen Fahrtstrecke die Radmuttern nachzuziehen. Warum das durchaus sinnvoll ist, was Ihr dabei beachten müsst und wer bei einem entsprechenden Unfall haftet, erfahrt Ihr hier.
Radmuttern fixieren das Rad an der Nabe - wenn sie nicht ordnungsgemäß angezogen sind, können sie sich im schlimmsten Fall lösen und ein Rad geht verloren. Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH empfiehlt deshalb, die Radmuttern 50 bis 100 Kilometer nach einem Räderwechsel mit einem Drehmomentschlüssel nachzuziehen. Das ist allerdings eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Was passiert, wenn die Radmuttern nicht nachgezogen werden?
Im besten Falle gar nichts. „Wenn die Radbefestigungen in Ordnung sind, und beim Anziehen der Schrauben das richtige Drehmoment verwendet wurde, muss das Rad halten“, so ADAC Reifenexperte Ruprecht Müller.
Aber auch erfahrene Monteure in Fachwerkstätten machen Fehler und ziehen die Muttern nicht mit dem vorgeschriebenen Drehmoment fest. Hinzu kommt, dass bei einem gebrauchten Fahrzeug und gebrauchten Rädern nicht alles wie im Neuzustand perfekt zueinander passt und sauber ist.
Wenn am Rad Schrauben locker sind, kann es schnell brenzlig werden. Sollte es während der Fahrt spürbar schlackern oder gar davonrollen, ist ein Unfall vorprogrammiert. Beides kommt glücklicherweise selten vor. Doch gerade nach einem Wechsel wie aktuell von Winter- auf Sommerreifen ist es in Einzelfällen möglich, dass sich zunächst fest angezogene Radmuttern wieder lockern.
Warum ist das Nachziehen dennoch sinnvoll?
Die Radmuttern sind Belastungen und Kräften ausgesetzt, die mit dem täglichen Betrieb des Fahrzeugs einhergehen. Dazu gehören zum Beispiel das Gewicht des Fahrzeugs, die Drehbewegung des Reifens, das ständige Aufwärmen und Abkühlen sowie Stöße aufgrund unebener Fahrbahnen.
Diese Belastungen können sich darauf auswirken, wie fest die Radmuttern sitzen, was zur Folge haben kann, dass sie sich weiter festziehen oder lockern.
Befindet sich beim Reifen- bzw. Radwechsel Schmutz, Sand, Rost oder Kies zwischen den aufeinander liegenden Oberflächen, zum Beispiel im Gewinde der Radmuttern oder zwischen den Radmuttern und den Radbolzen, dann kann das Anzugsdrehmoment verfälscht sein.
Wurden Radmuttern zu fest angezogen, kann das Gewinde zum Beispiel ausreißen oder die Radbolzen können sich ausdehnen. Außerdem können sie die Bremstrommeln oder -scheiben und die Radnabe verziehen. Lockere Radmuttern hingegen können zur Folge haben, dass sich das Rad während der Fahrt löst. Dieses Risiko ist sehr gering, doch sollte es dazu kommen, kann es schnell gefährlich werden.
Was sind Anzeichen für lockere Radmuttern?
Jeder Autofahrer weiß, wie sich sein Auto während der Fahrt anfühlt und anhört. Wenn sich die Radmuttern lösen, spürt Ihr das an Vibrationen und klopfenden, schlagenden Geräuschen, die sich mit der Geschwindigkeit ändern. Falls Ihr das nach einem Reifenwechsel feststellt, solltet Ihr unverzüglich zurück in die Werkstatt fahren und die Räder kontrollieren lassen. Wenn das Auto auf den Rädern steht, ist es kaum möglich, selbst festzustellen, ob Radmuttern locker sind.
Wie fest sollten die Schrauben angezogen werden?
Das passende Werkzeug dafür ist ein einstellbarer Drehmomentschlüssel. Die Angabe für den notwendigen Festigkeitswert in Newtonmeter (Nm) findet sich in den Fahrzeugunterlagen oder Herstellerlisten im Internet. Sind die Felgen nachgerüstet, steht der Wert im dazugehörenden Gutachten. Bei Pkw üblich sind Werte zwischen 110 und 130 Nm.
Ist der auslösende Drehmomentschlüssel korrekt eingestellt, macht er sich beim Anziehen der Schrauben beim Erreichen des Nennwerts mit einem deutlich hörbaren Knacken bemerkbar. Für das Nachziehen der Schrauben muss der Wagen nicht aufgebockt werden.
Die Radmuttern werden übrigens in einer bestimmten Reihenfolge angezogen, um das richtige Anzugsdrehmoment zu erhalten. Hat Euer Fahrzeug Räder mit fünf oder zehn Radmuttern, müssen diese in einem sternförmigen Muster angezogen werden. Haben Eure Reifen nur vier Radmuttern, werden diese über Kreuz angezogen.
Radmuttern nachziehen: Wer haftet bei einem Unfall?
Die meisten Werkstätten weisen nach dem Räderwechsel ihre Kunden auf das Nachziehen der Schraubverbindungen nach einer bestimmten Anzahl von gefahrenen Kilometern hin. Das geschieht mündlich oder per schriftlichem Hinweis auf der Rechnung oder einem Aufkleber im Cockpit.
Aber wie verbindlich ist die Anweisung? Müssen sich Autofahrer daran halten? Rechtlich sieht es so aus: Die Haftung der Werkstatt für eventuelle Fehler wird durch den Hinweis auf der Rechnung nicht aufgehoben. Löst sich ein Rad nach dem Werkstattbesuch, spricht der erste Anschein dafür, dass der Radwechsel nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde. Eine Mithaftung des Kunden kommt aber dann in Betracht, wenn er die Schrauben nicht nachziehen lässt, obwohl er nach dem Wechsel Unregelmäßigkeiten beim Fahrverhalten bemerkt hat.
Radwechsel Schritt für Schritt
Viele Autofahrer wechseln die Räder ihres Autos im Frühjahr und im Herbst selbst. Deswegen im Folgenden eine kurze Anleitung: Wichtig ist zunächst ein Blick auf die Reifen, die montiert werden sollen. Haben sie sichtbare Schäden? Dann muss ein neuer Pneu her. Dann geht‘s los:
- Handbremse anziehen und ersten Gang einlegen bzw. Automatik-Wählhebel in Stellung „P“ bringen.
- Radkappe (soweit vorhanden) abziehen. Radmuttern oder -bolzen zunächst etwa eine Viertel Umdrehung lösen.
- Wagenheber an der korrekten Stelle des Unterbodens ansetzen. Achtung: Beachtet die Sicherheitshinweise in der Bedienungsanleitung.
- Fahrzeug anheben, bis die Montagehöhe erreicht ist.
- Radmuttern abschrauben, Rad abnehmen und unter das Fahrzeug legen. Leichtmetallräder können auf Zentrierungen der Stahlnaben haften bleiben.
- Der Reifen, der in der Vorsaison auf der Vorderachse angebracht war, kommt auf die Hinterachse und umgekehrt. Gegebenenfalls auf die vorgeschriebene Laufrichtung achten.
- Vor dem Aufstecken des neuen Rades die Radauflageflächen reinigen und einen Kontrollblick auf Bremsscheiben und Bremsbeläge werfen.
- Neues Rad aufsetzen und alle Radmuttern mit dem Radkreuz handfest anschrauben.
- Abgenommenes Rad unter dem Fahrzeug hervorholen.
- Auto so weit runterlassen, dass der Reifen gerade am Boden aufsteht.
- Radmuttern über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Hierfür benötigt Ihr einen Drehmomentschlüssel und die Herstellerinformationen für das korrekte Drehmoment.
- Die abmontierten Reifen auf der Lauffläche kennzeichnen, zum Beispiel mit Wachskreide (“VR“ für „vorne rechts“, „HL“ für „hinten links“ etc.). So vermeidet Ihr beim nächsten Wechsel Unklarheiten.
Quelle: ADAC
Zu guter Letzt: Direkt nach der Reifenmontage sollte laut den Experten unbedingt der Luftdruck aller vier Reifen geprüft werden.
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