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Krankenkassen in Finanznot

Wirtschaftsweiser prognostiziert Rekordbeiträge für Rente und Krankenkasse unter Merz-Regierung

Die Sozialbeiträge nähern sich einem Rekordniveau. Wirtschaftsweise Martin Werding mahnt zur Vorsicht. Ohne Reformen drohen Rente und Krankenkassen zu scheitern.

Berlin – Die Sozialabgaben in Deutschland steuern auf ein historisches Rekordniveau zu. Bereits heute fließen rund 42 Prozent des Bruttoeinkommens von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern inklusive Anteile von Arbeitgebern in die sozialen Sicherungssysteme. Doch das könnte bald noch deutlich mehr werden: Der Wirtschaftsweise Martin Werding warnt die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) eindringlich davor, dass die Beiträge ohne grundlegende Reformen auf bis zu 50 Prozent steigen könnten. „Die aktuelle Entwicklung ist atemberaubend“, sagte Werding gegenüber der Rheinischen Post.

Die Ursachen für diese dramatische Entwicklung liegen vor allem im demografischen Wandel. Deutschland altert zunehmend, und dies belastet die sozialen Sicherungssysteme massiv. Laut dem Demografieportal der Bundesregierung nimmt der Anteil der älteren Bevölkerung rasant zu. Bereits heute ist jede fünfte Person in Deutschland älter als 66 Jahre, und der Anteil hochbetagter Menschen über 85 Jahre wird sich bis 2055 von derzeit rund 2,3 Millionen auf bis zu 6,5 Millionen nahezu verdreifachen. Diese Entwicklung bringt das umlagefinanzierte System der Renten- und Krankenversicherung an seine Grenzen.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Demografischer Wandel belastet Rente, Krankenkasse, Pflege massiv: Zusatzbeiträge steigen drastisch

Die Folgen dieser demografischen Entwicklung sind bereits jetzt spürbar. Experten sprechen bereits von einer tiefgreifenden finanziellen Krise der gesetzlichen Krankenkassen. Ein Defizit von 6,2 Milliarden Euro allein für das Jahr 2024 zwingt viele Kassen, ihre Zusatzbeiträge drastisch zu erhöhen. Laut GKV-Schätzerkreis liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag inzwischen bei 2,5 Prozent, einzelne Kassen verlangen sogar bis zu vier Prozent, zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, bezeichnete die Lage im Podcast „‘ne Dosis Wissen“ der Apotheken Umschau als dramatisch: „Das ist nicht mehr eine übliche Finanzkrise, sondern wir sind für einen Teil der Kassenlandschaft wirklich am Rande des Zusammenbruchs.“

Der Wirtschaftsweise Werding prognostiziert, dass die Sozialabgaben bereits im Laufe dieses Jahres auf etwa 43 Prozent steigen werden. Grund dafür seien vor allem die erhöhten Zusatzbeiträge der Krankenkassen und eine bevorstehende Anhebung der Pflegeversicherung. Doch damit nicht genug: Spätestens 2027 oder 2028 werde auch die Rentenkasse betroffen sein. Die Rentenbeiträge, die aktuell bei 18,6 Prozent liegen, könnten dann sprunghaft auf annähernd 20 Prozent steigen. „Damit ist bis zum Ende dieser Legislaturperiode eine Abgabenbelastung von 45 Prozent in Sicht“, betont Werding. Er mahnt dringend Reformen an, da die derzeit diskutierten Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichten.

Wirtschaftsweise Prof. Martin Werding warnt: „Die Beitragssätze könnten irgendwann 50 Prozent erreichen.“

Babyboomer gehen in Rente: Rentenbeiträge steigen spätestens 2028 deutlich an

Ein Blick auf die Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigt diese Einschätzung: Die Zahl der Menschen im Rentenalter wird bis 2037 auf bis zu 20 Millionen steigen. Danach verschieben sich die stark besetzten Jahrgänge der sogenannten Babyboomer-Generation zunehmend in die Gruppe der Hochbetagten. Dies bedeutet, dass immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentnerinnen und Rentner finanzieren müssen. Laut einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) könnte der Beitragssatz zur Sozialversicherung bis zum Jahr 2050 sogar auf 52,9 Prozent ansteigen, wenn die Politik nicht entschieden gegensteuert.

Die Konsequenzen dieser Entwicklung treffen vor allem jüngere Generationen hart. Laut WIP zahlt ein heute geborener Mensch im Laufe seines Erwerbslebens durchschnittlich rund 904.000 Euro an Sozialabgaben – das sind etwa 260.000 Euro mehr als jemand, der 1960 geboren wurde. „Wenn künftige Erwerbstätige über die Hälfte ihres Einkommens für Sozialbeiträge aufbringen müssen, ist das kein tragfähiger Generationenvertrag mehr“, warnt Dr. Frank Wild, Institutsleiter des WIP. Wenn man die 50 Prozent, die mancherorts für die Miete aufgebracht werden muss, hinzuzieht, bleibt von den Einkommen mancher Bürger de facto nichts mehr übrig.

Junge Generation trägt enorme Lasten: Generationenvertrag gefährdet

Um die Lage zu entschärfen, fordert Andreas Storm eine umfassende Reform des Gesundheitssystems. Neben einer finanziellen Neuausrichtung schlägt er ein Primärarztsystem vor, bei dem Patientinnen und Patienten zunächst zu einer Hausärztin oder einem Hausarzt gehen müssen, bevor sie spezialisierte Leistungen in Anspruch nehmen. Dies könnte laut Storm helfen, die prekäre Situation bei der Terminvergabe zu verbessern.

Auch die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung sowie das Beihilfesystem für Beamte stehen zunehmend in der Kritik. Storm hinterfragt offen, ob diese Systeme noch zeitgemäß seien. „Man kann natürlich nur ganz schwer erklären, warum zum Beispiel ein Lehrer, der angestellt ist, eine andere Gesundheitsabsicherung hat als ein Lehrer, der verbeamtet ist“, so Storm im Podcast der Apotheken Umschau. Die Bundesregierung steht somit vor einer immensen Herausforderung. Ohne tiefgreifende Reformen drohe das soziale Sicherungssystem in Deutschland langfristig an Akzeptanz zu verlieren. (ls mit Material der dpa)

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