Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Interview über die psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie

Dr. Robert Doerr von der Schön Klinik BGL: „Patienten sind viel ängstlicher geworden“

Dr. Robert Doerr ist der Chefarzt am Fachzentrum für Psychosomatische Medizin in der Schön Klinik Berchtesgadener Land.
+
Dr. Robert Doerr ist der Chefarzt am Fachzentrum für Psychosomatische Medizin in der Schön Klinik Berchtesgadener Land.

Die Pandemie hält die Welt seit über einem Jahr in ihrem Griff. Die Maßnahmen zur Eindämmung werden großteils eingehalten, schränken aber das alltägliche Leben stark ein. Bei vielen schlägt das auch auf die Psyche. Die BGLand24.de Redaktion hat zur Lage während der Pandemie bei der Schön Klinik im Berchtesgadener Land angefragt.

Schönau am Königssee - Dr. Robert Doerr ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Nervenheilkunde und Chefarzt am Fachzentrum für Psychosomatische Medizin in der Schön Klinik Berchtesgadener Land. Er erzählt im Interview von seinen Eindrücken und Erfahrungen an der Schön Klinik Berchtesgadener Land, im Verlauf der Pandemie und davon wie es aktuell ist und sich mutmaßlich entwickeln wird.

Hat sich die Belastung in Ihren Einrichtungen insbesondere im Landkreis Berchtesgadener Land über die Zeit der anhaltenden Corona-Pandemie verändert beziehungsweise gibt es eine höhere Zahl von Anfragen zu einem Aufenthalt?
Neben dem enormen organisatorischen Aufwand leidet vor allem - bedingt durch das permanente Maskentragen - der Austausch zwischen Patient und Therapeut, da ohne sichtbare Mimik viel Emotionales sowohl für den Patienten als auch den Therapeuten verborgen bleibt beziehungsweise im wahrsten Sinne des Wortes nicht sichtbar wird.
Dies bedeutet, dass nicht nur genauer nachgefragt werden muss, sondern insbesondere auch vom Therapeuten Zuversicht, Unterstützung und Empathie in einem ganz anderen Maß verbalisiert werden muss, um den Patienten besonders am Anfang der Behandlung mit seinen Ängsten und Sorgen zu erreichen beziehungsweise bei der Problematik abzuholen.
Ferner ist die Hemmschwelle, eine Klinik aufzusuchen, für das Patientenkollektiv insgesamt größer geworden ist. Viele haben Angst, sich in größeren Menschenmengen schneller und leichter anstecken zu können. Dies bedeutet, dass sich eher Patienten mit einem hohen Leidensdruck und schwereren Symptomen zum jetzigen Zeitpunkt für einen Klinikaufenthalt entscheiden.
Ist eine Veränderung der anteiligen Krankheitsbilder wie Depression, Angst-, Ess- und Zwangsstörungen erkennbar beziehungsweise ist ein Krankheitsbild in den Vordergrund gerückt?
Ängste und depressive Verstimmungen haben sicherlich im Allgemeinen bedingt durch die Pandemie prozentual zugenommen. Ferner wird es sicherlich zu einer Zunahme an Belastungsstörungen beziehungsweise auch von posttraumatischen Störungen kommen, durch extreme Ereignisse, wie Tod, schwere Krankheit, Beatmung, Intensivstation, lange Isolation und ähnliches.
Für viele Patienten, die mittelbar und unmittelbar von der Pandemie betroffen waren, hatte dies Auswirkungen auf ihr Krankheitsbild. Aber eine eindeutige Veränderung zu bestimmten Krankheitsbildern können wir nicht bestätigen. Viel mehr kommen nun noch Patienten mit einer überstandenen COVID 19-Infektion und den sich aus dieser Infektion ergebenden behandlungsbedürftigen Einschränkungen hinzu. Diese sind nicht selten sehr stark betroffen.
Sind ausreichend Plätze für Akutfälle vorhanden?
In unseren Kliniken gibt es quasi keine leeren Betten. So lang ist die Warteliste derer Patienten, die auf eine Behandlung warten. Bei der Belegung der Klinik ist der Allgemeinzustand der Patienten eins der Entscheidungskriterien für eine zeitnahe Aufnahme.
 Gibt es Anhaltspunkte, dass die aktuelle pandemische Situation den Heilungsprozess der Patienten einschränkt? 
Von einer Einschränkung kann man hier aus unserer Sicht nicht sprechen. Jedoch beeinflusst die pandemische Situation durchaus den Heilungsprozess, denn die Patienten sind viel ängstlicher geworden, einen Arzt bzw. ein Krankenhaus aufzusuchen. Erst, wenn es gar nicht mehr geht, entscheidet man sich zum Arzt zu gehen bzw. ein Krankenhaus aufzusuchen. Die Angst vor Ansteckung ist oft sehr groß. Das bedeutet, dass die Behandlung später begonnen wird und sich dadurch der Heilungsprozess verzögert beziehungsweise gegebenenfalls sogar die Krankheit chronifiziert 
Hinzu kommt, dass Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz sich zeitweise deutlich verlängert haben. Zudem sind die Hygienevorgaben gerade für Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern nicht einfach zu akzeptieren und zum Teil sind auch längere Behandlungsprozesse notwendig geworden. 
Gibt es verstärkt Anfragen von jungen Patienten in der Altersgruppe bis 30 Jahre?
Der Altersdurchschnitt der Patienten hat sich nicht verändert. Ein Anstieg in diesem Bereich ist jedoch mit Sicherheit zu erwarten. Was aber jetzt schon zu verzeichnen ist, ist ein gleichmäßiger Anstieg in allen Altersgruppen. Das liegt unserer Meinung nach an der gestiegenen Anzahl an erkrankten Patienten, weil sich die Pandemie entsprechend begünstigend auf die Manifestation von einigen psychischen Störungsbildern auswirkt.  

mda

Kommentare